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Idylle nahe der Großstadt: die Tenuta di Fiorano am südlichen Stadtrand von Rom.

Idylle nahe der Großstadt: die Tenuta di Fiorano am südlichen Stadtrand von Rom.
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Die ewige Stadt und der Wein: Best of Rom

Rom
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Italien

Im Umland der italienischen Hauptstadt, aber auch im Stadtgebiet selbst, wird beachtlicher Wein angebaut. Perfekt auch für Besucher: Nur 30 Fahrminuten außerhalb des belebten Zentrums kann man sehenswerte Güter besuchen. Genossen wird der Wein in den zahlreichen Restaurants, Trattorien und Weinbars der Ewigen Stadt.

Südlicher Stadtrand von Rom, wir überqueren gerade die Via Appia Antica, die alte Römerstraße, die Rom mit dem Hafen von Brindisi verband. Linker Hand zweigt eine unbefestigte Straße ab, die über Felder, vorbei an Häusern und Ställen führt. Eine Szenerie wie aus einem Film des italienischen Neorealismus, zeitlos. Wir befinden uns auf dem Landgut Tenuta di Fiorano. Principe Alberico Boncompagni Ludovisi, seines Zeichens Angehöriger einer der wichtigsten Adelsfamilien Roms, gründete in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Weingut. Nicht nur: Er zog auch hierher in die Villa, die die klingende Adresse Via Appia Antica 400 trägt. (Diese gehört heute allerdings nicht mehr zur Tenuta di Fiorano, aber dazu später.)

Wie sein berühmter Adelskollege Mario Incisa della Rocchetta (Sassicaia) orientierte sich auch Alberico Boncompagni Ludovisi an den französischen Hochgewächsen und pflanzte hier Cabernet Sauvignon und Merlot bei den Roten sowie Semillon bei den Weißen. Die Weine nannte er schlicht Tenuta di Fiorano Rosso und Tenuta di Fiorano Bianco. Lange blieben sie einem kleinen Kreis von Insidern vorbehalten. Bis in den 70er-Jahren der Doyen der italienischen Weinschreiberzunft, Luigi Veronelli, Fiorano entdeckte. Er lobte den Wein über allen Maßen und klassifizierte ihn als einen der besten Rotweine Italiens. Der Name Fiorano erlangte ab da etwas größere Bekanntschaft, blieb aber doch Geheimtipp.

Idyllisch, aber Urban

Ein großer Teil des Landgutes – neben Wein gibt es hier auch Getreidefelder und Viehzucht – ging an Alessandrojacopo Boncompagni Ludovisi, der Alberico in den letzten Jahren seines Lebens begleitete. Die meisten Weingärten wurden neu angelegt, statt ausschließlich Semillon pflanzte Alessandrojacopo neben Semillon auch Grechetto und Viognier – getreu den Vorgaben von Alberico, der angesichts des Klimawandels meinte, dass diese Sorten nun besser geeignet seien.
Der Fiorano Rosso wird hingegen immer noch in der gleichen Art erzeugt wie unter Alberico: ein beeindruckender, tiefgründiger Rotwein, der erst nach mindestens sechs Jahren Ausbau und Lagerung auf den Markt kommt.

Was nach ländlichem Idyll wirkt, ist eigentlich ziemlich urban. Die Tenuta di Fiorano liegt quasi in Sichtweite des zweitgrößten römischen Flughafens Ciampino, auch der Weg in die Innenstadt ist nicht weit. Es ist aber nicht das einzige Weingut in und rund um die Metropole. Mit DOC Roma kann die Region seit 2011 sogar eine eigene geschützte Herkunftsbezeichnung vorweisen, rund 50 Winzer produzieren jährlich an die zwei Millionen Flaschen Rot- und Weißweine. Und es gibt die traditionellen Weinbauorte um Frascati. Viele Weingüter kann man bequem – mit dem Auto oder Taxi in gut einer halben Stunde erreichbar – von der Stadt aus besuchen. Lohnenswert.

