Bergland: Der Wein des Westens
Dank des Klimawandels erlebt der Weinbau auch in den westlichen Bundesländern Österreichs wieder einen kleinen Aufschwung. Vor allem in Kärnten hat man die Liebe zum Weinbau wiederentdeckt.
In Österreich wird der Weinbau heute in drei großen Regionen betrieben. Unter dem Dach »Weinland« stehen Niederösterreich, Burgenland und Wien, unter »Steirerland« sind die drei steirischen Weinbauherkünfte zusammengefasst. Die restlichen fünf Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg und Oberösterreich bilden gemeinsam die Weinbauregion »Bergland«. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren einiges getan hat, macht das Bergland nur einen sehr kleinen Anteil der heimischen Gesamtrebfläche aus, aktuell bewirtschaften die Weinbautreibenden der fünf westlichen Bundesländer 243 Hektar. Angebaut werden zu 75 Prozent weiße und zu einem Viertel rote Sorten. In Sachen Fläche teilen sich Kärnten mit 125 Hektar und Oberösterreich mit 91 Hektar die Führungsrolle im Bergland, gefolgt von Tirol mit 16 Hektar, Vorarlberg mit zehn Hektar und schließlich Salzburg mit etwa 0,2 Hektar im Ertrag – eher eine Kuriosität.
Das war nicht immer so. Mancherorts gab es schon vor der »Kleinen Eiszeit« bedeutenden Weinbau, oft verweisen alte Terrassenanlagen oder Orts- und Flurnamen auf die einstigen Winzeraktivitäten, die über das Mittelalter bis in die Römerzeit zurückreichen. So hatte das Gebiet des heutigen Oberösterreich zur Mitte des letzten Jahrtausends noch eine größere Rebfläche als jene von Niederösterreich, wo sich damals auch der Weinbau bis in die Voralpen erstreckte. Bei Schottwien unweit des Semmerings kann man heute noch die alten Steinterrassen erkennen.
Neben dem klimatischen Umbruch waren auch noch andere Gründe für den damaligen Niedergang des Weinbaus verantwortlich. In Kärnten war es die Nähe zu den südlichen Anbaugebieten, der Import war billiger als die Eigenproduktion, was dem örtlichen Weinbau die wirtschaftliche Grundlage entzog. Dort, wo sich der Weinbau bis ins 19. Jahrhundert halten konnte, waren es die verschiedenen Rebkrankheiten, gefolgt von der Reblauskatastrophe am Ende des 19. Jahrhunderts, die schließlich eine Neuauspflanzung verhinderten und in Kärnten zum völligen Erliegen des Weinbaus führten.
Kärntner Vielfalt
Der Weinbau in Kärnten hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Renaissance erlebt, die sich auch in den Zahlen deutlich widerspiegelt: Die bewirtschaftete Rebfläche ist mittlerweile auf rund 125 Hektar angewachsen. Dabei haben sich klare Epizentren herausgebildet, die das Herz der regionalen Weinproduktion bilden. Besonders der Bezirk St. Veit mit der malerischen Kulisse des Längsees, dem Paradeweingut Taggenbrunn und der historischen Burg Hochosterwitz hat sich als Zentrum etabliert, ebenso wie das Lavanttal, die Region um Feldkirchen und die Lagen rund um die Landeshauptstadt Klagenfurt.
Im Weinglas spiegelt sich die Vielfalt der Böden und des Klimas wider. Zwar dominieren die klassischen weißen Burgundersorten, doch das Spektrum ist weitaus breiter: Von aromatischem Sauvignon Blanc und Riesling über den würzigen Traminer bis hin zu eleganten Rotweinen wie Zweigelt und Blauem Burgunder findet sich heute bereits für jeden Gaumen das Passende. Diese Qualitätssteigerung bleibt nicht unbemerkt. Seit 2013 finden sich Kärntner Weine regelmäßig in der prestigeträchtigen Auswahl des SALON Österreich Wein wieder, was ihren Status in der nationalen Spitzenklasse untermauert.
