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Enoturismo: Wie Italien den Wein neu erlebbar macht

Italien
Tourismus
Weinbau

Authentische Erlebnisse, kulinarische Entdeckungen und Übernachtungen direkt beim Winzer machen den Enoturismo zu einem der stärksten Wachstumstreiber im italienischen Tourismus.

Wein allein genügt heute oft nicht mehr. Während der weltweite Weinkonsum vielerorts rückläufig ist, entwickelt sich der Weintourismus zu einer der wichtigsten Zukunftschancen für Weinregionen. Besonders in Italien boomt der sogenannte Enoturismo. Längst geht es dabei nicht mehr nur um eine Kellerführung mit anschließender Verkostung. Gefragt sind authentische Erlebnisse, Begegnungen mit Winzern, kulinarische Entdeckungen und Aufenthalte mitten in den Weinbergen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der italienische Wein- und Kulinariktourismus erreichte zuletzt ein Marktvolumen von rund 40 Milliarden Euro. Allein auf den Weintourismus entfallen rund drei Milliarden Euro Umsatz. Jährlich besuchen etwa 15 Millionen Menschen italienische Weingüter, mehr als 40 Prozent davon kommen aus dem Ausland. Besonders stark vertreten sind Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, für die Wein und Kulinarik zu den wichtigsten Reisemotiven zählen.

Wein wird erlebt

Was Reisende heute suchen, ist weit mehr als ein gutes Glas Wein. Gefragt sind Geschichten über Herkunft und Terroir, persönliche Begegnungen mit Produzenten, regionale Küche, Übernachtungen auf Weingütern und authentische Naturerlebnisse. »Wein wird nicht mehr nur verkostet – er wird erlebt«, bringt es eine aktuelle Analyse der Tourismusforscherin Roberta Garibaldi auf den Punkt.

Davon profitieren Regionen von Südtirol über das Piemont und die Toskana bis nach Sizilien. Zahlreiche Betriebe haben in den vergangenen Jahren in Gästezimmer, Restaurants, Wellnessbereiche und Erlebnisangebote investiert. Für viele Weingüter entwickelt sich der Tourismus zunehmend zu einem zweiten wirtschaftlichen Standbein.

Besonders die jüngere Generation sucht nach individuellen und nachhaltigen Reiseerlebnissen. Während klassische Weinreisende häufig zwischen 40 und 65 Jahre alt sind und Wert auf Komfort sowie persönliche Betreuung legen, bevorzugen jüngere Gäste kürzere, erlebnisorientierte Reisen mit hohem Erlebnis- und Lifestylefaktor.

Orientierung im Angebotsdschungel

Mit dem Wachstum des Weintourismus steigt auch die Nachfrage nach spezialisierten Plattformen. Eine davon ist Wine2Stay, eine neue mehrsprachige Plattform mit Fokus auf Italien. Das Angebot bündelt Übernachtungen auf Weingütern, Weinreisen und redaktionelle Inhalte rund um die wichtigsten Weinregionen des Landes. Ziel ist es, Reisenden die Orientierung in einem zunehmend vielfältigen Markt zu erleichtern.

Gründerin Susanne Wess beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Wein, Kulinarik und Tourismus. Ihre Beobachtung: Gerade kleinere Weingüter profitieren vom wachsenden Interesse an authentischen Reiseerlebnissen. Der direkte Kontakt zwischen Gästen und Produzent:innen wird zunehmend zu einem wichtigen Erfolgsfaktor.

Falstaff-Sonderheft erscheint im Juni

Wer Inspiration für die nächste Weinreise sucht, findet diese auch in der kommenden Falstaff-Sonderausgabe »Weinreisen«, die Mitte Juni erscheint. Darin stellen die Falstaff-Redaktionen ausgewählte Wein- und Genusstouren durch einige der spannendsten Weinregionen Europas vor – von Südtirol, der Toskana und Venetien bis nach Bordeaux, in die deutschen Weinbaugebiete und nach Österreich.

Denn eines zeigt der aktuelle Boom des Weintourismus besonders deutlich: Wein ist längst nicht mehr nur ein Produkt. Er ist Anlass zum Reisen, zum Entdecken und zum Eintauchen in Landschaften, Kulturen und kulinarische Traditionen. Und genau darin liegt seine vielleicht größte Zukunftschance.


Othmar Kiem
Othmar Kiem
Direktor Falstaff Italien
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