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Bodensee: Urlaub am schwäbischen Meer

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Reisetipps

Ein See, drei Länder, unbegrenzte Möglichkeiten: Vom Frühstück in Deutschland über ein Eis in Österreich bis zu Käsespätzle in der Schweiz – ein Tag am Bodensee fühlt sich schnell wie eine kleine Weltreise an.

Glücklicherweise ist Verreisen heute einfacher als früher – die politische Annäherung half. Es gab eine Zeit, da waren Grenzübertritte selbst in europäische Nachbarländer mit Aufwand verbunden. So blieb man häufig einfach im eigenen Land (was, nebenbei bemerkt, bis heute die liebste Urlaubsform der DACH-Reisenden ist).

Wer Lust aufs Meer, aber keines im Land oder in der Nähe hatte, fuhr an den Bodensee. 260 Kilometer umfasst der Radweg, der den See umrundet; das andere Ufer ist oft nur vage erkennbar. »Durch seine Größe und Weitläufigkeit ist der Bodensee weit mehr als ein See«, schwärmt David Jeschke, der die Surfschule Wasserburg am Nordostufer betreibt. »So unterschiedliche Landschaften auf kleinem Raum sind etwas Einzigartiges.« Und so viele Kulturen: ein See, drei Länder, unbegrenzte Möglichkeiten. Selbst in Zeiten offener Grenzen hat es etwas Magisches: Frühstück in Deutschland, nachmittags ein Eis an der Bregenzer Bucht, abends auf eine Portion Käsespätzli in die Schweiz. Selbst wer in seinem Land bleibt, spürt die kulturelle Vielfalt, die über den grenzenlosen See hinüberweht.

Ehrwürdig und voller Geschichte: Einst ein Kloster, heute das mondäne »Steigenberger Inselhotel« auf einer privaten Insel in Konstanz.
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Ehrwürdig und voller Geschichte: Einst ein Kloster, heute das mondäne »Steigenberger Inselhotel« auf einer privaten Insel in Konstanz.

Je nachdem, was die Wetter-App

Viele Pensionen werden hier seit Generationen von ein und derselben Familie geführt. In der »Pension am Bodensee« werden seit 1923 Gäste empfangen; begründet vom Urgroßvater, der sich als Fischer verdingte, vom Opa in Eigenarbeit erweitert, von den Kindern behutsam modernisiert und um Spa, Strandbar und Segelschule ergänzt. Viele Gäste kommen immer wieder – auch wenn sie nicht so lange bleiben wie früher. Drei bis vier Wochen waren sie damals meist da, erzählt Petra Schorpp. »Heute kommen die Leute wesentlich kürzer und spontan, je nachdem, was die Wetter-App sagt.« Trotz vieler Millionen Besucher und vieler (nicht immer geglückter) Neubauten hat der See seinen nostal­gischen Charme behalten. Selbst zwei der Dampfer, die einst die frühen Touristen über den See trugen, sind noch im Einsatz. Entkernt und behutsam renoviert schippern sie heute als »schwimmende Museen« über den See.

Auch im regulären Schiffsverkehr setzt man auf Altbewährtes. »Das traditionelle Bodenseeschiff mit seinen drei Decks ist ein Dauerbrenner. Die haben ihre Liebhaber, und deswegen setzen wir alles daran, diese Schiffe zu erhalten, so lange es geht«, sagt Frank Weber – er ist Geschäftsführer der Bodensee-Schiffbetriebe was kein Job, sondern eine Berufung sei: »Wir leben vom See und für den See.«

Jubiläum im Paradies

Diese enge Verbindung zum See begegnet einem überall: bei Fischern wie Rolf Meier, einem von rund 60 verbliebenen Berufs­fischern, die dem Beruf trotz sinkender Erträge und steigendem Druck auf das Ökosystem die Treue halten; und bei Wassersportlern wie David Jeschke, dem der See nicht nur Heimat und Arbeitsplatz, sondern auch Lieblingsort ist: »Wenn man abends am See ist und in die Ferne blickt, vergisst man den Trubel des Tags.« Und Trubel hat er im Sommer viel am See, der als Paradies für Wassersportler gilt.

