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Die wilde Geschichte des weltberühmten Irish Whiskey

Whisky
Irland
Alkohol

»You'll never beat the Irish!« Kaum ein Satz beschreibt die Natur des Irish Whiskey so treffend, wie dieser Song einer irischen Folk-Band. Seit jeher im Visier fremder Mächte, ist er stets seine eigenen Wege gegangen. Sie führten ihn zu Weltruhm und ins Tal der Tränen. Und auch heute ist der Kampf des Irish Whiskey noch nicht vorbei.

Wer hat’s erfunden? Diese Frage stellt sich manch einer nicht nur bei dem einen oder anderen Kräuterzuckerl, sondern auch beim Genuss des golden schimmernden Wassers des Lebens, des »Uisge beatha«, dessen Name, wenn man ihn richtig ausspricht, schon einen kleinen Hinweis auf die Antwort geben kann. Der Begriff stammt aus dem Gälischen, das heute noch in Irland und Schottland gesprochen wird, und wurde einst von ignoranten Engländern zu »Whisky« verballhornt. Somit dürften die Wurzeln des Whiskys auch hier zu suchen sein, in Schottland und auf der saftig grünen Insel der Iren.

Tatsächlich streiten sich die beiden großen Whisky-Nationen enthusiastisch darüber, wem die Ehre des Erfinders gebührt. Da gibt es beispielsweise die irische Legende, dass das Wissen um die Destillation im 5. Jahrhundert von Schutzpatron St. Patrick nach Irland gebracht worden sei. Die Schotten wiederum entgegnen, St. Patrick sei bei ihnen in Dumbarton geboren, weshalb die Erfindung des Whiskys ganz klar ihre Errungenschaft sei. Das Problem an dieser Story: Nach heutigem Wissensstand wurde der notwendige Destillierhelm erst im 8. Jahrhundert im heutigen Irak erfunden und gelangte im 11. Jahrhundert nach Europa.

Das immerhin passt zur ersten schriftlichen Erwähnung einer Brennerei, die wiederum vom englischen König Heinrich II überliefert ist. Dieser marschierte 1170 – wo auch sonst – in Irland ein und fand dort angeblich gut ausgebaute Brennanlagen vor. Die erste Quelle, die in Schottland von Destillerien berichtet, stammt hingegen erst aus dem Jahr 1494. Es deutet also einiges darauf hin, dass es tatsächlich die Iren waren, denen wir den Whisky verdanken.

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Fremdbestimmt und resilient

Neben diesem eher mit einem Augenzwinkern ausgetragenen Hin und Her ist es aber vor allem ein weitaus ernsteres Auf und Ab, welches den Irish Whiskey über die Jahrhunderte geprägt hat. Und in der Regel waren es Einflüsse von außen, die über Wohl und Weh des flüssigen Goldes entschieden.

Das lässt sich schon an der Geschichte des Vorläufers beziehungsweise Verwandten des Irish Whiskey erkennen: des »Poitín«, eines oftmals schwarz­gebrannten Fusels, den die Iren seit über 600 Jahren im besten Fall aus Gerste, in Zeiten der Not aber aus sprichwörtlich allem herstellten, was verfügbar war. Poitín wurde bald dermaßen populär, dass die englische Krone eine lukrative Geldquelle witterte und 1556 das Brennen nur noch mit Lizenz erlaubte. Da dies faktisch jedoch kaum zu kontrollieren war, wurde der Brand 1661 komplett verboten. Bis zur Aufhebung 1997 gab es Poitín daher nur »unter dem Tresen«.

Interessiert hat die Iren das Verbot jedoch wenig, denn Ende des 18. Jahrhunderts waren auf der Insel wohl über 2000 illegale Brennereien aktiv, die meist mit kleinen Töpfen arbeiteten (Pot – Poitin) und gut zu verstecken waren. Dem Geldhunger Englands verdanken wir übrigens auch den einzigartigen Stil des irischen Whiskeys, der bis heute, entgegen schottischem Single Malt, oftmals zu einem bedeutenden Teil aus ungemälzter Gerste besteht.

Tatsächlich hatte die englische Krone aus ihrem fehlgeschlagenen Alkoholsteuergesetz gelernt und zudem ein Auge auf den immer erfolgreicher werdenden Irish Whiskey geworfen. Die neue Idee: Wenn man das Endprodukt nicht in die Finger bekommt, muss man eben früher ansetzen, und so trat im Jahr 1785 eine Steuer auf Gerstenmalz in Kraft.

Als Reaktion begannen die irischen Destillerien gemälzte mit ungemälzter Gerste zu mischen, senkten so die Steuerlast und erfanden ganz nebenbei den Irish Pot Still Whiskey, bis heute Irlands Alleinstellungsmerkmal im Whiskey-Kosmos und ein echter Welterfolg. Er war bald dermaßen gefragt, dass im 19. Jahrhundert in Dublin, Cork, Belfast und Limerick riesige Brennereien entstanden, deren Erzeugnisse in einem Atemzug mit hochwertigen Spirituosen wie Cognac genannt wurden.

Irish Whiskey wurde bald in die gesamte Welt exportiert und Brennereien wie John’s Lane Distillery in Dublin, Watt’s Distillery in Derry oder Thomond Gate Distillery in Limerick wurden regelrecht berühmt. Doch mannigfaltige Krisen sollten folgen, weshalb diese Namen heute fast niemand mehr kennt.

