«Wir wollen Schweizer Wein in der Gastronomie stärken»
Schweizer Wein hat sich stark weiterentwickelt, steht in der Gastronomie aber noch immer oft im Schatten grosser Weinländer. Der Sommelierverband will das ändern. Mit Schulungstagen soll Servicepersonal lernen, Schweizer Weine sicherer zu empfehlen und überzeugender zu verkaufen.
Schweizer Wein steht unter Druck. Sinkender Konsum und Konkurrenz aus grossen Weinbauländern wie Italien, Frankreich oder Spanien beschäftigen Produzent:innen im ganzen Land. Hinzu kommt, dass sie im internationalen Vergleich oft erklärungsbedürftiger sind – auch preislich. Nun will der Schweizerische Verband der professionellen Sommeliers mit nationalen Sensibilisierungs- und Schulungstagen dort ansetzen, wo viele Kaufentscheidungen fallen: im Restaurant, im Hotel und im direkten Verkauf.
Wissen als Verkaufsfaktor
Geplant sind sogenannte «Sensibilisierungs- und Schulungstage zum Verkauf von Schweizer Weinen». Sie richten sich an Sommeliers und Sommelièren, Gastronom:innen, Hotelier:innen, F&B-Verantwortliche sowie Mitarbeitende im Service und Verkauf. Das Ziel ist es, Fachleuten praxisnahes Wissen zu vermitteln, damit Schweizer Weine im Arbeitsalltag sicherer empfohlen, besser erklärt und häufiger angeboten werden können.
«Es geht nicht darum, ausschliesslich Schweizer Wein zu verkaufen», sagt Alexandra Banhidi, Präsidentin des Sommelierverbands Deutschschweiz. Vielmehr solle Schweizer Wein mehr Aufmerksamkeit erhalten und im Vergleich zu internationalen Weinen selbstverständlicher mitgedacht werden. Denn die Entscheidung für eine Flasche falle in vielen Restaurants nicht allein durch die Weinkarte, sondern durch die Empfehlung am Tisch.
Gerade deshalb seien Fachwissen, Begeisterung und gute Argumente entscheidend. Wer Schweizer Rebsorten, Regionen und Produzent:innen kennt, könne diese auch überzeugender vermitteln. Das sei besonders wichtig, weil viele Mitarbeitende in der Schweizer Gastronomie aus dem Ausland kommen und mit dem hiesigen Weinbau zunächst wenig vertraut sind. Die Schulungen sollen einen Beitrag zur allgemeinen Weiterbildung und Integration im Service leisten.
Schweizer Wein braucht Botschafter:innen
Die Initiative befindet sich derzeit noch in Planung. Wann und wo die ersten Schulungstage stattfinden werden, ist noch offen. Die Umsetzung hängt auch von finanziellen Mitteln, Partner:innen und Sponsor:innen ab. Angesprochen sind Akteur:innen aus Produktion, Handel, Gastronomie, Hotellerie und Weinpromotion, die den Schweizer Weinbau langfristig stärken wollen.
Der Ansatz ist bewusst praxisnah: Jede geschulte Person kann im Restaurant, im Hotel oder im Weinhandel zur Botschafterin oder zum Botschafter für Schweizer Wein werden. Denn gerade im persönlichen Gespräch mit Gästen entscheidet sich oft, ob ein Wein gewählt wird – oder nicht.
Für Banhidi ist klar: Schweizer Wein hat heute viel zu bieten. Damit er häufiger wahrgenommen wird, braucht es jedoch nicht nur gute Produzent:innen, sondern auch Menschen, die ihn erklären, empfehlen und mit Überzeugung verkaufen können.