Rezepte für 12 Punkte: So schmeckt der Song Contest
Mit mit dem offiziellen ESC-Kochbuch erscheint eine kulinarische Hommage an 70 Jahre Musikgeschichte. Autorin Manuela Tiefnig erzählt im Interview, wie aus Siegerliedern und Länderporträts ein Kochbuch wurde.
Seit 1956 sorgt der Eurovision Song Contest für Glitzer, Herzschmerz und jede Menge überraschende Geschichten: Von Siegern wie Irland und Schweden mit jeweils sieben Titeln über schräge Songtexte bis hin zu absurden Rekorden, die selbst eingefleischte Fans schmunzeln lassen. In »Eurovision – Das Kochbuch« verbindet die Autorin Manuela Tiefnig auf diese Weise die kulinarische Vielfalt Europas mit der popkulturellen Ikone ESC. 35 Länder und ihre landestypischen Rezepte werden zu einer kulinarischen Reise durch die Musikgeschichte.
Autorin Manuela Tiefnig spricht mit Falstaff über die Idee hinter dem Buch, die Auswahl an Rezepten und darüber, wie ein Kochbuch den größten Gesangswettbewerb der Welt auf neue Weise erzählt.
Frau Tiefnig, schauen Sie den Song Contest auch persönlich? Was war eines Ihrer Highlights in all den ESC-Jahren?
Für mich ist der Song Contest 365 Tage im Jahr. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht in irgendeiner Form daran denke. Der Bewerb beginnt ja nicht erst am Finalabend. So richtig »reingekippt« in die Thematik Song Contest bin ich bei Conchita. Damals war ich Redakteurin bei einer Tageszeitung. Als der Song Contest 2015 in Wien war, habe ich gemerkt: Das sind nicht nur drei Minuten auf einer Bühne. Dahinter steht eine riesige Community, das ist wie eine Familie. Wenn man einmal Teil davon ist, möchte man keine ›Familienfeier‹ mehr auslassen.
Sie arbeiten im Buch mit vielen Fun Facts und historischen Einordnungen. Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Dass Österreich, Deutschland und die Schweiz gemeinsam die Zero-Points-Liste anführen. Ich wusste, dass wir oft null Punkte bekommen haben, aber dass die DACH-Länder hier vorne liegen, hat mich überrascht. Spannend war auch, mich stärker mit dem Beginn des Bewerbs zu beschäftigen. Oder dass Estland 2024 den längsten Songtitel der ESC-Geschichte hatte. Und natürlich Sandra Kim, die 1986 bei ihrem Alter geschwindelt hat: Sie gab an, 15 Jahre alt zu sein, dabei war sie erst 13. Heute muss man mindestens 16 Jahre alt sein, um am Bewerb teilzunehmen. Und dann gibt es kuriose Regeln: Zum Beispiel dürfen keine Tiere auf die Bühne – da fragt man sich, was passiert ist, damit solche Regeln notwendig sind.
Welches österreichische Gericht sollten die internationalen Delegationen probieren?
Ganz klar: Schnitzel. Für die, die etwas vegetarisches wollen, würde aber auch Käsespätzle empfehlen. Und etwas Süßes gehört dazu: Apfelstrudel oder Sachertorte. Diese Klassiker haben ihren internationalen Ruf nicht umsonst.
Wie funktioniert die Verköstigung beim ESC selbst?
Ich kann nur für die Medienvertreter:innen reden, aber im Pressezentrum gibt es ein Catering. Ich habe dort oft zwölf bis vierzehn Stunden verbracht. Da braucht man Snacks und eine kleine Kantine. Als Journalistin steht das Essen allerdings meist nicht im Mittelpunkt. In Lissabon habe ich mir immer Pastéis de Nata gegönnt. Man muss sich Zeit nehmen, sonst geht die Kulinarik im Trubel unter.
Was würden Sie für eine ESC-Watch-Party vorbereiten?
Ich mache solche Abende gern mit Freundinnen, oft länderspezifisch. Wenn wir das schwedische »Melodifestivalen« schauen, gibt es zum Beispiel schwedische Snacks.
Für eine Watch-Party in Österreich würde ich Fingerfood vorbereiten: Schnitzelsemmeln, Bier, vielleicht Almdudler. Etwas Unkompliziertes, damit man sich auf die Show konzentrieren kann – der Finalabend ist lang. Und bei so einem Voting braucht man Nervennahrung.
Welches Land würden Sie kulinarisch immer wieder besuchen – unabhängig vom ESC?
Schweden. Es verbindet Kulinarik, Musik und Kultur auf eine Weise, die mir gefällt. In Stockholm habe ich etwa Elchfleisch probiert. Und ich war bei einer ›Mamma Mia‹-Dinnershow eingeladen – mit schwedisch angehauchter Küche und einem Treffen mit Björn Ulvaeus von ABBA. Und Portugal: Tapas, Oliven, Brot, ein Glas Wein – wenn man sich Zeit nimmt, ist das eine wunderbare Verbindung von Reise und Song Contest.
Gibt es eine ›Geschmacks-Geografie‹ Europas?
Ich finde es beeindruckend, was Europa auf Bühne und Teller zaubert. Gerade deshalb bin ich gern Europäerin. Der ESC bringt seit sieben Jahrzehnten unterschiedliche Kulturen zusammen – nur einmal unterbrochen durch Corona. Diese Vielfalt ist etwas Besonderes.
Wenn der ESC ein Gericht wäre – welches wäre er?
Pizza oder Pasta. Man kann ständig neue Zutaten oder Toppings hinzufügen und es ist für alle etwas dabei. Und man redet darüber – genau wie über den ESC. Es gibt immer Diskussionsstoff.
Was wünschen Sie sich für das Buch?
Ich hoffe, dass die Menschen in zwei Leidenschaften eintauchen können: Kochen und Song Contest. Ich freue mich sehr, dass das 70. Jubiläum in Wien stattfindet. 2015 hat sich die Stadt verändert, ich find es ist ein besonderer Zauber in der Luft gelegen. Der ESC tut einer Host City gut.
Die Autorin
Manuela Tiefnig ist Entertainment- und Kultur-Redakteurin, ist langjähriges Vorstandsmitglied des offiziellen, österreichischen Fanclubs OGAE Austria. Als ESC-Expertin besuchte sie zahlreiche Shows live vor Ort.
Verlag: Brandstätter Verlag
ISBN:978-3-7106-0960-2
Format: 19 x24 cm
Seiten: 184
Einband: Hardcover
Preis: 28 Euro