Darum ziert ausgerechnet eine Ananas den Wimbledon-Pokal
Erdbeeren mit Sahne sind das kulinarische Markenzeichen von Wimbledon. Doch ausgerechnet eine vergoldete Ananas thront auf der wohl berühmtesten Trophäe des Tennissports. Was hat sie zu bedeuten?
Wer Wimbledon hört, denkt an sattgrüne Rasenplätze, strahlend weiße Tenniskleidung und Schalen voller Erdbeeren mit Sahne. Doch auf der traditionsreichsten Trophäe des Turniers findet sich ausgerechnet eine Frucht, die mit dem Londoner Grand Slam auf den ersten Blick wenig gemeinsam hat: Eine vergoldete Ananas krönt den Pokal des Herrensiegers.
Warum ausgerechnet ein Gewächs, das nicht einmal in England heimisch ist, seinen Platz auf der berühmten Trophäe gefunden hat, kann selbst der »All England Club« nicht mit letzter Gewissheit beantworten. Eine offiziell bestätigte Erklärung existiert bis heute nicht. Historiker halten jedoch eine Theorie für besonders plausibel.
Pure Dekadenz
Heute liegt die Ananas fast selbstverständlich in den Obstregalen. Im späten 19. Jahrhundert war sie dagegen ein rares Prestigeobjekt. Zwar soll die Frucht bereits Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa gelangt sein, doch sie blieb über Jahrhunderte eine kostspielige Rarität. Erst mit dem kommerziellen Anbau – unter anderem auf Hawaii zu Beginn des 20. Jahrhunderts – wurde sie für die breite Bevölkerung verfügbar.
Zur Entstehungszeit des heutigen Wimbledon-Pokals galt eine Ananas deshalb als Symbol für Wohlstand, Exklusivität und Gastfreundschaft. Wer sie servieren konnte, demonstrierte gesellschaftlichen Status. Genau diese Bedeutung könnte den Weg der Frucht auf die Trophäe erklärt haben: Sie sollte den außergewöhnlichen Rang des Turniers und seines Siegers unterstreichen.
Platzprobleme
Der heutige Siegerpokal wird seit 1887 vergeben und ist bereits die dritte Version der Wimbledon-Trophäe. Zuvor hatten mehrere Wanderpokale existiert, die dauerhaft in den Besitz eines Spielers übergehen konnten, wenn dieser das Turnier mehrfach in Folge gewann. Um das künftig zu verhindern, entschied sich der »All England Club« für einen neuen Pokal, der dauerhaft Eigentum des Veranstalters bleibt.
Die vergoldete Silbertrophäe misst rund 46 Zentimeter und trägt die eingravierten Namen sämtlicher Wimbledon-Champions seit dem ersten Turnier im Jahr 1877. Als der Platz auf dem Pokal 2009 nicht mehr ausreichte, wurde ein schwarzer Sockel ergänzt, auf dem seither weitere Sieger verewigt werden. Die Gewinner erhalten heute eine verkleinerte Nachbildung als Erinnerung. Nicht zuletzt durfte sich der Italiener Jannik Sinner freuen, der 2026 seinen Titel vom Vorjahr verteidigte.
Warum die Siegerinnen keinen Pokal erhalten
Während die Herren um den Pokal mit der goldenen Ananas spielen, wartet auf die Siegerin eine ganz andere Auszeichnung: das »Venus Rosewater Dish«. Die reich verzierte Silberschale wird seit 1886 verliehen und geht auf ein historisches Gefäß zurück, das einst bei höfischen Zeremonien zum Auffangen von Rosenwasser verwendet wurde. Damit unterscheiden sich die beiden Wimbledon-Trophäen nicht nur optisch, sondern auch in ihrer Symbolik. An Opulenz stehen sich aber beide Trophäen in nichts nach.