Wein ob der Enns & Lebenszeichen aus Tirol
Aufbruchstimmung ist auch in Oberösterreich zu spüren: Dass der Weinbau hier einst eine tragende wirtschaftliche Rolle spielte, lässt sich noch heute an zahlreichen Orts-, Haus- und Flurnamen im gesamten Bundesland ablesen. Nach einem deutlichen Rückgang im 19. Jahrhundert erlebt das »Land ob der Enns« nun eine bemerkenswerte Renaissance. Mittlerweile werden wieder rund 91 Hektar Rebfläche bewirtschaftet, die sich auf verschiedenste, sonnenverwöhnte Regionen verteilen. Die Standorte reichen von den Steilhängen des Donautals und des Machlands über den Linzer Gaumberg bis hin zum Eferdinger Becken und dem oberösterreichischen Zentralraum.
Im Keller setzen die Winzer vor allem auf Qualität und Charakter: Während bei den Weißweinen Grüner Veltliner und Chardonnay im Fokus stehen, ergänzen Zweigelt und die farbintensive Sorte Roesler das rote Sortiment. Der Tiroler Weinbauverband zählt heute zwei Dutzend Mitglieder, und selbst geschichtsträchtige Orte wie der seit dem 14. Jahrhundert dokumentierte Weingarten von Zirl liegen derzeit brach. Trotz dieser überschaubaren Größe gibt es im Nordtiroler Weinbau wieder deutliche Lebenszeichen. Die bekanntesten Betriebe finden sich in Haiming und Tarrenz im Tiroler Oberland. In den dortigen Kellern konzentriert man sich vorwiegend auf die Familie der Burgundersorten, wobei insbesondere Chardonnay und Blauer Burgunder das Profil der Region prägen.
Raritäten aus dem Ländle
Es ist schon eine Weile her, als Vorarlberg mit einer Rebfläche von rund 500 Hektar ein beachtliches Weinland war, in dem sich die Weingärten vor allem durch den Walgau und das Rheintal zogen. Doch zwei Schicksalsschläge setzten dem ein jähes Ende: die verheerende Reblauskrise und die neue Konkurrenz durch Südtiroler Weine, die nach dem Bau der Arlbergbahn den Markt fluteten. Übrig blieb zunächst lediglich ein einziger Weingarten in Röthis.
Die Wende kam im Jahr 1997 mit der Gründung des »Vereins der Weinbautreibenden Vorarlbergs«. Seither wird der Weinbau im »Ländle« wieder gezielt forciert und zu neuem Leben erweckt. Heute geben beim Weißwein vor allem Grüner Veltliner und die klassischen Burgundersorten den Ton an, während der Blaue Burgunder als wichtigste Sorte die Rotweinfraktion vertritt. Zehn Hektar im Ertrag machen den Vorarlberger Wein zu einer gesuchten regionalen Spezialität.
Viele fleißige Hände
Last but not least: Die moderne Weinbaugeschichte Salzburgs nahm im Jahr 2001 ihren Anfang, als in Großgmain am Fuße des Untersbergs die ersten Reben gepflanzt wurden. Auf dem Mönchsberg wächst seit 2007 in einer pittoresken Anlage der Wein vom »Paris Lodron Zwinger«. Dabei handelt es sich um einen Frühroten Veltliner, der pro Jahr etwa 500 Flaschen hervorbringt. Diese sind mit einem Preis von rund 40 Euro zwar eine exklusive Rarität, dienen aber einem guten Zweck, da der Erlös den Salzburger Pfadfindern zugutekommt.
Auch rund um das Benediktinerstift Michaelbeuern engagiert sich eine Gruppe von Hobbywinzern im Weinbau. Es ist eine große Zahl von fleißigen Händen, die meist in ihrer Freizeit die Weinkultur in den westlichen Ländern vorantragen, ein Engagement, das den Regionen neben touristischen Impulsen auch das eine oder andere Glas besonderen Weins beschert und so einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt des österreichischen Weinangebots und zur Weinkultur leisten.