Auch Matthias Röhrenbach entspannt am liebsten beim »Schwimmen im und Schauen auf den See«. Mit Frau und Tochter führt er eines von vielen Weingütern, die rund um den Bodensee liegen. Der Weinbau reicht bis ins achte Jahrhundert zurück – wobei der Ruf der Weine früher ein bescheidener war, erzählt Röhrenbach. Noch Anfang des letzten Jahrhunderts war vor allem der Weißwein »sauer und ziemlich dünn«. Zurzeit ist der Winzer ein gefragter Mann, denn 2025 wird am Bodensee das 100-jährige Jubiläum des »Müller-Thurgau-Schmuggels« gefeiert. Schweizer Gäste hatten Matthias Röhrenbachs Urgroßvater von dieser schmackhaften Weinsorte erzählt, die auf der anderen Seeseite wuchs. Weil aber das Deutsche Reich den grenzüberschreitenden Transport von Rebpflanzen verbot, tat sich Urgroßvater Röhrenbach, ein »alemannischer Dickkopf«, mit einem ­Fischer zusammen – im Schutz der Dunkelheit schmuggelten sie 400 Stecklinge über den See.

Wein, Wandel, Wiedersehen

Heute ist ein Drittel von Röhrenbachs Flächen mit Müller-Thurgau bepflanzt, der neben Burgunder eine der vorherrschenden Rebsorten der Region ist. Probieren kann man die »geschmuggelte Ware« direkt am Hof, wo die Familie seit den 50er-Jahren eine Pension betreibt; wobei daraus inzwischen ein Weinhotel geworden ist, denn mit den eigenen Ansprüchen seien auch die der Gäste gestiegen. Heute gibt es hier Restaurants und Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel – von luxuriösen Hotels am Seeufer bis hin zur gemütlichen Ferienwohnung im Hinterland. Fischbrötchen koexistieren mit Gourmetküche – und natürlich punkten die Rädle, saisonal geöffnete Hofausschänke, in denen man selbst erzeugten Wein, Most und Brotzeit genießen kann, bei den Gästen.

Die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten und die Entwicklung neuer Angebote abseits bekannter Pfade wird seit einiger Zeit gefördert, denn auch der Bodensee kämpft zuweilen mit seinem eigenen Erfolg. Ganz bewusst vermarktet sich die Region als Ganzjahresdestination: Das Klima ist hier meist auch im Winter milder als anderswo, und wenn es draußen ungemütlich wird, warten Museen wie das neue »Kunstforum Hundertwasser« oder das wiedereröffnete »Cavazzen-Museum«. Auch die länderübergreifende Zusammenarbeit wird stetig ausgeweitet für neue Angebote – die einstigen Grenzen trennen heute nur noch auf der Landkarte. Gut, dass sich manche Dinge ändern; und gut, dass manches bleibt wie damals – der erste Wein des Urlaubs im Stammlokal, der vertraute Geschmack des Apfelkuchens direkt beim Bäcker und die klebrigen Finger, die man anschließend beim Bad im See abwäscht …  

Bodensee-Facts

Mit einer Gesamtfläche von 536 Quadratkilometern zählt der aus zwei Teilen bestehende See zu den größten Binnengewässern Mitteleuropas. Er liegt im Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz, weshalb er sich bequem grenzübergreifend erkunden lässt – dies gerne per Schiff oder Bike, auf einem der beliebtesten Radwege Europas, der 260 Kilometer lang um den See (und durch drei Länder) führt. Viele Städte am Bodensee sind immer einen Besuch wert, unter anderem Konstanz, Friedrichshafen, Meersburg, Lindau und Romanshorn; in Bregenz finden jährlich die Bregenzer Festspiele statt, unter anderem auf der größten Seebühne der Welt.


Erschienen in
Falstaff TRAVEL Magazin 03/2025

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Verena Carola Mayer
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