Bernhard Markgraf von Baden: »So können wir atmen«
Eine Entscheidung erschüttert den Weinbau in Baden: Das Haus Baden wird 60 Hektar Reben am Bodensee roden. Bernhard Markgraf von Baden nimmt im Gespräch mit Falstaff zu diesem Schritt Stellung.
Falstaff: In der Presse war zu lesen, dass das Markgräfliche Weingut den Bodensee-Weinbau so gut wie aufgeben möchte, 60 Hektar sollen gerodet werden. Ist das zutreffend?
S.K.H. Bernhard Markgraf von Baden: In der Tat, es wird sogar schon mit den Rodungen begonnen, wir wollen das über den Winter durchziehen.
Ein kleiner Teil der Produktion soll erhalten bleiben, welche Lagen betrifft das?
Die große Linie ist klar: Die Flächen werden hauptsächlich in Uhldingen, Mühlhofen und in Bermatingen gerodet, an anderen Stellen haben wir noch keine abschließende Entscheidung getroffen.
Kann man sich denn wirklich die Birnauer Basilika – eines der beliebtesten Fotomotive am See – ohne Reben vorstellen?
Das ist noch eine offene Frage. Die Birnauer Kirchhalde gehört dem Kloster, wir pachten die Flächen dort, und der Pachtvertrag läuft noch zwei Jahre. Aber schauen Sie, wir haben oft so einen statischen Blick auf die Dinge. Landschaften verändern sich, das ist ganz normal. Bevor mein Vater in den sechziger Jahren dort Reben gepflanzt hat, waren rund um die Wallfahrtskirche auch nur Obstwiesen. In der Zwischenkriegszeit war der Weinbau bis auf zwei, drei Hektar in Kirchberg fast völlig verschwunden, im Mittelalter wuchsen 1000 Hektar in der Region.
Darf man davon ausgehen, dass die Weine aus der Ortenau einfacher zu vermarkten sind als der Seewein?
Durbach hat eine Sonderstellung mit der Terrasse oben am Schloss Staufenberg und mit seiner spezifischen Betriebsgröße (22 ha, Anm.) Am See sind wir abhängig von Gastronomie und Fachhandel, und wir wissen alle, dass diese beiden Absatzkanäle momentan Probleme haben. Für den LEH ist die Premiumlinie »Markgraf von Baden« vom Bodensee zu komplex und zu teuer und damit im Wettbewerb ohne positive Zukunftsprognose. Daher haben wir gesagt: Wir machen lieber einen konsequenten Schnitt und machen stattdessen etwas, das sich den Herausforderungen der Zeit stellt.
Sie möchten die Flächen umwandeln in Ertragsflächen der regenerativen Landwirtschaft.
Genau. Die regenerative Landwirtschaft führt nicht nur zur ökonomisch produktiven Herstellung gesunder Lebensmittel, sondern auch zu gesunden Böden. Momentan ist die Landwirtschaft global gesehen einer der größten Emittenten von CO2. Das können wir umdrehen. Auch die Biodiversität wird von der Umstellung profitieren. Wenn ich die Möglichkeit habe, mich für eine Wirtschaftsweise zu entscheiden, die diese Vorzüge bringt, dann mache ich das doch.
Darüber hinaus bleibt der Weinbau aber trotzdem ein wesentlicher Teil unserer Aktivitäten. Das Joint Venture, das wir mit Rotkäppchen Mumm als Vertriebspartner aufgebaut haben, ist extrem erfolgreich: Wir haben trotz des schwierigen Marktumfelds in diesem Segment zweistellige Zuwachsraten und sind in sechs Jahren von null auf 3,5 Millionen Flaschen gekommen. Diese zweite Seite ist mir extrem wichtig, die Ausrichtung im Weinhaus auf Markenwein für den LEH. Wenn diese 94 Prozent gut laufen und die anderen sechs Prozent weniger gut, dann stärken wir doch lieber das Weinhaus und investieren dort. So können wir atmen, auf der Seite des Weinmarkts und auf der Seite der landwirtschaftlichen Flächen.
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