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Schon länger am Markt: Der alkoholfreier Sprudel vom Weingut »Mayer«.

Schon länger am Markt: Der alkoholfreier Sprudel vom Weingut »Mayer«.
© Jan Tiam Dorfer

Alkoholfreier Wein: Gekommen, um zu bleiben?

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Interview

»Momentan wird mehr darüber gesprochen als getrunken.« Gerhard J. Lobner über die Zukunft der entalkoholisierten Weine und die Herausforderungen für Winzer:innen.

Das »Weingut Mayer am Pfarrplatz« in Wien ist bekannt für Tradition – und besonders nun auch für Innovation. Winzer Gerhard J. Lobner hat sich nach langer Recherche als einer der ersten für den Einstieg in die Welt der alkoholfreien Weine entschieden. Im Falstaff-Talk spricht er über den Wandel der Weinkultur, die Herausforderungen der Produktion und warum alkoholfreier Wein kein Ersatz, sondern eine Ergänzung ist.

Falstaff: Herr Lobner, das Weingut Mayer am Pfarrplatz blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie passt alkoholfreier Wein in dieses Traditionsbewusstsein?

Gerhard Lobner: Unser Weingut existiert seit 1683, und ich sage immer: Die Betriebe, die es heute noch gibt, haben sich über die Jahrhunderte immer wieder neu erfunden. Stillstand bedeutet Rückschritt. Deswegen haben wir uns nach fünf Jahren intensiver Recherche entschieden, alkoholfreie Weine anzubieten.

Was war der Schlüsselmoment für diese Entscheidung?

Ein guter Freund aus Deutschland hat mich vor einigen Jahren gefragt, wie weit Österreich bei alkoholfreien Weinen sei. Meine Antwort war: »Gar nicht.« Aber er hat mich zum Nachdenken gebracht. In Deutschland war das Thema bereits viel weiter, und ich habe erkannt, dass es nicht nur ein Trend ist, sondern eine echte Marktentwicklung.

Wie haben Ihre Stammkunden auf alkoholfreien Wein reagiert?

Es gibt natürlich Puristen, die das ablehnen, aber die Resonanz ist insgesamt sehr positiv. Der Lebensstil vieler Menschen hat sich verändert: Gesundheitsbewusstsein, soziale Medien, das Bedürfnis, jederzeit »fit« zu sein. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um eine Ergänzung. Niemand muss auf Genuss verzichten, wenn er gerade keinen Alkohol trinken möchte.

Wenn man einen schlechten Wein entalkoholisiert, bleibt ein schlechter Wein übrig. So einfach ist es.

In Österreich gilt alkoholfreier Wein noch als Nischenprodukt. Sehen Sie darin Potenzial?

Ganz klar: Ja. Natürlich wird momentan mehr darüber gesprochen als getrunken. Aber das Interesse ist da, und mit der Zeit wird sich der Konsum verstärken. Je mehr Produzenten sich dem Thema widmen, desto höher wird der Qualitätsanspruch – und desto etablierter wird alkoholfreier Wein als eigene Kategorie.

Welche Herausforderungen gab es bei der Produktion?

Die größte war, mein eigenes Team zu überzeugen. Es ist nicht leicht, eine neue Richtung einzuschlagen. Technisch gesehen arbeiten wir mit einem Partner in Deutschland zusammen, der den Wein entalkoholisiert. Anfangs hatten wir Probleme mit der Abfüllung, aber mittlerweile haben wir mit einem österreichischen Partner eine perfekte Lösung gefunden.

Woran erkennt man einen guten alkoholfreien Wein?

Die Basis muss stimmen. Wenn man einen schlechten Wein entalkoholisiert, bleibt ein schlechter Wein übrig. Außerdem braucht es eine gewisse Restsüße, um den fehlenden Alkohol auszugleichen. Besonders gut funktionieren prickelnde Weine, da die Kohlensäure das Mundgefühl unterstützt.

Wird es in Zukunft noch mehr alkoholfreie Sorten aus Ihrem Haus geben?

Unser Fokus bleibt auf klassischem Wein, aber alkoholfreier Wein ist eine spannende Spielwiese. Wir sind Vorreiter in Österreich und gestalten dieses Segment aktiv mit.

Trinken Sie selbst lieber klassischen oder alkoholfreien Wein?

Das kommt auf den Moment an. Mittags bin ich froh, eine alkoholfreie Alternative zu haben, um danach noch produktiv zu sein. Aber abends genieße ich auch gerne ein Glas Riesling – oder auch zwei.


Kristina Mitrovic
Kristina Mitrovic
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