© Falstaff / Peter Moser

Festtagsraritäten 2019: Weihnachtliche Spitzen

Kurz vor Weihnachten kam eine erlesene Kennerrunde zusammen, um auf Einladung von Falstaff-Herausgeber Wolfgang M. Rosam ausgewählte Raritäten zu probieren.

Vor Beginn der Weihnachtsfesttage lud Falstaff-Herausgeber Wolfgang M. Rosam zur alljährlichen Panel-Degustation mit ausgesuchten Raritäten mit Schwerpunkt Bordeaux. Eine vierzehnköpfige Kennerrunde kürte ihre Favoriten.

Die Ouvertüre machte nach einem Glas Champagne Dom Pérignon 2008 der legendäre Bordeaux-Jahrgang 1961. Die Weine aus diesem bereits rar gewordenen Jahr haben aufgrund ihrer hohen Reife und Konzentration meist einen höheren Alkoholwert und waren von Anfang an sehr teuer. Manche haben eine fast likörartige Süße und Konsistenz. So entstand ein unverwechselbarer und überzeugender Jahrgang. Viele Weine haben heute ihren Zenith bereits überschritten, und haben doch noch viel am Alterscharme zu  bieten. Unter den drei präsentierten Weinen glänzte Château Haut-Brion ganz besonders. Dieser Rotwein war ein Titan: es war der allererste Jahrgang für den Kellermeister Jean-Bernard Delmas und gleich eines seiner Meisterwerke, dem er noch bis 2003 einige folgen ließ. Der legendäre Kellermeister ist Anfang Oktober 2019 im Alter von 83 Jahren verstorben. Die beiden anderen Weine kamen aus der Appellation Margaux, wo Château Palmer 1961 einen Legendenstatus genießt. Dieser Jahrgang des Drittgewächs Palmer schoss das Weingut in den Bordeaux-Olymp, der Wein wurde bereits höher gehandelt als mancher Premier Cru. Kaum zu glauben, der Ausgabepreis an den Handel am Platz Bordeaux betrug schon bei der Release im Jahr 1962 umgerechnet 7 Francs! Der Wein von Palmer war der letzter Jahrgang von Jean Bouteiller, der 1962 verstarb. Palmer präsentierte sich diesmal delikat und von der zarten Seite, dennoch ist unübersehbar, dass längst auch die besten Einzelflaschen ihren Zenit schon überschritten haben. Château Margaux 1961 war nie ganz groß, ist aber elegant und sollte aus der Normalflasche zeitnah genossen werden.

Das nächste Bordeaux-Trio kam aus dem Jahrgang 1982. Speziell das nördliche Médoc glänzte in diesem Jahr mit grandiosen Weinen. Was 1982 von den vorangegangenen großen Jahren der Nachkriegszeit unterschied, war die deutlich größere Zahl an echten Spitzenweinen. Präsentiert wurden der extraktreiche Léoville-Las-Cases, der tanninbetonte Mouton und der perfekt harmonische Latour, alle drei Flaschen in Topform, typisch und mit hohem Widererkennungswert ausgestattet.

Das absolute Highlight jeder Bordeaux-Probe ist die Verkostung des Jahrgangs 1990. Wenn es sich dann noch um Weine vom Kaliber wie die Châteaux Margaux, Haut-Brion und Cheval Blanc handelt, ist die Freude nur noch größer.

Deutlich jünger waren die Vetreter des Folgeflights aus 2005, wo besonders Château Pétrus und Cheval Blanc zu strahlen wussten.

Mit drei blutjungen Topvertretern aus Napa Valley ging es in die vorletzte Runde, danach wurden zwei Klasse-Toskaner blind mit zwei spannenden Raritäten aus Österreich konfrontiert.

In der Probenpause stand einer alten Tradition folgend Burgund am Programm in Form von zwei Grands Crus des herausragenden Jahrgangs 2016. Dieses delikate Kontrastprogramm wurde mit La Tâche und Richebourg von der Domaine de la Romanée-Conti bestritten.

Zum Käse wurde ein herrlicher Niepoort Colheita Port aus dem perfekten Jahr 1935 serviert, der die Verkoster mit seiner Harmonie und seinen facettenreichen Aromen begeisterte.

Das Finale der großartigen Probe machte mit Roederer Cristal Rosé 2009 wieder ein toller Jahrgangs-Champagner.

Bei der abschließenden Abstimmung nannte jeder der vierzehn Falstaff-Juroren seine drei Favoriten dieses denkwürdigen Abends und so konnten die ersten drei Plätze vergeben werden: Schließlich lag Château Margaux 1990 an der Spitze, Château Latour 1982 und Château Haut-Brion 1990 teilten sich den zweiten Platz, knapp dahinter landete der Château Haut-Brion 1961.

ZU DEN VERKOSTUNGSNOTIZEN

Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
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