Food-Guide Dublin: Ein kulinarischer Streifzug durch die irische Hauptstadt
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Dublin zu einem dynamischen Technologiezentrum gemausert. In den 80er-Jahren noch von Arbeitslosigkeit und anhaltender Auswanderung geprägt, zieht die Stadt heute mit ihrer blühenden Kulinarikszene Reisende aus aller Welt an.
Entlang den Ufern des Liffey, wo einst verlassene Fabrikbauten vor sich hin bröckelten, glitzern heute die Glasfassaden der Neubauten. Die ehemals schummrigen Kneipen, die Arbeiter und Arbeitslosen mit Guinness und Backfisch versorgten, wurden zu schicken Restaurants und hippen Cafés. Davor parken teure Limousinen und unterhalten sich junge Leute im Business-Outfit. In nur wenigen Jahrzehnten verwandelte sich die krisengeschüttelte Industriestadt Dublin in einen modernen Finanzplatz, einen Technologie-Hub und eine der reichsten und teuersten Städte Europas. Gleichzeitig wurde Irland, das einstige Auswandererland schlechthin, zu einem Zentrum der Einwanderung für Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus.
Vieles an dem spektakulären Aufschwung ist bekanntlich der Europäischen Union und ihren Hilfsleistungen zu verdanken, anderes den Steuerbegünstigungen, die große Tech-Firmen wie Google, Amazon und Apple anlockten, die allesamt hier ihre Europazentralen betreiben.
Unbedingt reservieren
Kein Wunder also, dass parallel dazu eine brodelnde Restaurantszene entstand. Doch ist es gar nicht so leicht, einen Tisch zu bekommen. »In Wahrheit gibt es nicht genug gehobene Restaurants für die Menge an Leuten, die dort gerne essen würden«, schreibt Lisa Cope auf ihrer Website All The Food, auf der sie die Dubliner Lokalszene durchleuchtet.
Wer also eines der angesagtesten Restaurants der Stadt besuchen will, muss rechtzeitig reservieren – etwa im »Bastible«. Dessen Name klingt zwar französisch, bezeichnet jedoch einen traditionellen irischen Kochtopf, in dem früher in den Cottages einfache Speisen über offenem Feuer zubereitet wurden.
Heute steht er für ein lichtdurchflutetes, kleines Restaurant mit offener Küche und nüchtern-coolem Design. Serviert wird ein einziges Verkostungsmenü, das die Qualität der irischen Zutaten in den Vordergrund stellt. Hochwertig waren irische Lebensmittel schon immer, in ärmeren Zeiten jedoch in erster Linie für den Export gedacht. Wie etwa die Jakobsmuschel, die nur kurz angebraten und mit in Salz gebackener roter Rübe und Bacon kombiniert wird. Oder der flockige Kabeljau, den die Küche mit Nordseegarnelen aus der Irischen See aufpeppt. Dazu gibt’s vorwiegend naturnah erzeugte Weine aus ganz Europa sowie exzellente Cocktails, zubereitet von einem viel beschäftigten Barkeeper.
Ehrliches Handwerk und ausgesuchte Zutaten
Eine gänzlich unterschiedliche Atmosphäre erwartet einen im »Hawksmoor«, einem Steakhouse im amerikanischen Stil und zugleich idealen Ort, um das sensationelle Fleisch von ausschließlich mit Gras gefütterten irischen Rindern zu probieren. Man speist im umwerfenden, historischen Rahmen des ehemaligen Kassensaals der Nationalbank zwischen hohen Säulen und unter einer mächtigen Glaskuppel.
Wie es sich für ein Steakhouse gehört, wird hier nicht nur exzellentes Fleisch, sondern auch ebensolches Seafood angeboten, darunter etwa der ganze irische Hummer vom Grill oder die fabulösen Austern. Dazu gibt’s knackige Salate und knusprige Pommes frites. Alles in allem ein sehr befriedigendes Erlebnis in einem Lokaltyp, bei dem es weniger um Kreativität als um ehrliches Handwerk und ausgesuchte Zutaten geht.
Ganz anders im »Note«, dem zurzeit wohl trendigsten Lokal der Stadt. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich der Dekor als subtile und detailverliebte Hommage an die 1960er-Jahre. Der Andrang ist groß, der Service stets freundlich und effizient. Küchenchef ist Ben Fehily, ein Sohn der Insel, der, bevor er vor wenigen Monaten heimkehrte, in Paris und London tätig war.
Französische Küche auf irisch
Die Küche des erst 28-Jährigen strotzt vor Einfallsreichtum und Originalität, ist zugleich geradlinig und großzügig. Wunderbar erfrischend etwa die wilde Brasse, die er wie ein Ceviche zubereitet und mit frischem Liebstöckel und Sauerampfer sowie grünen Erbsen anrichtet. Danach verdeutlicht der ausgelöste, knackige Hummer für zwei, der mit gebackenem Reis und einer Sabayon aus seinem Corail auf den Tisch kommt, weswegen zurzeit ganz Dublin ins »Note« will. Zu trinken gibt’s erwartungsgemäß naturnahe erzeugte, biodynamische Weine sowie gepflegte Cocktails und eine Auswahl an lokalen Craftbieren.
Ein durch und durch bürgerlicher Rahmen erwartet einem im Restaurant »Wilde«, das im noblen Fünf-Sterne-Hotel »The Westbury« untergebracht ist. Zum Lunch sitzt man in einem eleganten Speisesaal oder in einer üppig mit Blumen und Pflanzen umrankten Veranda und freut sich über Klassiker der französischen Küche, die hier aus den allerbesten lokalen Zutaten und nach dem Lehrbuch zubereitet werden. Darunter auf den Punkt gebratene Jakobsmuscheln aus Kilkeel an der Downküste oder die schmeichelnd knusprige Dover Sole meunière, also eine mächtige Seezunge Müllerin Art, die mit Kapernbutter angerichtet wird.
Das Restaurant ist obendrein ein idealer Ort, um einen traditionellen, sonntäglichen Sunday Roast zu erleben, bei dem das Roastbeef am Tisch tranchiert und von Kartoffelpüree, glacierten Karotten, grünen Bohnen und confierten Schalotten begleitet wird.
Nach dem Sunday Roast empfiehlt sich ein kurzer Spaziergang durch den prächtigen Park Saint Stephen’s Green bis zum legendären »O’Donoghue’s Pub«, wo an Sonntagnachmittagen Live-Musik gespielt wird – und die Gäste in die melancholischen Folklieder einstimmen, die vom alten Dublin, den bröckelnden Fassaden und den schummrigen Pubs erzählen.
Adressen
Bastible
Kleines und stets gut besuchtes Restaurant in coolem Design mit kreativer Küche, naturnah erzeugten Weinen und gepflegten Cocktails.
bastible.com
Chapter One
Sehr exklusives Restaurant mit gehobener Küche, untergebracht im Souterrain des sehenswerten Dublin Writers Museum.
chapteronerestaurant.com
Hawksmoor
Klassisches Steakhouse mit exzellentem Fleisch von irischen Rindern im umwerfenden Rahmen des ehemaligen Kassensaals der irischen Nationalbank.
hawksmoor.ie
Note
Angesagtestes Restaurant der Stadt im zurückhaltenden Vintage-Design mit äußerst ansprechender, großzügiger Küche und gleichermaßen freundlichem wie entspanntem Service.
notedublin.com
Wilde
Gediegenes Restaurant, untergebracht im Luxushotel »The Westbury« mit blumiger Veranda und Klassikern der französischen Küche aus lokalen Zutaten.
wilde.ie