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Warum sich die Forschung jetzt unserem Frühstückstoast widmet

Frühstück
Wissenschaft

Toast ist ein Frühstücksklassiker – und steht gleichzeitig im Verdacht, gesundheitsgefährdende Stoffe zu bilden. Britische Forschende wollen das Problem nun buchstäblich an der Wurzel lösen.

Toast gehört zwar in vielen Ländern zum Alltag, doch nirgendwo sonst ist es so fest im Frühstücksritual verankert wie in Großbritannien. Schnell gemacht, knusprig und zuverlässig im Geschmack – ob mit Butter, Bohnen oder Marmelade.

Vielleicht ist es genau deshalb kein Zufall, dass sich britische Forschende so intensiv mit dem vermeintlich harmlosen Frühstücksklassiker beschäftigen.

Denn beim Toasten passiert mehr als nur Bräunung und Aromabildung. Unter hoher Hitze entsteht in stärkehaltigen Lebensmitteln eine Substanz, die seit Jahren kritisch bewertet wird: Acrylamid. Sie bildet sich, wenn Zucker und bestimmte Aminosäuren im Brot miteinander reagieren – genau jener Prozess, der für die typische goldbraune Kruste sorgt.

Komplexe Datenlage

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Acrylamid als »wahrscheinlich krebserregend« ein. Gleichzeitig ist die Datenlage komplex: Die meisten Erkenntnisse stammen aus Tierversuchen und Modellrechnungen, konkrete Risiken für den Menschen lassen sich im Alltag nur schwer eindeutig beziffern.

In der Praxis bedeutet das vor allem eines: Acrylamid ist kein akutes Gefahrensignal, aber ein Stoff, der in der Ernährungsforschung weiterhin aufmerksam beobachtet wird – auch weil er in vielen Alltagsprodukten vorkommt, vom Kaffee bis zu Kartoffelchips.

Weg von der Küche, hin zum Acker

Gerade diese Alltäglichkeit macht das Thema so brisant. Denn Acrylamid entsteht nicht durch Zusatzstoffe oder industrielle Absicht, sondern als Nebenprodukt ganz normaler Zubereitung. EU-weit wird deshalb seit Jahren versucht, die Werte über sogenannte Minimierungsstrategien zu senken – etwa durch Rezepturen, Temperaturführung oder Rohstoffauswahl.

Ein verbindlicher Grenzwert existiert bislang aber auch nicht. Stattdessen setzen die Behörden auf Richtwerte und Monitoringprogramme, die Belastungen in Lebensmitteln reduzieren sollen, ohne die Zubereitungspraxis grundsätzlich zu verändern. Das führte unter anderem dazu, dass Restaurants Pommes nicht mehr ganz so dunkel frittieren dürfen, wie man es zuhause vielleicht tut.

Seit 2018 gelten in der EU strengere Vorgaben zur Reduktion von Acrylamid in Lebensmitteln. Ein konkreter „Bräunegrad“ ist zwar nicht gesetzlich festgelegt – in der Praxis hat die Regulierung jedoch dazu geführt, dass Pommes häufiger nur noch goldgelb statt dunkel ausgebacken werden.
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Seit 2018 gelten in der EU strengere Vorgaben zur Reduktion von Acrylamid in Lebensmitteln. Ein konkreter „Bräunegrad“ ist zwar nicht gesetzlich festgelegt – in der Praxis hat die Regulierung jedoch dazu geführt, dass Pommes häufiger nur noch goldgelb statt dunkel ausgebacken werden.

Im Vereinigten Königreich wird dieser Ansatz nun erweitert – weg von der Küche, hin zum Acker. Forschende des Instituts Rothamsted Research wollen nicht das Toasten verändern, sondern den Weizen selbst.

Möglich wird das durch die Geneditierungstechnologie CRISPR, mit der gezielt Pflanzenlinien entwickelt wurden, die weniger freies Asparagin bilden. Diese Aminosäure gilt als zentrale Vorstufe bei der Entstehung von Acrylamid.

Weniger Vorstufe, weniger Belastung

In mehrjährigen Feldversuchen zeigten die entwickelten Weizensorten deutliche Effekte. Der Gehalt an freiem Asparagin konnte je nach Linie erheblich reduziert werden, ohne dass Ertrag oder Verarbeitungseigenschaften darunter litten.

Auch in Tests mit Brot und Keksen zeigte sich ein klarer Trend: Nach dem Backen und Toasten lagen die Acrylamidwerte in vielen Fällen deutlich niedriger – teils sogar unterhalb der Nachweisgrenze.

Für die Forschenden ist das ein Hinweis darauf, dass sich Lebensmittelsicherheit stärker in die Pflanzenzüchtung verlagern lässt, statt erst in der industriellen Verarbeitung anzusetzen.

Frühstück als Systemfrage

So unspektakulär Toast im Alltag wirkt, so deutlich zeigt er die großen Linien der Ernährungspolitik: Wie viel Technik steckt künftig in unserem Essen? Und wo beginnt »natürliche« Nahrung überhaupt?

Die Forschung aus Großbritannien liefert darauf keine endgültige Antwort – aber sie verschiebt die Perspektive. Weg vom fertigen Produkt auf dem Teller, hin zur Pflanze als Ausgangspunkt. Und plötzlich wird aus einer simplen Scheibe Brot ein Beispiel dafür, wie eng Genuss, Wissenschaft und Regulierung heute miteinander verwoben sind.


Redaktion
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