Central Dozen 2023: Die besten Pinot Noirs aus Central Otago im Vergleich
Einmal pro Jahr wählt eine unabhängige Jury zwölf herausragende Pinot Noirs aus Central Otago aus — ein Querschnitt durch Jahrgang und Region. Falstaff hat die Auswahl unter die Lupe genommen und präsentiert die Highlights des Central Dozen 2023.
Die südlichste relevante Weinregion der Welt liegt nicht in Patagonien oder Tasmanien, sondern auf dem 45. Breitengrad der neuseeländischen Südinsel, eingekesselt von den Ausläufern der Southern Alps. Central Otago ist eine Weinbauregion der Extreme. Im Jahr 1967 schrieb ein Wissenschaftler des nationalen Forschungsinstituts Te Kauwhata, die Bedingungen auf der Südinsel seien dem Weinbau nicht zuträglich – die niedrigen Nachttemperaturen im Sommer liessen keine ordentliche Traubenreife zu.
Es sollte sich als einer der spektakulärsten Irrtümer der neuseeländischen Weinbaugeschichte erweisen. Das Geheimnis liegt im Klima: Central Otago ist die einzige Region Neuseelands mit ausgeprägtem Kontinentalklima. Die Temperaturen können im Sommer auf über 30 Grad klettern und in derselben Nacht in den einstelligen Bereich fallen, was den charakteristischen, frischen, eleganten und doch konzentrierten Pinot-Stil der Region ausmacht.
Von laut zu leise
Pinot Noir macht rund 70 Prozent der Produktion aus und ist nicht bloss die Leitsorte, sondern die Identität der Region. Und diese hat sich in den letzten Dekaden gewandelt. Waren die Weine in den Anfangsjahren häufig laut und darauf getrimmt aufzufallen, besinnt man sich inzwischen auf die Herausarbeitung des vielfältigen Terroirs der Region. Das Profil der Weine hat sich in Richtung Eleganz und Raffinesse verschoben. Was heute aus den besten Lagen der Region kommt, klingt weniger nach Neuer Welt und mehr nach einer Region, die weiss, wer sie ist.
2023: Ein anspruchsvoller, aber homogener Jahrgang
Genau diese Vielfalt will das Central Dozen sichtbar machen. Die Initiative der Central Otago Winegrowers Association versteht sich als jährliche Momentaufnahme des Pinot Noir in der Region: zwölf Weine, blind verkostet, von einer unabhängigen Jury um die Master of Wine Emma Jenkins ausgewählt.
2023 war ein herausforderndes Jahr. Damals verwüstete der Zyklon Gabrielle weite Teile der Nordinsel Neuseelands, wobei Central Otago weitgehend verschont blieb. Der Sommer in der Region war warm und trocken, kurz vor der Ernte machten den Winzern jedoch Frost und Regenfälle zu schaffen. Wer sorgfältig arbeitete, konnte jedoch konzentrierte, gesunde Trauben ernten. Und obwohl Central Otago rund 1900 Hektar, aufgeteilt auf sechs Subregionen, umfasst, gilt 2023 als äusserst homogen hinsichtlich der Weinqualität. Gegenüber dem eher zugänglichen, fruchtbetonten Jahrgang 2022 sind die Weine aus 2023 strukturierter und komplexer – mit konzentrierter Frucht, feinen Tanninen und hohem Alterungspotenzial.