Zehn Jahre Zusammenarbeit: Arnaldo Caprai & Michel Rolland
Zehn Jahre nach Beginn der Zusammenarbeit zwischen Marco Caprai und dem Önologen Michel Rolland zeigt sich der Sagrantino harmonischer und zugänglicher, ohne seinen markanten Charakter zu verlieren: eine neue Eleganz für den großen Rotwein aus Montefalco.
Sagrantino, eine autochthone Rotweinsorte, die in Montefalco in Umbrien beheimatet ist, gilt als die tanninreichste Sorte der Welt. Selbst der kräftigste Cabernet Sauvignon enthält nur etwas mehr als ein Drittel des Tannins eines Sagrantino und auch Tannat kann da nicht mithalten. Die ersten dokumentierten Spuren des Sagrantino in Montefalco gehen auf das Mittelalter zurück. In der Vergangenheit wurde der Wein traditionell süß ausgebaut, um seine imposante Tanninlast auszugleichen. Erst Ende der 1980er Jahre begannen die ersten Versuche von trocken ausgebautem Sagrantino.
Marco Caprai – Wegbereiter eines neuen Stils
Marco Caprai, der Anfang der 1990er Jahre die Leitung des von seinem Vater Arnaldo gegründeten Unternehmens übernahm, war einer der wichtigsten Wegbereiter dieses neuen Stils. Damals suchten Kritiker:innen und Weinliebhaber:innen nach intensiven, dichten Rotweinen: Der Sagrantino entsprach dieser Nachfrage perfekt. Im Laufe der Zeit zeigte sich jedoch eine Einschränkung: Trotz seines Körpers und seiner Kraft neigte der Wein auch nach zehn bis 15 Jahren Flaschenreife dazu, rau und schwer zugänglich zu bleiben.
Auf der Suche nach mehr Eleganz
Die Produzenten in Montefalco begannen daher, nach sanfteren Ausbaumethoden für den Sagrantino zu suchen. 2015 begegnete Marco Caprai dem Star-Önologen Michel Rolland in Bordeaux und konnte ihn für eine Zusammenarbeit gewinnen. Seither besuchen Rolland und seine rechte Hand Julien Vaud jedes Jahr Montefalco, um sich mit dem internen Team von Arnaldo Caprai auszutauschen.
Ziel: Mehr Frucht, feinere Tannine
Es geht uns darum, dem Sagrantino mehr Frucht zu verleihen und die Tannine geschliffener zu machen. – Marco Caprai
Das wird durch die »Vinifikation Intégrale« erreicht: Die Sagrantino-Trauben werden zusammen mit Trockeneis in offene Fässer gefüllt, dann wird der Behälter mit einem Deckel verschlossen und während der Gärung wiederholt gedreht.
Auf diese Weise erhalten wir Farbe, Frucht und süße Tannine aus der Schale, während wir die härteren, kantigeren Bestandteile vermeiden. – Michel Rolland
Verkostung mit Beweiskraft
Eine Verkostung der Jahrgänge 2010, 2015 und 2020 von Sagrantino »Collepiano«, »Valdimaggio« und »25 Anni« belegte eindrucksvoll den Erfolg des Projekts. Während sich die 2010er auch nach 15 Jahren Reife immer noch recht harsch und wenig zugänglich präsentierten, zeigten sich die 2020er mit saftiger Frucht und präsentem, im Kern aber spürbar samtigerem Tannin.
Eine vergleichende Verkostung der Jahrgänge 2010, 2015 und 2020 des Sagrantino »Collepiano«, »Valdimaggio« und »25 Anni« zeigt den Erfolg des Projekts: Die 2010er Weine präsentieren sich auch nach 15 Jahren Lagerung noch wenig zugänglich, während die 2020er Weine saftige Frucht aufwiesen sowie deutliche Tannine, die am Gaumen aber samtiger waren.
Struktur bleibt – Charakter auch
Wer befürchtet, dass der Sagrantino nun seine herzhafte Strenge verliert, kann beruhigt sein: Das Tannin ist immer noch vorhanden und die Identität der Rebe bleibt erhalten.