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© Shutterstock / Colin Hui

Whisky in und aus Taiwan: Wie er zur weltweiten Sensation wurde

Whisky
Asien
Kultur

Taiwanischer Whisky hat längst internationale Jurys überzeugt – allen voran die Destillerie »Kavalan«. Auf der Insel in Ostasien, die nur etwa halb so groß ist wie Österreich, hat sich eine eigenständige Whiskykultur entwickelt – geprägt von neuen Ansätzen in Herstellung und Stil.

Heute zählt Taiwan zu den wichtigsten Exportmärkten für Whisky aus Fernost, neben Japan und Indien. Die Nachfrage im Inland ist hoch, das Interesse an Herkunft und Produktionsweise entsprechend ausgeprägt. Die Szene lebt von Experimentierfreude und technischem Know-how – begünstigt durch klimatische Bedingungen, die neue Wege der Reifung ermöglichen.   

Taiwanischer Whisky unterscheidet sich von gewöhnlichem Whisky durch eine schnellere Reifung, aber auch durch Innovation und unverwechselbaren Geschmacksprofilen. Laut »Kavalan«-Vertreter David Gen spiegelt er auch kulturelle Aspekte des Landes wider: »Whisky ist – wie Musik – eine Kunst. Es braucht vor allem Geduld und die Taiwaner lieben eine gute Challenge.« 

Vom Monopol zur Bewegung 

Bis 2002 lag die Produktion von Alkohol bei der »Taiwan Tabacco & Liquor Corp« (TTL). Mit der Öffnung des Marktes sanken Importzölle und private Destillerien konnten entstehen. Gründer und Präsident des Lebensmittelkonzerns »King Car Group« Tian-Tsian Lee setzte sich intensiv mit der Whiskyproduktion in Schottland auseinander, bevor er 2006 die »Kavalan«-Destillerie im Landkreis Yilan am Fuße eines Berges eröffnete. Bereits wenige Jahre später fand taiwanischer Single Malt internationale Beachtung, unter anderem bei den World Whisky Awards.  

Im Taiwan ist Whisky vor allem eines: elegant. Im Alltag wird er häufig in Kombination mit Speisen getrunken. Besonders beliebt ist der Whisky-Highball – Whisky mit Soda und einem Schuss Zitrone- der besonders gut zu asiatischem Essen passt. Heute exportiert »Kavalan« in über 60 Länder und stellt etwa 10 Millionen Flaschen pro Jahr her.  

Geschmacksrevolution durch Klima 

Die klimatischen Bedingungen in Taiwan gelten auf dem ersten Blick als Herausforderung für die Whiskyproduktion: Luftfeuchtigkeit und konstante Wärme des subtropischen Klimas beschleunigen den Reifeprozess. Wenn Whisky in Äquatornähe hergestellt wird, ist er schneller reif als in Schottland und weist »jüngere« Qualitäten auf, wie einen kräftigen und aromatischen Geschmack, der vielleicht nicht unbedingt für Whisky-Einsteiger geeignet ist. Unter diesen Bedingungen hat sich eine eigene Herangehensweise entwickelt: Verfahren wie STR (Shave, Toast, Rechar) werden gezielt eingesetzt, um Fässer anzupassen und Aromen zu steuern. Unerwünschte Noten werden reduziert, fruchtige Komponenten stärker hervorgehoben 

Aber wie schmeckt der Shooting Star aus Fernost? Das Ergebnis sind Whiskys mit Struktur, Tiefe und einer charakteristischen Balance aus Kraft und Süße. Die Basiszutaten – Wasser aus lokalen Bergquellen, Gerste und Hefe – unterscheiden sich nicht von anderen Ländern, der Unterschied liegt in Klima, Reifung und Techniken. Die kurze Reifezeit eröffnet zusätzlichen Spielraum für Experimente. Taiwanische Whiskys haben sich so international etabliert – als eigenständige Kategorie mit klar erkennbarem Geschmacksprofil. Die Insel ist bekannt für ihre Single-Malt-Whiskys, die wie ein Sonnenstrahl im Glas wirken.  

326, Section 2, Yuan-shan Road
26441 宜蘭縣
Taiwan
Im Geruch sind zunächst Malaga, Orange und etwas Rauch im Hintergrund. Mit Luft kommen Dörrobst und etwas Schokolade. Am Gaumen teeartiger Gerbstoff, zarter Rauch und knackig...
Yilan, Taiwan
Mara Jausovec
Mara Jausovec
Autorin
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