Spektakuläres Fine Dining im Freizeitpark: Die Annahme, dass Kulinarik und Unterhaltung einander ausschließen, ist schon lange überholt.

Spektakuläres Fine Dining im Freizeitpark: Die Annahme, dass Kulinarik und Unterhaltung einander ausschließen, ist schon lange überholt.
© Europa-Park

Fine-Dining im Europa-Park

Wussten Sie, dass es in Europas größtem Erlebnispark zwei erstklassige Gourmet-Restaurants gibt – eines davon mit zwei Sternen? Und dass sogar eigener Wein produziert wird? Geschäftsführer Thomas Mack hat in den letzten Jahren mit fast jedem Klischee aufgeräumt, das über Freizeitparks existierte. Vor allen Dingen mit jenem, dass es dort kein gutes Essen gäbe.

Es gibt wenige Tage, die sich so tief ins Gedächtnis von Thomas Mack eingeprägt haben wie der 11. Juli 2019, der Tag der sechsten Etappe der 106. Tour de France, der die Radrennsportler über die spektakulären Steillagen der Südvogesen führte.

Kein Wunder, schließlich bekommt man nicht jeden Tag das Kaufangebot für ein Schloss mit zugehörigem Weingut. Nicht mal, wenn man so einen außergewöhnlichen Beruf hat wie er.

Der junge Visionär

Thomas Mack ist ein legerer Typ mit einnehmendem Lächeln und wachen Augen. Als jüngster Sohn des Europa-Park-Chefs Roland Mack trägt er die Verantwortung für das gesamte operative Geschäft des Freizeitparks in Rust, einschließlich der 90 Gastronomien, Deutschlands größtem Hotel-Resort mit mehr als 5800 Betten und 4750 Beschäftigten, die sich um die jährlich über sechs Millionen Parkbesucher kümmern.

Thomas Mack trägt als jüngster Sohn des Europa-Park-Chefs Roland Mack die Verantwortung für das gesamte operative Geschäft.
© Europa-Park
Thomas Mack trägt als jüngster Sohn des Europa-Park-Chefs Roland Mack die Verantwortung für das gesamte operative Geschäft.

»Ich war mit Freunden zum Radrennen-Schauen verabredet«, erinnert sich Mack. »Wir mussten frühmorgens los, bevor die Straßen gesperrt wurden.« Jede Menge Riesling sei geflossen, während sie auf die Fahrradkolonne warteten. Plötzlich habe ihn eine Maklerin angesprochen: »Den Riesling, den Sie trinken, schmeckt der Ihnen? Übrigens: Das zugehörige Weingut steht zum Verkauf.«

 

Wenn er Leidenschaft spürt, dann unterstützt mein Vater jedes Projekt mit Inbrunst.

 

Erstmal habe er gar nichts mit dieser Information anzufangen gewusst, erzählt Mack. Am nächsten Morgen hatte er dann das Exposé für die Immobilie im E-Mail-Postfach. Beim Durchblättern sprang der Funke über: »Was, so was gibt’s in der Nähe des Europa-Parks?«, habe er sich gefragt.

Kulinarische Expansion

Sofort erkannte Mack das Potenzial, das im Château Ollwiller – so der offizielle Name des im elsässischen Hartmannswiller liegenden Kleinods – mit seinen hundert Jahre alten Reben und der Möglichkeit, selbst Landwirtschaft und Weinanbau zu betreiben, für den Europa-Park steckt.

Er war sich sicher: Das wäre der nächste Schritt, die Gastronomie des Parks auf ein ganz neues Level zu heben – regional und nachhaltig. Bereits am nächsten Tag hatte er auch seinen Vater überzeugt. »Wenn er Leidenschaft spürt«, erzählt Mack, »dann unterstützt mein Vater jedes Projekt mit Inbrunst.«

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Erfolg fällt nicht vom Himmel

Macks Kindheit verlief in vielerlei Hinsicht identisch mit der anderer Unternehmerkinder: Gerade weil sie selbst so erfolgreich waren, bläuten seine Eltern ihm und den beiden Geschwistern Bescheidenheit und einen hohen Arbeitsethos ein – und dass Erfolg nicht vom Himmel fällt.

Zugleich jedoch ist Mack völlig anders aufgewachsen als gewöhnliche Firmenerben. Nämlich direkt auf dem Gelände eines der besucherstärksten Freizeitparks der Welt – in unmittelbarer Nähe von Achterbahnen und anderen Attraktionen.

Für sein Taschengeld frittierte er Pommes, schenkte Getränke aus, half auf Banketts, sogar als Nachtportier arbeitete er eine Zeit lang. Während dieser Zeit sei seine Liebe für die Gastronomie entbrannt, so Mack. Der Vater habe nichts weiter tun müssen, als ihn in die richtige Richtung zu schubsen – auf die Hotelschule im Schweizerischen Luzern, die Mack als Jahrgangsbester abschloss.

