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© Erhan Inga/Shutterstock

Aus Wasser wird Wein: Ein Dessert aus vergangenen Tagen in neuer Form

Kuchen
Dessert
Wein
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Ein Kuchen, der einst als Notlösung entstand, hat sich über Umwege zu einem viralen Trend entwickelt. Der »Wine Pie« wird mittlerweile zunehmend als Alternative zum klassischen Apple Pie geschätzt.

Es gibt gute Desserts, es gibt schlechte Desserts und dann gibt es jene, bei denen man sich einfach nicht sicher ist, ob man sie liebt oder nicht. Ähnlich wie bei Pizza-Hawaii spalten sich bei einem Kuchen der speziellen Art wohl die Gemüter. Aber zuerst ein kleiner Exkurs: eines der wohl bekanntesten Desserts in den USA ist der traditionelle Apple Pie – oft abgerundet durch eine Kugel Vanilleeis, ist er ein absolutes Muss bei vielen Familienessen.

Das war jedoch nicht immer so. Bevor der Apfelkuchen der unverzichtbare Abschluss eines Festessens oder die perfekte Begleitung zum Kaffee wurde, entstand eine einfachere Version des Kuchens. Besonders während der Großen Depression mussten viele Amerikaner:innen mit den wenigen Zutaten arbeiten, die ihnen zur Verfügung standen. In dieser schwierigen Zeit waren Rohstoffe teuer und schwer zu bekommen. Doch Wasser, Mehl, Zucker und Butter blieben erschwinglich, und mit etwas Vanille-Extrakt und einer Prise Zimt konnte dennoch ein gelungener Kuchen zubereitet werden. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand ein Dessert, das die Zeit überdauert hat: der »Water-Pie«.

Heute erleben wir eine Art Renaissance dieser Notkuchen – aber in einer völlig neuen Form: »Wine Pie« und »Soda Pie«. Ähnlich wie beim »Water-Pie« zur Zeit der Depression werden hier Zutaten verwendet, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Der »Water Pie«, zum Beispiel, besteht aus Wasser, Zucker und Mehl – eine einfache Mischung, die an die improvisierten Gerichte vergangener Tage erinnert. Doch bei der neuen Version kommen jetzt auch Wein oder sogar Softdrinks zum Einsatz, wie beim »Wine Pie« oder »Soda Pie«.

Diese Desserts verwirren, überraschen und faszinieren gleichermaßen. Während einige sie als geniale kulinarische Experimente feiern, rümpfen andere nur die Nase. Und genau darin liegt der Reiz dieser neuen Kuchen: Sie fordern heraus, was wir über Desserts zu wissen glauben, und bringen uns dazu, neue Geschmackskombinationen auszuprobieren – auch wenn wir uns manchmal nicht sicher sind, ob wir sie lieben oder hassen.

Neue Interpretation

Besonders in der Zeit vor und an dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving erfreut sich die Wein-Variante des Desserts großer Beliebtheit. Während er einerseits als amerikanisches Äquivalent zu dem beliebten Rotwein-Guglhupf betrachtet werden kann, wird er für Weinliebhaber:innen ein großer Affront. Auf Social-Media-Kanälen versuchen sich Hobby-Bäcker:innen immer wieder an dem besonderen Dessert und das Ergebnis spricht auch für sich – allerdings nicht nur im positiven Sinne.

Während die Zutaten gut miteinander harmonieren könnten, erweist sich ein Blick auf seine Zubereitung eher abschreckend als appetitanregend. Für viele TikToker:innen ist das größte »no-go« wohl das Mischen der Zutaten direkt in dem vorgebackenen Tortenboden – auch wenn das Motto »trust the process« sich in den Sprachgebrauch vieler fest etabliert hat, wird gibt es hier wohl nicht allzu viel, worauf man vertrauen kann.

Es geht auch anders

Das Dessert hat allerdings auch das Potenzial zu einer richtigen Gaumenfreude zu werden – das zeigt eine ambitionierte Hobby-Bäckerin in einem ihrer Videos. Hierfür geht sie methodisch vor und voilà das Ergebnis kann sich sehen lassen: der »Wine Pie« sieht zum Anbeißen gut aus. Ob der Kuchen dann auch tatsächlich so gut schmeckt, wie er aussieht muss wohl jeder selbst für sich testen.


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Tamara Kalny
Tamara Kalny
Autorin
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