Doch zurück auf die Tenuta di Fiorano, die im Norden von der Bundesstraße begrenzt ist. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht ein schlichtes Eingangstor mit dem Namen Tenuta Principe Alberico. Hoppala, denkt sich da der unwissend Vorbeikommende, was ist das? Des Rätsels Lösung: Alberico Boncompagni Ludovisis Tochter ist mit keinem Geringerem als o Antinori verheiratet. Die drei Antinori-Töchter Albiera, Allegra und Alessia sind also Albericos Enkelinnen. Die Villa und ein Teil des Landgutes gingen daher an die Antinoris und Allegra Antinori führt das Weingut seit 2011 in Eigenregie.

Das Know How kommt aus dem Mutterhaus, verarbeitet wird alles vor Ort in einem aufs Essenzielle reduzierten Weinkeller. Auch hier wurden die Weingärten 2011 neu angelegt, bei Weiß sind das Semillon und die lokale Sorte Malvasia Puntinata, bei Rot Cabernet Sauvignon und Merlot. Der Top-Rotwein nennt sich Alberico Rosso, der sich vielleicht etwas weniger tiefgründig zeigt als sein Pendant von der anderen Straßenseite, aber mit Saftigkeit und Eleganz trumpft. Einen positiven Eindruck hinterlässt der Einstiegsweiße Appia Antica 400, der mit Frische und Salzigkeit trumpft. Die stammt von den vulkanischen Böden.

Ortswechsel an den südlichen Abhang des mächtigen Vulkankraters, der die Castelli Romani und dessen Weinbaugebiete (Frascati, Marino, Rocca dei Papi, Castel Gandolfo) prägt. Unweit von Velletri liegt das Weingut Ômina Romana, das der deutsche Geschäftsmann Thomas Börner zu Beginn des Jahrtausends gründete. 40 Hektar Weinreben, alle auf Vulkanboden. Operativ wird das Weingut von Börners Tochter Katharina geleitet. Ausgepflanzt wurden in erste Linie französische Edelsorten, die in der Regel sortenrein verarbeitet werden. Hervorragend sind Chardonnay und Viognier ebenso wie Cabernet Franc. Eine Spezialität ist der Cesanese d’Affile, eine lokale Rotweinsorten, von dem nur wenige Flaschen erzeugt werden. Ômina Romana ist heute unbestritten das führende Weingut im Umland Roms. Schade, dass so wenige Weingüter nachziehen, sondern sich mit dem schnellen Erfolg begnügen, den Frascati und Co. in den Trattorien und Weinbars Roms finden.

Genussorte

Es gibt in Rom aber auch die edlen Genussorte, in denen Wein eine zentrale Rolle spielt. Einer davon ist das »La Pergola« im »Waldorf Astoria« hoch oben am Monte Mario. Das Restaurant im 9. Stock, gerade erst neu eingerichtet, bietet einen atemberaubenden Rundblick auf die Stadt. Atemberaubend sind auch die Küche und der Weinkeller im 3-Sterne-Haus.

Vor 30 Jahren kam Heinz Beck nach Rom, damals – wie er sagt – völlig unvertraut mit den Eigenheiten und Traditionen des Landes. Heute ist er einer der beliebtesten Chefs der Italiener. Heinz Beck ist selbst ausgebildeter Sommelier und brennt für Wein. Maßgeblich unterstützt in seiner Leidenschaft wird Beck seit vielen Jahren vom überaus sympathischen und kompetenten Head-Sommelier Marco Reitano. In Jahren des akribischen Sammelns haben Beck und Reitano 10 Stockwerke unterhalb des Restaurants einen Weinkeller zusammengetragen, der seines Gleichen sucht.

Mit einer großartigen Weinauswahl glänzen auch die »Enoteca La Torre«, das »Pagliaccio« und das »Convivio Traiani«. Aber auch die einfachen Trattorien »Roscioli» und »Pierluigi« oder die zahlreichen Weinbars sind ein Ort des feinen Weingenusses.


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Othmar Kiem
Othmar Kiem
Direktor Falstaff Italien
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