Adressen
Kärnten
Taggenbrunn
Taggenbrunn, das größte Weingut Kärntens, -eingebettet in der malerischen Alpe-Adria-Landschaft, ist ein Refugium für alle Sinne. Die Schieferböden mit besonderer Mineralik und die sonnigen Südlagen der sanft hügeligen Weingärten bieten optimale Bedingungen für Weinbau in allerhöchster Qualität.
Taggenbrunn 9
9313 St. Georgen am Längsee
T: +43 4212 30200
taggenbrunn.at
Trippelgut
Der Gutsbetrieb der Familie Trippel am Maltschacher See – ganz in der Nähe des Golfplatzes -Moosburg in Pörtschach – ist eine Location zum Entschleunigen und Genießen unweit des Wörthersees.
Hubertusweg 4, 9560 Feldkirchen
T: +43 4276 93080
trippelgut.at
Vulgo Ritter
Sabine David bewirtschaftet seit 2010 auf den -sonnigen Hängen des Josefsbergs bei St. Paul im Lavanttal rund zwei Hektar Rebfläche und erzeugt feine Weine aus Burgunder- und PIWI-Sorten.
Loschental 8, 9470 St. Paul
T: +43 680 30 27 100
vulgoritter.at
Sternberg Wein - Weingut Egger
Seit 2009 lässt die Familie Egger am Sternberg eine uralte Weinbautradition wieder aufleben, aus den ersten Rebstöcken sind mittlerweile bereits 5,5 Hektar Ertragsweingärten geworden. 2025 wurden gleich zwei Sternberg-Weine bei der AWC in Wien mit Gold prämiert, nämlich der Sauvigon Blanc Großes Holz und der Grauburgunder Natur Amphore.
Feldweg 6, 9241 Wernberg
T: +43 664 160 16 30
www.sternberg-wein.at
Oberösterreich
Innviadla Weinbau
Im Jahr 2003 wurden von Wolfgang Költringer wieder die ersten Reben gepflanzt, und 2006 wurde der erste Weißwein gekeltert. Seither entstehen frische, fruchtige Weiß-, Rosé- und Rotweine auf sandigem Lehm mit Lössanteil.
Neudorf 1, 4984 Weilbach
T: +43 664 8460847, koeltringer.net
Tirol
Neururer
Das Weingut Neururer im wunderschönen Arzl im Pitztal ist ein Wohlfühlort für Genießer. Wein wird hier geliebt wie gelebt, produziert, gehandelt und gelehrt. Ja, sogar der ganz persönliche eigene Wein kann hier hergestellt werden.
Eggles 22
6471 Arzl im Pitztal
T: +43 699 11957657
wein-neururer.at
Zoller-Saumwald
Der kleine Betrieb in Haiming holte bei der Landesprämierung 2025 den Sieg in allen Kategorien, hier entstehen feiner Pinot Noir, Sauvignon und Chardonnay, leider in sehr limitierter Menge!
Steinweg 18, 6425 Haiming
T: +43 676 350 42 92
zoller-saumwald.at
Fluer
Ein Besuch in der Hofschank von Alexandra und Georg Fluer ist ein besonderes Weinerlebnis. Hier probiert man die charakterstarken Tiroler Weine aus Sorten wie Solaris, Chardonnay, Müller--Thurgau und Blauburgunder.
Kappenzipfl 12b, 6464 Tarrenz
T: +43 650 9260334
weingut-fluer.at
Vorarlberg
Möth
Die besten und größten Lagen befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Bodensee in der Lage namens »neu Amerika«, hier wachsen auch die Trauben der Familie Möth. Die Fässer der Linie »Tiefenrausch« verbrachten übrigens mehr als ein Jahr am kühlen Grund des Bodensees.
Langenstraße 5, 6900 Bregenz
T: +43 5574 47711
moeth.at
Michael Nachbaur
Die Familie Nachbaur betreibt in Röthis auf zwei Hektar Weinbau im Vollerwerb und ist seit 30 Jahren biozertifiziert. Die Weine können ab Hof gekauft werden und sind zudem in einigen guten Vorarlberger Gastronomiebetrieben verfügbar.
Zehentstraße 4, 6832 Röthis
T: +43 650 6693639
weingut-nachbaur.at