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Gardasee: Die blaue Perle Norditaliens

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Vom glamourösen Hideaway bis zum familienfreundlichen Campingplatz: Der Gardasee vereint Luxus, Abenteuer und kulinarische Schätze. Wer hierherkommt, taucht in eine Landschaft voller Kontraste ein – wo Sehnsüchte und Kindheitserinnerungen lebendig bleiben.

Der Gardasee wurde wegen seines wohltuenden Klimas schon früh als Reiseziel entdeckt. Der Aufstieg in den Olymp der Sehnsuchtsorte aber begann, als die Nachkriegsgesellschaft die Reiselust packte.

Damals waren Flüge noch teurer Luxus und Autos wenige PS stark, die Sehnsucht nach Sonne und Leichtigkeit aber war groß. Und so schoben sich endlose Blechschlangen den Brenner hinauf und wieder hinunter in das verheißungsvolle Land. Um die überhitzten Motoren nicht weiter zu strapazieren, machten viele am Gardasee halt: noch nicht am Meer, aber doch südlich und sonnig; und mit genug Dolce Vita, um sämtliche Sehnsüchte zu stillen.

Enge Kurven, traumhafte Aussicht: Die Strada della Forra ist eine der schönsten Panoramastraßen der Welt – ideal für einen Roadtrip um den See.
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Enge Kurven, traumhafte Aussicht: Die Strada della Forra ist eine der schönsten Panoramastraßen der Welt – ideal für einen Roadtrip um den See.

Die Träume leben fort

Das »Mittelmeer der Alpen« wird der See – mit 370 Quadratkilometern der größte des Landes – manchmal genannt. Die Italiener nennen ihn »Lago dei tedeschi«, den See der Deutschen. »Es ist, als könnten Schwermut und Trauer unter diesem Himmel nicht von Bestand sein«, hieß es 1955 in der »Süddeutschen Zeitung«. »Im Gegenteil: Verlässt man die Autostraße, so ist dem Träumen keine Grenze gesetzt.«

Siebzig Jahre später leben diese Träume fort – an einem Ort, der mit über 25 Millionen Besuchern im Jahr zu den beliebtesten Urlaubszielen Italiens zählt.

Eine bewohnbare Schatzkammer

Im alpinen Norden fallen die Berge steil zum Ufer ab; ganz anders der Süden, wo der See von sanften Hügeln eingerahmt wird. Hier ist das Wasser wärmer, die Vegetation mediterraner und das Leben noch ein wenig süßer. Im Hinterland wachsen Wein und Oliven; dazwischen liegen charmante Ortschaften wie Borghetto di Valeggio, wo es die angeblich besten Tortellini der Welt gibt – und am Ufer prachtvolle Villen mit ebenso prachtvollen Gärten.

Viele dieser einst privaten Anwesen wurden in luxuriöse Hideaways umgewandelt. Zu den schönsten zählt der lachsrote Landsitz der Verlegerdynastie Feltrinelli: eine bewohnbare Schatzkammer, in der die maximal 40 Gäste von doppelt so vielen Servicekräften umsorgt werden.

Ein See, viele Gesichter

Doch der Gardasee kann nicht nur Luxus: Camping, Glamping, familiengeführte Pensionen oder charmante Boutiquehotels haben hier auch ihren Platz. Jeder findet sein Stück vom Glück: Wer »dolce« sucht, bummelt mit Eis in der Hand durch die engen Altstadtgassen oder springt am Jamaica Beach ins türkisfarbene Wasser.

Lust auf Kunst? Im Paradiesgarten von André Heller gibt es exotische Pflanzen und Skulpturen aus aller Welt zu entdecken. Auf der Isola del Garda kann man in der kürzlich neu eröffneten Cavazza-Familien­villa in Pracht und Geschichte baden; Sportler erklimmen die steilen Felshänge am Nordufer, wagen sich aufs Wasser oder erkunden das Hinterland mit dem Rad. 2026 soll die Ciclopista del Garda fertiggestellt werden, die auf über 160 Kilometern um den See führt. Das Projekt ist baulich herausfordernd und umstritten – wie alle beliebten Urlaubsregionen sucht der Gardasee die Balance zwischen Fortschritt und Bewahrung. Im Juni dieses Jahres wurde das nördlich angrenzende Garda Trentino vom Global Sustainable Tourism Council als nachhaltige Urlaubs­destination ausgezeichnet. Ziel: ein verantwortungsvoller Tourismus, der Naturschutz, Mobilität und Kulturerbe zu einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept vereint.

»Trotz aller Freude gibt der Tourismus Anlass zur Besorgnis«, meint Flavio Turri, der am Gardasee als Sohn von Ölproduzenten aufwuchs. Er träumt von einem Naturpark rund um den See mit Regeln gegen ungezügelte Bebauung und empfiehlt, das Hinterland zu erkunden, wo es mit zunehmenden Höhen- und Kilometern immer ruhiger wird. Turris Eltern sind Anfang der 60er-Jahre an den See gezogen – der Sohn erinnert sich noch an die ersten Urlauber aus dem Norden, die als Mitbringsel manchmal ein paar Flaschen des für sie fremden Öls in den Kofferraum luden. »Olivenöl, vor allem extra vergine, war in Nordeuropa völlig unbekannt«, so Turri. 1988 gründeten seine Eltern am See das landesweit erste ­Olivenölmuseum. Heute umfasst es mehr als 450 historische Ausstellungsstücke und wird von Gästen aus aller Welt besucht.

Von Bigoli bis Valpolicella

Natürlich kommen Besucher auch wegen der kulina­rischen Vielfalt an den See: für Bigoli mit Sardinen, frischen Hecht, Öl aus Casaliva-Oliven; und natürlich für Lugana, Bardolino und Valpolicella, mit denen Generationen von Weintrinkern zu Weingenießern wurden. Immer mehr Weingüter setzen auf nachhaltigen Anbau. »Unsere Weinberge sind wie Kinder«, meint Familie Zordan, die am Südufer das Weingut »Cascina Maddalena« führt, »wir lauschen jedem ihrer Geräusche, wir beobachten – genau, wie man es in der Familie tut.«

Madonna della Corona: Die berühmte Wallfahrtskirche auf dem Monte Baldo in Spiazzi wurde zum Teil in den Fels gebaut.
Foto bereitgestellt
Madonna della Corona: Die berühmte Wallfahrtskirche auf dem Monte Baldo in Spiazzi wurde zum Teil in den Fels gebaut.

Um ihre Leidenschaft zu teilen, bieten immer mehr Winzer neben Keller­besichtigungen auch Events wie Kochkurse oder Food-Pairing-Verkostungen an. Mit dem kulinarischen Anspruch der Besucher stieg auch das Angebot an gehobenen Restaurants – 20 mit Stern ausgezeichnete Lokale gibt es rund um den See, darunter kulinarische Institutionen, die seit Jahrzehnten Gäste beglücken, und junge Freigeister, die Traditionen nur zu gerne über den Haufen werfen.

Auf Wiedersehen

Der See ist wie ein alter Bekannter: Schließlich ist man zusammen aufgewachsen. Es gibt die Eisdiele, in der man schon mit den Großeltern Gelato schleckte, und die Pension mit den Zitronen­bäumen im Garten, wo man als Kind mit den heutigen Besitzern spielte. Doch mit den Jahren hat sich auch der vertraute Bekannte weiterentwickelt: Er macht jetzt ausgefallenes Eis aus frischen Bio-Zutaten und verwöhnt Gäste in mondänen Wellnessanlagen.

Eines aber wird sich wohl nie ändern: die Sehnsucht nach diesem See – und die kindliche Freude, die jedes Wiedersehen begleitet.

Gardasee-Facts

Der größte See Italiens grenzt an die Regionen Trentino-Südtirol, Venetien und Lombardei. Er hat schon Goethe mit seiner außergewöhnlichen Schönheit in den Bann gezogen. Das milde Klima, die einzigartige, wie gemalt wirkende alpin-mediterrane Landschaft, die reizvollen Orte mit prachtvollen Bauten, die zum stundenlangen Flanieren einladen, Köstlichkeiten von Gelato bis Pasta und das herrliche Gefühl von Dolce Vita – all das und noch viel mehr macht den Gardasee zum Sehnsuchtsort par excellence. Die stolzen Besucherzahlen belegen das ungebrochene Interesse. Viele sind mit dem See praktisch aufgewachsen und pilgern regelmäßig zum Reiseziel ihres Herzens.

 


Erschienen in
Falstaff TRAVEL Magazin 03/2025

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Verena Carola Mayer
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