Nach Stationen im Fünf-Sterne-Hotel »Dollenberg« im Schwarzwald, im Service des Straßburger Gourmetrestaurants »Au Crocodile«, im Pariser Luxushotel »Le Meurice« und auf einem südafrikanischen Weingut stieg er 2006 – nachdem der damalige Park-Gastronomieleiter unerwartet verstorben war – ins Familien­business ein. Damals war er gerade mal 26 Jahre alt und von heute auf morgen für Tausende Mitarbeiter verantwortlich – vielleicht war das genau die richtige Bewährungsprobe für den Sohn eines Firmenpatriarchen.

2012 eröffnete unter Macks Ägide das Fine-Dining-Restaurant »Ammolite«, das sich zwar auf dem Gelände des Europa-Parks befindet, aber völlig unabhängig »und selbstverständlich ohne Eintrittskarten zugänglich« ist, wie er beteuert.

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Was die Verpflegung angeht, war das Image von Freizeitparks nie besonders gut. Dabei legen wir hier in Rust schon immer Wert auf Qualität.

 

Und weil er sich immer so über das Klischee geärgert hatte, unterbreitete Mack seinem Vater den Vorschlag für ebenjenes Fine-Dining-Restaurant. Als Sozius und gewissermaßen kulinarische Geburtshelfer gewann Mack den Vorarlberger Peter Hagen-Wiest.

Der verbindet dort seither seine Erfahrungen aus dem »Cheval Blanc« in Basel, der legendären »Vila Joya« in Portugal und der »Schwarzwaldstube« unter Harald Wohlfahrt zu einer makellosen Hochküche mit klassisch-französischem Fundament und internationalen Einflüssen – zu Gerichten wie etwa butterzartem Lammfilet aus Bayern mit fruchtig-würzigem Massaman-Curry, Kichererbsen und Couscous.

Neue Maßstäbe

Mit dem »Ammolite« haben Mack und Hagen-Wiest gänzlich neue Maßstäbe gesetzt: Gerade mal ein Jahr nach der Eröffnung gab es den ersten Michelin-Stern, den zweiten wiederum nur ein Jahr später.

Spätestens seit damals kommen Gäste gezielt auch wegen des Essens nach Rust, freut sich Mack, auch wenn sich die Zielgruppe der Feinschmecker im ersten Moment nicht mit den Gästen eines Freizeitparks zu überschneiden scheint. Doch das ist wieder nur so ein Klischee. In Wahrheit nämlich ist das »Ammolite« die meiste Zeit des Jahres ausgebucht. Genauso übrigens wie die 30 Luxussuiten im Park, für die pro Nacht durchschnittlich 1300 Euro veranschlagt werden.

Kulinarische Weltneuheit

Inzwischen hat er zahlreiche solcher Kulinarikprojekte aus der Taufe gehoben. Das letzte – und bisher revolutionärste – im November 2022: »Eatrenalin«, eine immersive Dinner-Show, bei der man auf schwebenden Stühlen durch verschiedene Welten befördert wird. Von den Tiefen des Ozeans bis hinaus ins Weltall – umrahmt von einem ambitionierten Acht-Gänge-Menü und korrespondierender Getränkebegleitung. Jedes der Gerichte passend zum jeweiligen Kosmos. Ein 14-köpfiges Küchenteam sorgt für das perfekte Timing. Ende März erst wurde dieses weltweit einmalige Konzept in Los Angeles mit einer der größten Auszeichnungen der Unterhaltungsindustrie geehrt, dem »Thea Award«.

Ein Grund zum Innehalten? Nicht für Mack. Ab diesem Monat will er das Gemüse für seine beiden Fine-Dining-Restaurants von den eigenen biodynamisch bewirtschafteten Feldern auf Château Ollwiller beziehen. Damit wäre das »Ammolite« nicht mehr nur das weltweit einzige Zwei-Sterne-Restaurant in einem Freizeitpark, sondern auch eines der wenigen, das sich selbst mit Gemüse und Wein versorgt.

Und als ob das noch nicht genug wäre, soll zeitgleich nur wenige Meter entfernt vom Château Ollwiller das erste Restaurant der Familie außerhalb des Parks eröffnen, das »Amitié« mit offenem Holzgrill, 69 Sitzplätzen im Innen- und nochmal 120 weiteren im Außenbereich.

Es scheint so, als wäre Europas größter Freizeitpark für Macks Ambitionen allmählich ein wenig zu eng geworden.


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Sebastian Späth
Sebastian Späth
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