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High Protein: Hype oder echter Gesundheitsvorteil?

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Überall prangt der Claim «High Protein»: auf Joghurt, Riegeln, Pudding oder Chips. Aber was bedeutet das eigentlich – und wie sinnvoll ist der Griff zu solchen Produkten wirklich?

Produkte mit dem High Protein-Claim sind omnipräsent. Selbst Migros, Coop und Lidl setzen auf eigene Produktlinien mit dem populären Claim. Doch was steckt dahinter? Was bedeutet High Protein überhaupt? Und was bringt eine eiweissreiche Ernährung wirklich?

Falstaff hat nachgefragt: bei der Ernährungsberatung Bern-Seeland und dem Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens «Chiefs», das seit 11 Jahren funktionale Produkte in den Segmenten Sport, Gesundheit und Lifestyle entwickelt und anbietet.

Der Claim: Teuer und überflüssig?

Bei Produkten mit dem Claim «High Protein» müssen mindestens 20 Prozent des Energiegehalts aus Proteinen bestehen. Das ist zum Beispiel bei gewissen Puddings der Fall, die 80 Kilokalorien (kcal) und 10 Gramm Protein pro 100 Gramm enthalten. Mit 4 kcal pro Gramm Protein liegt der Proteinanteil (40 kcal) also bei 50 Prozent des Energiegehalts.

Das trifft aber auch auf Hüttenkäse zu: 100 Gramm Hüttenkäse haben etwa 100 kcal und 12 Gramm Protein. Der Proteinanteil beträgt mit 48 kcal (12 x 4 kcal) also fast 50 Prozent des Gesamtenergiewerts (100 kcal). Hüttenkäse (körnigen Frischkäse) ist also offiziell ein «High-Protein»-Produkt. Mittlerweile wird er auch in vielen Läden so gelabelt, dabei war er schon vorher proteinreich. 

Eier und Hüttenkäse sind von Natur aus proteinreiche Produkte.
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Eier und Hüttenkäse sind von Natur aus proteinreiche Produkte.

Gelabelte High-Protein-Produkte wurden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor einigen Jahren als «überflüssig» abgestempelt. «Wer die Vielfalt herkömmlicher Lebensmittel nutzt, bekommt genug Protein und spart sich das Geld für die meist teureren Produkte», sagt Antje Gahl, Pressesprecherin der DGE. Salomé Boschung von der Ernährungsberatung Bern-Seeland sieht das ähnlich. «Magerquark hat etwa gleich viele Proteine wie viele gelabelte High-Protein-Milchprodukte, aber für letztere bezahlen Konsument:innen mehr», erklärt sie. Will heissen: Man kann auch «normale» Produkte kaufen, für weniger Geld.

Wichtig für den Körper sei vor allem, die Protein-Portionen über den Tag zu verteilen. «Das ist besser für die Erholung vom Körper und den Blutzucker», so Boschung. Am besten wechsle man ab mit Proteinquellen, mal Fleisch, mal Eier, mal Milchprodukte, mal Hülsenfrüchte. Und was ist mit Proteinriegeln, -pulvern und -shakes?

Dann machen High-Protein-Produkte Sinn

Tatsächlich macht eine erhöhte Proteinzufuhr für den Grossteil der Bevölkerung Sinn, denn die Allgemeinheit versorgt sich laut Boschung nicht mit ausreichend Proteinen. «Unser Körper braucht viel Protein, damit er funktioniert: für den Stoffwechsel, das Immunsystem, die Muskulatur, die Knochensubstanz, die Zellen – eigentlich für alles.» Chiefs empfiehlt etwa 1 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht für «Normalos». Sportler:innen (mindestens 5h pro Woche) haben einen erhöhten Bedarf an Eiweiss, genau wie Menschen, die krank oder schwanger, über 60 Jahre alt oder mangelernährt sind. Diesen empfehlen Forschende etwa 1.2 bis 2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

Mit einer ausgewogenen Ernährung kann man schon auf die richtige Proteinzufuhr kommen, allerdings nur, wenn man sich bewusst ernährt und weiss, wie viel Proteine die jeweiligen Lebensmittel enthalten. «Je nach Appetit kann es aber sehr schwierig sein, auf die richtige Menge zu kommen. Gerade Frauen und ältere Menschen, die sowieso weniger Appetit haben, haben häufig Mühe damit», erklärt Boschung. In solchen Fällen empfiehlt die Ernährungsberaterin auch High-Protein-Produkte, Riegel und Pulver.

Craving-Killer statt Zuckerbombe

High-Protein-Produkte können also eine sinnvolle Unterstützung sein – besonders für Menschen, die Mühe haben, ihren täglichen Bedarf über herkömmliche Mahlzeiten zu decken. Die Schweizer Marke Chiefs will mit ihren Produkten genau dort unterstützen. «Unsere Riegel mit rund 20 Gramm Eiweiss werden häufig als Ersatz für süsse Snacks eingesetzt», erklärt Geschäftsführer Ramon Koss. Die Kombination aus Genusserlebnis, alltagstauglicher Portionierung und hervorragenden Nährwerten macht sie für viele zur wertvolleren Alternative.

Dabei müssen funktionale Produkte laut Koss nicht wie typische «Fitnessprodukte» schmecken – ganz im Gegenteil. «Unser Anspruch ist, dass ein Proteinprodukt genauso gut schmeckt wie ein normales Produkt – nicht wie ein typisches Proteinprodukt.» Die sensorische Erfahrung sei genauso wichtig wie der ernährungsphysiologische Nutzen.

Es ist nicht immer leicht, Sensorik und Nährwerte in Einklang zu bringen. Wir mussten innovativ Ideen auch schon aufgeben, aber der Erfolg insgesamt hat bisher unsere Anstreungen belohnt.

– Ramon Koss, Geschäftsführer von «Chiefs»

Sogar Fachleute empfehlen Produkte von «Chiefs», beispielsweise in der Post-OP-Ernährung oder in Ernährungsberatungen. Das zeigt: Protein hat seinen Weg aus dem Fitnessstudio längst gefunden. Für manche Menschen sind proteinreiche Produkte eine empfehlenswerte, in bestimmten Lebensphasen sogar notwendige Ergänzung. Gleichzeitig sind sie aber auch Ausdruck eines Ernährungstrends, der Funktionalität und Genuss verbindet – begleitet von einem cleveren Marketing, das den Zeitgeist punktgenau trifft.


 

Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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