Menschenscheu ist im »Félix« im Hamburger Elbvorort Nienstedten fehl am Platz. Die Tische stehen dicht beieinander, die Atmosphäre ist lebendig, laut, ungezwungen. Aus der offenen Küche schallt Lachen – ein Ort, an dem Genuss und Geselligkeit Hand in Hand gehen. Felix Bechtolf, zuvor Küchenchef unter Thomas Martin im »Jacobs Restaurant« des Hotels »Louis C. Jacob«, widmet sich in seinem eigenen Lokal ganz seiner Liebe zur französischen Küche. Der 30-Jährige – seine Mutter ist Französin, der Vater Hamburger – kochte schon im Pariser »Le Bristol« unter Eric Fréchon und im »Trianon Palace« unter Gordon Ramsey. Mit seinem Großvater besuchte er als Kind die Markthallen in Versailles: Diese kulinarische Prägung zieht sich durch die gesamte Speisekarte, in der Pâté en croûte bourgeois mit Foie gras, Trüffelgelee, eingelegten schwarzen Walnüssen und Wildkräutersalat genauso wenig fehlen darf wie leicht temperierter geräucherter Aal mit Rührei auf geröstetem Schwarzbrot mit Zitronenschaum oder dem punktgenau glasig gebratenen Steinbutt mit Beurre blanc und Champagnerrisotto mit aparter Säurespitze. Bechtolf ist kein Konsenskoch, der es allen recht machen will, dem Stubenküken mit Couscous und orientalischen Aromen gibt er beim Anbraten bewusst viel Farbe – es ist außen knusprig, aber innen saftig und harmoniert trefflich mit der würzigen, geschmackstiefen Jus. Financier exotique heißt der fluffige Mandelkuchen mit warmer Ananas und Kokossorbet, der den Abend in Elbnähe mit einem Hauch Paris ausklingen lässt: Leger und stilsicher, das ist Félix Bechtolfs gehobene französische Bistroküche.