Ob der Name nun angeblich mit einer einstigen Rotlichtzone zu tun hat oder der Kleinheit der Lokalität, sei dahingestellt. Das seit Ende 2024 hier werkende Trio hat ihn belassen. Klemens Grassl kümmert sich ums Managen, die Zwillingschwestern Eva und Julia Schnabl um die Kulinarik. Erstere bespielt die offene Küche und werkte zuvor an sehr namhaften Adressen wie »Coda« in Berlin oder dem »Mühltalhof«. Julia ist Inhaberin und umsorgt die Gäste. Auffällig: Ein Brotberg auf der Budel, manch Bäckerei wäre froh, ein derart gutes Sauerteigbrot backen zu können wie die hauseigenen Kabuff-Wecken. Die braucht man auch in großer Menge – die Saucen aus Evas gemüsezentrierter Karte machen fleißiges Tunken obligatorisch. Auf der Abendkarte vulgo »SPÄT« steht »zum Teilen«, ab zwei Essern empfiehlt sich das »Quer durch«-Menü. Ein herrlicher Snack: wachsweiche Wachteleier mit Senfmayo und Senfkaviar. Dann roh marinierter Kohlrabi mit Buttermilch-Zitronenverbene-Vinaigrette, Salzzitrone, Hollerkapern und »einer rauen Menge« geräuchertem Schafkäse von Nuart aus Kärnten – vegetarische Küche der Extraklasse, komplex und finessenreich. Rustikaler: Sellerie im Ofen geschmort, dann gegrillt und lackiert mit Sellerie-Miso-Reduktion in einer Sauce mit Bergkäse. Hinreißend und eines der wenigen Gerichte mit Fisch oder Fleisch: Ricotta, Erbsen und Cassis in zartem Erbsensud mit geräuchertem Stör von jenem Züchter, dessen »Alpencaviar« weithin geschätzt wird. Auch verblüffend: Die Glaskultur – auf die mundgeblasene Ware von MARKTHOMAS trifft man nur höchst selten. In Sachen Wein muss man hier halt die Liebe zu Naturweinen teilen, oder aufs feine Ober-trumer Bier ausweichen.