Vom Fall und Aufstieg …

Tatsächlich begann der große Niedergang des Irish Whiskeys mit dem zunehmend zum Problem werdenden Alkoholmissbrauch im eigenen Land, was Ende des 19. Jahrhunderts in eine durchaus populäre Anti-Alkohol-Bewegung, die »Temperance Movement« mündete, die Enthaltsamkeit einforderte.

Zudem begannen schottische Brennereien vermehrt, eine neue Technologie einzusetzen, die den Ausstoß massiv erhöhte und zugleich Produktionskosten senkte: die von Aeneas Coffey erfundene kontinuierliche Destillation. Die Iren hatten diese seinerzeit dankend ab­gelehnt und den Schotten damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil überlassen.

Zudem ließ der ausbrechende Erste Weltkrieg die Nachfrage weltweit einbrechen und der folgende Irische Unabhängigkeitskrieg (1919–1921) sowie die auf anderen Seite des Ozeans ausbrechende Prohibition pulverisierten die Hauptmärkte für Irish Whiskey nahezu über Nacht. Es folgte ein regelrechtes Massen­sterben und lediglich vier Brennereien blieben danach übrig: Powers John’s Lane Dis­tillery, Jamesons Bow Street Distillery, Midleton Distillery und Bush­mills Distillery.

Nach dem Massensterben blieben lediglich vier Brennereien übrig, die Jamesons Bow Street Distillery (hier) sowie die Bushmills Distillery (oben) sind zwei davon.
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Nach dem Massensterben blieben lediglich vier Brennereien übrig, die Jamesons Bow Street Distillery (hier) sowie die Bushmills Distillery (oben) sind zwei davon.

Gebremste Euphorie

In den 1960ern fusionierten die ersten drei schließlich zu »Irish Distillers«, womit es nur noch zwei aktive Brennereien gab, deren Lagerbestände jedoch so groß waren, dass sie nur wenige Wochen im Jahr produzieren mussten.

Noch bis ins Jahr 2010 waren in Irland gerade einmal vier Destillen in Betrieb, eine einst stolze Destination lag gänzlich am Boden. Umso erstaunlicher ist es, dass man nur zwölf Jahre später bereits wieder über 40 Destillerien zählte und der Absatz von Irish Whiskey von 40 Millionen auf 126 Millionen Flaschen stieg. Klingt nach einer atemberaubenden Wiedergeburt, und tatsächlich ist die Welt des Irish Whiskey so vielfältig und variantenreich wie lange nicht mehr.

Dank zahlreicher Neugründungen im ganzen Land lässt sich mittlerweile sogar eine vollwertige Rundreise durch Irland realisieren, bei der man von Brennerei zu Brennerei tingelt (siehe illustrierte Karte). Und sogar der Poitín läuft wieder aus der ein oder anderen Brennsäule.

Doch es gibt auch dunkle Wolken am Horizont, denn der Whisky schwächelt – weltweit und kategorieübergreifend. Und diese Entwicklung hinterlässt auch in Irland erste Spuren. Mit Waterford und Powerscourt (hier bleibt zumindest das Besucherzentrum geöffnet) meldeten kürzlich zwei interna­tional gehypte Brennereien Insolvenz an, während in der Midleton Distillery, bei Tullamore D.E.W., der Dublin Liberties Distillery und nun auch bei Roe & Co. die Produktion bis auf Weiteres ruht.

Die während Corona nochmals sprunghaft gestiegene Nachfrage hatte eine erneute Überproduktion zur Folge, für die es nun keine Abnehmer zu geben scheint. Ob damit die kurze Blüte des Irish Whiskey schon wieder verblüht ist? Hoffen wir es nicht. 

Dublin

1. Teeling Distillery

13–17 Newmarket, The Liberties, Dublin 8
teelingdistillery.com

2. Roe & Co. Distillery

92 James’s Street, Dublin 8
roeandcowhiskey.com

3. Old Jameson Distillery

Bow Street, Smithfield, Dublin 7
jamesonwhiskey.com

Ancient East

1. Powerscourt Distillery

Powerscourt Estate, Enniskerry, Co. Wicklow
powerscourtdistillery.com

2. Blackwater Distillery

Church Road, Upper, Ballyduff, Co. Waterford
blackwaterdistillery.ie

3. Midleton Distillery

Distillery Walk, Townparks, Midleton, Co. Cork
jamesonwhiskey.com

Wild Atlantic

1. Clonakilty Distillery

The Waterfront, Youghals, Clonakilty, Co. Cork
clonakiltydistillery.ie

2. Killarney Distillery

Killalee, Killarney, Co. Kerry
killarneybrewingdistilling.com

3. Dingle Distillery

Dingle Distillery, Milltown, Dingle, Co. Kerry
dingledistillery.ie

4. Micil Distillery

226 Upper Salthill, Galway
micildistillery.com

Hidden Heartland

1. Tullamore D.E.W. Distillery

Tullamore, County Offaly
tullamoredew.com

2. Kilbeggan / Locke’s Distillery

Lower Main St, Kilbeggan, Co. Westmeath
kilbegganwhiskey.com

3. The Shed Distillery

The Food Hub, Carricknabrack, Drumshanbo, Co. Leitrim
thesheddistillery.com

Northern Ireland

1. Old Bushmills Distillery

2 Distillery Rd, Bushmills
bushmills.eu

2. The Hinch Distillery

19 Carryduff Rd, The Temple, Lisburn
hinchdistillery.com

© Stefanie Hilgarth / carolineseidler.com

 

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 6/2025

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Alexander Thürer
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