Ach, das vergisst man ja so leicht, wie leichtfüßig Frankreich ist. Dass nicht alles piekfein sein muss, nicht alles durchgestylt, sondern der besondere Charme dort entsteht, wo man sich einfach gehen lassen kann. Wer hätte gedacht, dass sich dieses Gefühl exportieren lässt. Aber in München darf man sich auch mal überraschen lassen. Und ein bisschen Frankreich kommt auch in Bayern gut an. Hier in Haidhausen spricht sogar der Kellner so Deutsch, dass man meint, es wäre Französisch, während er herrliche Austern serviert, garniert mit einer simplen Zitrone. Erfrischend einfach ist das, aber gut. Während man die Auster schlürft, schaut einem David Bowie mit strahlend roten Lippen von der Wand aus zu. Man prostet, Bowie bleibt cool. Aber dann: die Liebe in Form einer Dorade in einer Pistazienkruste. Darauf liegt ein knackiger Spargel, ein bisschen arrogant, kaum gegart, ganz Paris. Das muss man sich erst einmal leisten können. Aber es funktioniert bestens, denn der Fisch ist fantastisch, er kämpft nicht, sondern liegt in einer Gleichzeitigkeit neben der Knackigkeit der Stange, bedeckt von einer knusprigen, käsigen Würzigkeit. Comme il faut. Und dann glotzen einen die Lichter eines Citroën an. Auch von einer Wand. Aber das passt zum Spargel, der sich in der Hauptspeise mit einer Spargel-Espuma zusammentut und alle Texturen präsentiert, die er draufhat. Süßlich, sauer, knackig und frisch. Dazu trinkt man einen tänzelnden Rollin von 2020 und das Glück ist perfekt. Zum Schluss natürlich eine Käseplatte mit bewährten Klassikern und durchdachten Überraschungen. Und spätestens jetzt verwandeln sich die Worte im Mund in wohlklingende Laute wie: J’aime la vie.