Digital Detox, Biohacking und Bolognese als Cocktail
Luxus im Appenzellerland? Jan Schoch macht’s möglich. Mit dem «Appenzeller Huus» definiert der Fintech-Pionier Luxus neu – die Krönung ist das «Huus Quell»: ein 5-Sterne-Superior-Haus, das seinesgleichen sucht.
Sanfte Hügel, sattgrüne Wiesen, die markante Silhouette des Alpsteins: Gonten im Appenzellerland ist ein beschaulicher Ort. Wer die Dorfstrasse entlang fährt, vermutet kaum, dass sich hier, mitten im Nirgendwo, eines der spannendsten Hotel-Resorts der Schweiz befindet. «Leonteq»-Gründer Jan Schoch investierte bereits einen dreistelligen Millionenbetrag, um hier ein luxuriöses Hideaway zu formen. Sein «Appenzeller Huus» umfasst drei Hotels: das «Huus Bären» (3-Sterne-Superior), das «Huus Löwen» (4-Sterne-Superior) und das im letzten Herbst eröffnete «Huus Quell» – das erste 5-Sterne-Superior-Hotel im Appenzellerland. Bling-Bling-Destination? Fehlanzeige. Wer hierher kommt, sucht keinen Prunk, sondern Stille und Abgeschiedenheit.
Digital Detox per Knopfdruck
Das «Huus Quell» ist ein Rückzugsort für Menschen, die bewusst reisen. Naturmaterialien dominieren, viel regionales Holz. Die Zimmer besitzen eine Taste, mit der sich das WLAN vollständig deaktivieren lässt. Digital Detox per Knopfdruck. Auf Schochs Bestreben hin wurde das gesamte Haus nach den Prinzipien der chinesischen Lehre abgestimmt. Der Gast soll sich intuitiv wohlfühlen. Konsequent weitergedacht wird dieser Anspruch im Spa-Bereich: Auf 2.200 Quadratmetern verteilen sich neun Pools, acht Saunen und Dampfbäder sowie grosszügige Ruhebereiche und eine schwebende Yogaplattform. Ergänzt wird das Ganze durch moderne Longevity-Elemente wie eine Kryokammer – minus 110 °C zur Entzündungsreduktion und Regeneration – sowie hyperbare Sauerstoffzufuhr in einer Druckkammer. Beide Methoden sind Teil des «L3 Longevity Circle», einem Regenerations- und Biohacking-Programm, das die Gäste gezielt bei Zellregeneration und Vitalität unterstützt.
Radikal regional
Doch so sehr das Hotel auf Wellbeing setzt – asketisch geht es hier keinesfalls zu. Das zeigt sich spätestens an der «Botanicum Bar». Keine klassische Hotelbar mit abgetrennter Theke, sondern eine freistehende Insel. «Ein Tresen trennt Menschen, das wollen wir hier nicht», erläutert der charismatische Barchef Elmir Medunjanin. In ein bis zwei Jahren will man zu den Top 50 Bars der Welt gehören. Medunjanin, zuvor unter anderem im «The Chedi» in Andermatt tätig, hatte bei der Konzeption der Bar eine Carte blanche. Die Philosophie ist klar: «Wir verzichten auf alles, was nicht aus der Schweiz kommt und arbeiten nur mit Sachen, die vor unserer Haustür wachsen.» Keine Zitronen, keine Ananas, keine exotischen Zutaten –Sanddorn statt Zitrusfrüchte, Quitten statt Ananas, Hafermilch statt Kokosmilch. Alle Kreationen sind perfekt ausbalanciert und leben von Leichtigkeit sowie Frische. Die Hälfte der Cocktails von Medunjanin und seinem Team kommt sogar ganz ohne Alkohol aus.
Bolo im Glas?
Ein Drink auf der Karte sorgt ganz besonders für Gesprächsstoff: die flüssige Interpretation einer Spaghetti Bolognese. Basis ist Tomatenwasser, ergänzt um Sherry, Sofrito-Sirup und eine mittels Rotationsverdampfer extrahierte Bolognese-Essenz. Die wolkenförmige Lichtinstallation über der Bar besteht aus unzähligen LEDs, gespeist aus Echtzeit-Wetterdaten von Gonten, gesteuert über KI. Keine Minute ist identisch. Ergänzt wird das Ganze durch ein Soundkonzept, das gemeinsam mit «white mirror studios» und dem britischen Musiker Tom Middleton entwickelt wurde. Naturgeräusche aus der Region verschmelzen mit sich verändernden KI-gesteuerten Klangflächen.
Weintraum auf 350 Quadratmetern
Unterhalb des Resorts erstreckt sich ein weiteres Reich der Sinne: der wahrscheinlich grösste Weinkeller der Schweiz. Sieben Räume mit insgesamt 350 Quadratmeter, werden hier nach der Fertigstellung zur Verfügung stehen. Kellermeister ist Hans Rhyner, der zuvor unter anderem den Weinkeller des Restaurants «Gupf» in Rehetobel aufbaute und diesen über 25 Jahre lang, neben seiner Tätigkeit als «SBB»-Zugführer, betreute. Der Keller im «Appenzeller Huus» ist der 21., den er konzipierte. Zugang erfolgt per Iris-Erkennung – «wie im Pentagon», merkt Rhyner stolz an. Das spektakuläre Herzstück: ein begehbares Eichenfass mit Bodenheizung, das als Private-Dining-Raum für bis zu neun Personen dient. «Die Gäste haben sich immer geärgert, dass sie nicht im Keller essen konnten, weil es zu kalt war», erinnert sich Rhyner.
Insgesamt lagern in den Kellern des Resorts über 20.000 Flaschen, darunter 400 verschiedene Champagner – mit Fokus auf Winzerchampagner kleiner Familienbetriebe. Auch die Schweiz ist mit zahlreichen Top-Crus vertreten. Erhältlich sind die Weine in allen Restaurants des Resorts. Die Weinkarte? Ein gedrucktes Buch, kein Tablet. «95 Prozent der Gäste wollen im Restaurant nicht auf Bildschirme schauen», weiss Rhyner. Digital Detox gehört im «Appenzeller Huus» hier schliesslich zum Konzept.
9108 Gonten
Schweiz