Good Cop oder Bad Cop? Alain Weissgerber in seiner neuen Show »Raus aus Teufelsküche«
Ein Biergarten mitten in Wien – klingt zunächst gut, kann aber im Gastro-Chaos enden. In der Auftaktfolge von »Raus aus Teufelsküche« begleitet Spitzenkoch Alain Weissgerber »Fercos Biergarten« auf einem steinigen Weg.
Am Dienstag, 20. Mai 2025, startete Alain Weissgerber in der ersten Folge von »Raus aus Teufelsküche« gleich mit einer besonderen Herausforderung: Mitten im Wiener Prater wartet »Fercos Biergarten« auf frischen Wind – und dringend notwendige Veränderungen. Eigentümer Ferdinand Fercos, einst Zirkus-Star in Las Vegas, führt den Familienbetrieb, doch Konzept, Küche und Kommunikation sind längst in Schieflage geraten. Geschäftsführer Mitat Can bittet Weissgerber um Hilfe – in der Hoffnung, dass nur er den sturen Chef zum Umdenken bewegen kann. Zwischen Chaos im Team, heruntergekommenem Interieur und einer altbackenen Speisekarte: Gelingt es Alain Weissgerber, den Betrieb in nur 48 Stunden in neuem Glanz erstrahlen zu lassen?
Eine Prise Strenge
Mit »Raus aus Teufelsküche« startet erstmals eine österreichische Rettungsshow für Gastronomiebetriebe – und das in einer TV-Nische, die international längst Kultstatus genießt. Wenn man Alain Weissgerber mit jemandem wie Gordon Ramsay vergleicht – der mit seiner englischsprachigen Show »Kitchen Nightmares« sowohl in Großbritannien als auch in den USA ein Millionenpublikum erreichte – fällt sofort auf: Der Ton ist ein wenig anders. Ramsay prägte das Genre mit Wutausbrüchen, Schimpftiraden und knallharter Konfrontation – laut, kompromisslos, oft gnadenlos. Alain Weissgerber dagegen schlägt leisere, aber nicht weniger bestimmte Töne an. Der vielfach ausgezeichnete Spitzenkoch offenbart Missstände schonungslos, bleibt dabei aber respektvoll. Wo Ramsay mit der Faust auf den Tisch haut, stellt Weissgerber unbequeme Fragen. Seine Stärke: präzise Beobachtung, direkte Ansprache und kulinarischer Anspruch auf höchstem Niveau.
Kein Geschmack, kein Konzept, keine Gäste
In der Auftaktfolge verschlägt es Alain Weissgerber mitten in den Wiener Prater zu »Fercos Biergarten«. Was auf dem Papier nach bester Lage klingt, entpuppt sich schnell als maroder Betrieb mit einem überforderten Team und einem Chef, der sich lieber abends zur Abrechnung blicken lässt, als sich um das Tagesgeschäft zu kümmern. Restaurantleiter Mitat Can ist offiziell für alles zuständig – Bar, Service, Management – fühlt sich aber für nichts wirklich verantwortlich. Weissgerber will sich ein eigenes Bild machen und bestellt nach Beratung mit Servicekraft Celal eine Frittatensuppe, das angeblich beliebte Schnitzel und ein Gulasch. Die Enttäuschung folgt auf dem Fuß: Das Schnitzel ist tiefgekühlt, das Gulasch ungenießbar, die Suppe belanglos. Selbst Celal probiert mit und sagt ehrlich: »Das ist wirklich schlecht.« »Ich würde das meiner Frau nicht vorsetzen«, sagt Weissgerber kopfschüttelnd. Um wenigstens ein paar Gäste zu gewinnen, schickt er Can und Celal auf den Prater, um mit einem gratis Abendessen zu locken – doch niemand lässt sich blicken. Weissgerber zieht die Reißleine und bricht den ersten Tag ab.
Die Fronten verhärten sich
Der nächste Morgen startet mit einem Krisenmeeting. Weissgerber stellt klar: Ohne echte Führung geht hier nichts voran. Doch Restaurantleiter Can zeigt sich wenig einsichtig, fühlt sich vom Spitzenkoch angegriffen und weicht jeder Verantwortung aus. Statt Rückhalt für das Team zu zeigen, zieht er sich aus der Führungsrolle zurück. Auch die übrigen Mitarbeiter wollen keine Fehler eingestehen – jeder zeigt auf den anderen. Mit einem Fragebogen will Weissgerber Klarheit schaffen: Wer kann was? Wer will was? Währenddessen läuft die Renovierung auf Hochtouren – Bauleiter Joseph und sein Team flicken Wände, tauschen Mobiliar und schaffen eine neue Atmosphäre. Parallel dazu sucht Weissgerber das Gespräch mit Besitzer Ferdinand und konfrontiert ihn mit der veralteten Speisekarte. Tiefkühlkost sei keine Basis für ein zukunftsfähiges Lokal. Erste Bewegung kommt ins Spiel: In der Küche werden Mini-Brioche mit knusprigem Hühnerschnitzel, Salat und Senfkaviar vorbereitet – kleine Häppchen für eine Promo-Aktion. Zwar weigert sich Can zunächst, auf den Prater zu gehen (»Ich bin der Manager, das ist nicht mein Job«), doch schlussendlich übernehmen Celal und Barkeeper Andrei die Aufgabe – mit Erfolg. Die Passanten sind begeistert.
Neuer Glanz – alte Muster
Am Tag der Neueröffnung zeigt sich das Lokal in völlig neuem Licht: Frische Dekoration, neue Tische und vor allem ein komplett überarbeitetes Menü. Das Frittieröl ist endlich ausgetauscht, die Küche läuft auf Hochtouren. Auf der Karte stehen nun Fladenbrot mit Liptauer, herzhafte Vorspeisen zum Teilen und als neues Signature Dish ein Zwiebelrostbraten auf Brioche mit Rotkraut sowie Gulasch. Rund 40 Gäste füllen den Innenraum des Lokals, doch hinter den Kulissen läuft längst nicht alles rund. Im Service herrscht Chaos: Can verwechselt Tische, bringt die Abläufe durcheinander und sorgt so für Frust. Die Spannungen zwischen ihm und Weissgerber steigen, die Atmosphäre droht zu kippen. Doch trotz aller Schwierigkeiten geht der Abend erfolgreich zu Ende – die Gäste sind begeistert, das Lob für das Essen groß. Weissgerbers Resümee fällt klar aus: »Fercos Biergarten könnte wirklich eine Goldgrube sein – aber nur mit einem neuen Küchenchef und einem neuen Geschäftsführer.«