Die »Himmelsleiter« im ältesten Bürgerhaus Münchens führt 472 Jahre nach ihrer Erbauung nicht nur optisch, sondern auch wortwörtlich zu den Sternen – direkt ins kulinarische Reich von Zwei-Sterne-Koch Tohru Nakamura. Der 41-jährige Münchner deutsch-japanischer Abstammung hat hier, in der ehemaligen Stadtschreiberei, vor rund drei Jahren seinen Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht. Im Erdgeschoß befindet sich sein Brasserie-Konzept »Schreiberei«, das Fine-Dining-Restaurant »Tohru« thront darüber. Der Abend beginnt für jeden Gast in der Küche, wo man die kreativen Köpfe hinter den elf Gängen kennenlernen kann. Nakamura ordnet sich eher der europäischen als der japanischen Küche zu, was vielleicht auch am regionalen Bezug seiner Produkte liegt. Gemüse, darunter auch fast vergessene Sorten, stammen aus dem Nordosten Münchens, Fische kommen von der Fischzucht Birnbaum und das Fleisch von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten südlich der Landeshauptstadt. Im Menü klingt das so: Herrmannsdorfer Schweinekinn, mariniert in Soja-Trester, anschließend gegrillt und in hauchdünne Scheiben geschnitten (ähnlich wie japanisches Sashimi), kombiniert mit Royal Belgian Caviar, Blumenkohl, Mädesüß und Haselnüssen für den Crunch. Die Goldforelle wird mit einem japanischen Waldpilz, einer Kimizu-Sauce aus Eigelb und Reisessig sowie geröstetem Brioche serviert. Ein ganz großes Meisterwerk. Die Weinkarte beeindruckt mit Vielfalt und Jahrgangstiefe sowie überraschenden alkoholfreien Alternativen. Das junge Team rund um Restaurantleiter Alexander Will tut sein Übrigens, damit sich die Gäste in diesem kulinarischen Himmel gänzlich wohlzufühlen.