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Vertrauen auf US-Dosen-Format und markantes Design: »Zaungast«-Biere aus Wien.

Vertrauen auf US-Dosen-Format und markantes Design: »Zaungast«-Biere aus Wien.
© Roland Graf

Das Fass für die Hände: Die Bierdose feiert 90. Geburtstag

Bier
Jubiläum

Aus einem zaghaften Beginn 1935 wurde die Bier-Dose zum Welterfolg. Oft (und zu Unrecht) geschmäht, schätzen sie heute auch Kreativbrauer: als Frei-Fläche für Frohsinn, aber auch ernste Botschaften.

Es wäre keine echte Bier-Innovation, wenn am Anfang nicht ein Deutscher stünde. In diesem Fall spielte Gottfried Wilhelm Krüger eine entscheidende Rolle, auch wenn er die Einführung der Bierdose nicht mehr erleben sollte. Doch der Brauer aus Sulzfeld (Baden-Württemberg) wurde 1858 zum Gründer der »Gottfried Krueger Brewing Company« in Newark – jenem Unternehmen, das zum Pionier des Dosenbier werden sollte. Die Technologie gab es zwar längst, aber erst die »Krueger«-Brauerei ließ sich auf die Partnerschaft mit der »American Can Company« ein.

Das Risiko mit den ersten Dosen

Es sollte eine vorsichtige Annäherung werden, die der Welt eine Alternative zu Bier in Fässern oder Flaschen bescheren würde. Eine winzige Test-Charge wurde vorerst 1933 nur für Angestellte gefüllt. Erst im Jänner 1935 folgte dann der offizielle Launch der Bierdosen im Handel. Auch da traute man der Sache noch nicht so ganz; der Legende nach wurde der weitest entfernte »Krueger«-Händler in Virginia für den Testlauf auserwählt. Das Kalkül war klar: Sollte das Gebinde floppen, würde es wohl nicht bis New Jersey durchsickern.

Doch das Gegenteil war der Fall! Spätestens seit 1963 auch der praktische Öffnungsmechanismus – offiziell: »Ring-Pull-Verschluss« – hinzukam, hielt nichts mehr das Mini-Fass auf. Lediglich Image-Probleme setzten den platzsparenden Dosen zu, die besonders Kleingastronomen (allen voran Würstelstände) besonders schätzten: Vom metallischen Geschmack bis zur Ökobilanz wurde der vermeintlich »proletarischen« Dose viel nachgesagt.

Für Kenner überwiegt neben der guten Kühlung aber vor alle der klare Vorteil der Dosen: Anders als in grünen Flaschen sind Pils und Co. auch vor UV-Strahlung und somit dem unter Biersommeliers gefürchteten »Lichtgeschmack« geschützt.

Minimalismus bei »Brau-Ton«: Die Hommage auf die Dialekt-Rapper »Attwenger«, ein Collaboration Brew mit Trumer.
© Roland Graf
Minimalismus bei »Brau-Ton«: Die Hommage auf die Dialekt-Rapper »Attwenger«, ein Collaboration Brew mit Trumer.

Psychedelische Craft Beer-Mäntel

Der Verbraucher lässt sich ohnehin nicht beirren. 40% betrug der Anteil der Dose am Gesamtmarkt in der Schweiz, in Österreich waren es rund 30% aller Biere. Und nicht von ungefähr wurde das »16er Blech« ein Synonym für die Erzeugnisse der Wiener Brauerei »Ottakringer«. Daran wird auch das aktuelle Dosen-Pfand wenig ändern.

Die technischen Vorzüge der »Fässer im Kleinformat« sind das Eine, doch die Dosen trugen auch maßgeblich zum Aufstieg von Craft Beer-Brauereien bei. Im Kampf um Aufmerksamkeit stellte die Verpackung eben auch ein Mittel dar, das einige Player erfolgreich einsetzten. Für die walisischen Brauer von »Tiny Rebel« war die Dose ihres Red Ales »Cwtch« etwa mindestens so wichtig im Export wie der Geschmack. Die Aufmachung – »colourful, psychedelic swirls, inspired by the 1960s of the Austin Powers films« – blieb in Erinnerung. Noch deutlicher wird das beim »Gamma Ray«. Das mit reichlich Aromahopfen versehene englische Bier von »Beavertown« erkennt man dank Weltraum-Comic bereits von weitem.

Akzeptanz-Frage: Was kann die »can«?

Längst haben diesen Vorzug auch österreichische Brauereien erkannt. Die größte Erfolgsgeschichte dazu stammt aus Bad Radkersburg. Vasja Golar entschied sich seit in den ersten Tagen seiner Brauerei »Bevog« für die Dose: »Sie passt zu allen Outdoor-Aktivitäten, Parties und Festivals, da sie wenig Platz wegnimmt, praktisch unzerstörbar und schnell gekühlt ist«, sieht er einen Lebensstil mit Craft Beer-Dosen verbunden. In seinem Fall sind es Fantasy-Figuren, die seit 2016 für einen Kontrast zwischen Metall-Gebinde und Phantasie-vollem Design sorgen.

Aber auch ernste Anliegen lassen sich gut auf der Dose transportieren. »Rogue« aus Oregon zeigte es 2022 mit seinem India Pale Ale »F*#K Putin« vor; der Erlös geht an den »Global Giving’s Ukraine Crisis Relief Fund«. Vasja Golar wiederum gab bei »Bevog« vom Aussterben bedrohten Tieren in der Serie »Extinction is forever!« Raum.

Selbst das US-Maß wird kopiert

Mit einem knallbunten Sixpack namens »Tribute to the 70s« traten auch die Kärntner Brauer Alois Planner und Klaus Feistritzer (alias »Loncium«) vor drei Jahren ins Dosenzeitalter ein. Auch nach 90 Jahren Dosen-Geschichte lassen sich hier noch Innovationen setzen, etwa mit einem – für Österreich – neuen Format. Direkt vom US-Markt hat sich Martin Wohlkönig inspirieren lassen, als er vom Banker zum Brauer umsattelte. Das »Braukollektiv Zaunkönig« pflegt nicht nur unkonventionelle Rezepte wie ein »Lavendel-Honig-Weizen«, sondern füllt sie auch in 0,44 Liter-Dosen ab. Schließlich soll man von gutem Bier ja auch genug für einen vierten oder fünften Schluck haben. »Premium-Blech« nennt Wohlkönig seine Abfüllungen. Spätestens da ist aus der US-Erfindung ein echter Wiener geworden!


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Roland Graf
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