Staatskellerei Zürich: Ein Blick hinter die Kulissen
Die Staatskellerei Zürich verbindet traditionsreichen Weinbau mit mutiger Innovation – und trifft damit nicht nur den Zeitgeist, sondern auch den Geschmack der ganzen Schweiz. Ein Besuch in Rheinau, wo einer der erfolgreichsten Weissweine des Landes entsteht.
Man schrieb das Jahr 1862, als Gottfried Keller, damals Staatsschreiber des Kantons Zürich, den Grundstein für die heutige Staatskellerei Zürich legte. Keller verfasste nach der Auflösung des Benediktinerklosters Rheinau die notwendigen Weisungen, um den traditionsreichen Klosterkeller unter die Obhut der kantonalen Verwaltung zu stellen. Mit seiner Unterschrift besiegelte er die Zusammenlegung des Klosterkellers Rheinau mit dem Zürcher Spitalamtskeller – wodurch die Staatskellerei Zürich entstand, deren Aufgabe es war, die kantonalen Spitäler und Anstalten mit Wein zu versorgen.
Keller war nicht nur engagierter Staatsschreiber, sondern vor allem einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Und vermutlich gibt es weltweit kein einziges anderes Weingut, das wie die Staatskellerei von einem Schriftsteller begründet wurde. Mit Werken wie «Der grüne Heinrich» und «Die Leute von Seldwyla» prägte Keller den literarischen Realismus und gehört bis heute zum festen Kanon der deutschsprachigen Literatur. Diese Bedeutsamkeit kommt heute auch der Staatskellerei Zürich gleich, wenn es um den Weinbau in der Deutschschweiz geht.
Mit seinen etwa 600 Hektar Rebfläche nimmt der Kanton Zürich die flächenmässig bedeutendste Stellung in der Deutschschweiz ein. Rund zehn Prozent dieser Fläche werden im pittoresken Rheinau verarbeitet, was die Staatskellerei zum zweitgrössten Produzenten und einzigen reinen Traubenkäufer im gesamten Kanton macht. Apropos Rheinau: Wer die wunderschöne Halbinsel im Norden des Kantons Zürich, wo der Rhein eine markante Doppelschleife macht, noch nie besucht hat, sollte das schleunigst nachholen. Die malerische Flusslandschaft, die ehemalige Klosteranlage, die Reben, die Ruhe. Alles lädt hier zum Verweilen ein. Wohl kaum einer der Besucher wird erahnen, dass hier, hinter einem grossen historischen Holztor, je nach Jahrgang über eine Million Flaschen Wein entstehen.
Regionale Trauben, nationale Wirkung
Aus Trauben von 100 Weinbauern, mit denen enge Partnerschaften geführt werden und deren Rebberge sich auf alle wichtigen Weinanbaugebiete der Region verteilen: Unterland, Rafzerfeld, Winterthur, Weinland, Zürichsee und Oberland. Unter den 23 verschiedenen Etiketten findet sich auch die überaus erfolgreiche Staatsschreiber-Linie, angelehnt an die Gründungsgeschichte mit Keller und einer der grossen Schweizer Blockbuster im Weinbereich – mittlerweile werden sieben verschiedene Weine dieser Linie produziert.
«Der Staatsschreiber ist quasi die Staatskellerei. Unser mit Abstand bekanntester Wein und der am zweitmeisten verkaufte Weisswein der gesamten Schweiz», berichtet Christoph Schwegler, der Geschäftsführer der Staatskellerei. Ein derart erfolgreiches Produkt ist natürlich nicht nur Aushängeschild der Staatskellerei, sondern verhilft der gesamten Weinregion Zürich zu schweizweiter Bekanntheit.
Und dessen sind sich die Berufskollegen durchaus bewusst, berichtet Schwegler. Der Marketingprofi übernahm die Leitung der Staatskellerei, die seit 1997 zum Mövenpick-Konzern gehört, vor 19 Jahren und hat den damals etwas verstaubten Betrieb in den letzten Dekaden in die Gegenwart bugsiert – ihm neues Leben eingehaucht. Eine seiner ersten Innovationen war der Compleo Cuvée Noir, der in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum feiert und mittlerweile eine der stärksten Weinmarken von Mövenpick ist.
Weshalb der Wein so gut ankommt? «Der Compleo ist Everybody’s Darling. Vollfruchtig, zugänglich. Man sagt, es sei der Zürcher Primitivo», erläutert Schwegler, der gemessen am Erfolg seiner Produkte ein hervorragendes Gespür dafür hat, was bei der Mehrheit gut ankommt.
Design trifft Algorithmus
Für das Jubiläum des Compleo hatte er eine ganz besondere Idee: Mit der Édition Couleur erhielt der Wein nicht nur eine neue Etikette, sondern Tausende. Jede Flasche der Cuvée aus Pinot Noir, Gamaret und Cornalin trägt eine andere Farbe des Farbspektrums. Auf diese Weise sind so viele unterschiedliche Etiketten entstanden, wie Flaschen gefüllt wurden. «Der Compleo ist pure Harmonie, bestes Traubengut, Leidenschaft und innovatives Weinschaffen im perfekten Zusammenspiel», erläutert Jan Amann, der in seiner Funktion als neuer Kellermeister der Staatskellerei die Vinifikation des Mövenpick-Weins des Jahres massgeblich geprägt hat.
Schwegler und Amann verbinden behutsam Tradition mit Moderne. Die Staatskellerei hat sich seit Kellers Zeiten stetig weiterentwickelt, bleibt aber ihren Wurzeln treu. Vom Staatsschreiber bis zum Compleo spiegelt jeder Wein sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart des Zürcher Weinbaus wider.