Die drei Jungweine wurden zur Verkostung in Reagenzglas-ähnlichen Containern zugesandt.

Die drei Jungweine wurden zur Verkostung in Reagenzglas-ähnlichen Containern zugesandt.
© Ulrich Sautter

Nicolás Catena Zapata: stilistische Neuausrichtung

Der Flaggschiff der argentinischen Bodega fokussiert (noch) schärfer. Falstaff verkostete die drei roten Jungweine.

Richard Gordon, Exportmanager der Bodega Catena Zapata und Haus-Önologe Fernando Buscema waren sichtlich stolz, dieses Jahrgangs-Trio zu präsentieren: die Jahrgänge 2015, 2016 und 2017 des über den Place de Bordeaux vertriebenen Flaggschiffs »Nicolás Catena Zapata«. Der visionäre Firmenlenker hatte in den neunziger Jahren kühle Höhenlagen mit einer Rebgenetik bepflanzt, die aus uralten wurzelecht gepflanzten Weinbergen in eigenem Besitz stammte.

Der Wein stammt von Cabernet Sauvignon- und Malbec-Spielarten, die im Herkunftsland Frankreich den state of the art des Jahres 1850 repräsentierten. Damals hatte ein französischer Berater die Rebgenetik nach Argentinien gebracht. In Frankreich selbst sind die entsprechenden Biotypen inzwischen längst verloren gegangen, was vor allem die Winzer aus Cahors beim Malbec sehr bedauern.

Lafite als wichtiger Einfluss

Schon alleine diese Geschichte, diese genetische Zeitreise, verschafft dem »Nicolás Catena Zapata« besonderes Flair. Bereits in den letzten 20 Jahren galt der für etwa 70 Euro im Laden stehende Wein als Referenz für einen Grand Vin aus Argentinien, von Robert Parker wurde der »Nicolás Catena Zapata« gar mit Château Lafite verglichen. Und in der Tat nennt der neue Chef-Önologe des Weinguts Fernando Buscema Lafite auch als einen seiner wichtigsten Einflüsse. 

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Fast eine Dekade lang war Buscema als technischer Direktor für die Bodegas Caro zuständig, das joint venture von Catena Zapata und Château Lafite. »Von meinen Kollegen auf Lafite habe ich gelernt, dass man beim Blend nur die Weine verwendet, die zueinander passen. Und der Blend soll auch nicht den Weinmacher widerspiegeln.«

Cabernet franc als glückliche Notlösung

Die drei Jungweine konnte Falstaff im Rahmen eines Videocalls mit dem argentinischen Team verkosten, dafür hatte die Bodega eine Box mit drei Reagenzglas-ähnlichen Containern zugesandt. Die Probe zeigte den geradezu europäisch-klassichen Stil des »Nicolás Catena Zapata« in allen drei Jahrgängen. