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© Pandora Film / Laurent Le Crab.

»Könige des Sommers«: Der Comté seines Lebens

Film
Interview
Käse
Frankreich

Geht es um Käse oder ums Erwachsenwerden? Ein französischer Film verknüpft die Kunst der Käseherstellung mit der Selbstfindung eines jungen Mannes – und zeigt, dass Comté mehr als eine Delikatesse ist.

Frankreich ist zwar weltweit für seine Käsesorten berühmt, doch Filme, die sich der Kunst der Käseherstellung widmen, gibt es überraschend wenige. »Könige des Sommers«, das beeindruckende Langfilmdebüt der französischen Regisseurin Louise Courvoisier, füllt diese Lücke nun auf wunderbare Weise. Doch die Geschichte als eine nur über Käse, abzustempeln, wird ihr keineswegs gerecht.

»Der Comté ist nur der Kontext«, erklärt die 30-jährige Regisseurin im Gespräch mit Falstaff. Dennoch war die Entscheidung, die Erzählung um den symbolträchtigen Käse aus dem Juragebirge zu weben, von Anfang an die Grundidee. Courvoisier verbindet die Kunst der Comté-Herstellung mit einer sensiblen Coming-of-Age-Geschichte, die tief in der Region Bourgogne-Franche-Comté verwurzelt ist – sowohl ihrer eigenen Heimat als auch der des berühmten Hartkäses.

Erzählerisches Werkzeug

»In meinem Dorf gab es einen Konflikt, der sich in den 1950er-Jahren ereignete, bei dem sich zwei Käsereien so sehr verfeindeten, dass die Feindschaft über Generationen hinweg bestand. Niemand wusste mehr genau, warum, aber es war klar, dass sie sich hassten – wegen des Käses. Das war der Ausgangspunkt«, erzählt Courvoisier. »Käse spielt in meiner Heimat eine zentrale Rolle, und ich wollte den Comté als erzählerisches Werkzeug nutzen.«

Im Mittelpunkt von »Könige des Sommers« steht dafür der 18-jährige Totone (gespielt von Clément Favreau), ein typischer Heranwachsender auf dem französischen Land, dessen Leben von Dorfpartys, Alkohol, Zigaretten und ersten Romanzen geprägt ist. Doch das unbeschwerte Leben endet abrupt, als sein Vater stirbt und Totone plötzlich die Verantwortung für den heruntergewirtschafteten Hof und seine siebenjährige Schwester Claire (Luna Garret) übernehmen muss.

»Es geht nicht um den Käse«

Nun hat ihm sein Vater weder Geld noch das Geheimrezept für einen guten Comté hinterlassen, das ihm dabei helfen könnte 30.000 Euro Siegerprämie für den besten Käse der Region zu gewinnen. Mithilfe seiner Freunde macht er sich also selbst an die Arbeit. Am Ende wird die Suche nach dem Geheimnis eines guten Comtés auch zu einer Suche nach sich selbst – und der Käse zum Symbol für Totones persönliches Wachstum.

Für Louise Courvoisier war von Anfang an klar, dass der Film die Authentizität der Region und des Lebens im ländlichen Frankreich widerspiegeln musste, wie sie es selbst kennt. Der Käse spiele dabei eine wichtige Rolle, da er die Geschichten der Menschen präge, die ihn herstellen. Aber: »Es geht nicht um den Käse, es geht um die Menschen, die ihn machen. Sie stecken ihre ganze Seele in diesen Käse«, sagt Courvoisier.

Wie ein guter Käse

Genau das erlebt man als Zuschauer auch um Film: Nicht der Käse, sondern Totone und seine Freunde stehen im Mittelpunkt. Von der Beschaffung der Milch, die mit vereinten Kräften in den großen Kupferkessel gefüllt wird, das Hinzufügen des Labs, wodurch die Milch gerinnt oder das Zerteilen mit der Käseharfe. Der Fokus liegt immer auf den Menschen und ihren Handgriffen, nicht auf dem Comté selbst.

 

© Pandora Film / Laurent Le Crab

Und dennoch verhilft der Film dem französischen Käse zu einer völlig neuen, internationalen Bühne – ungeplant, wie Courvoisier betont. »Könige des Sommers« feierte 2024 seine Premiere in der Reihe »Un Certain Regard« bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und wurde dort mit dem »Prix de la Jeunesse« ausgezeichnet. Erst nach der Fertigstellung des Films trat das »Comité Interprofessionnel de Gestion du Comté« an die Regisseurin heran, um die Promotion zu unterstützen. Das Engagement ging sogar so weit, dass bei Kinopremieren in Frankreich Comté in den Sälen serviert wurde.

Vielleicht wollte man so verhindern, dass der Käse, wie es am Ende des Films beinahe geschieht, wieder in Vergessenheit gerät. »Der Gewinn des Wettbewerbs war nie eine Option, es wäre nicht realistisch gewesen«, weiß Courvoisier. Dennoch wollte sie ein positives Ende schaffen, das Hoffnung gibt. So braucht ein Comté nämlich vor allem eins: Zeit. Und das trifft auch auf Totone und seine Freunde zu, der Käse wird so zur Metapher des Erwachsenwerdens – und erinnert die Zuschauer daran, dass echte Veränderung und persönliches Wachstum wie ein guter Käse reifen müssen – langsam, aber lohnend.

 

Der offizielle Kinostart ist in Deutschland am 6. Februar 2025.


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Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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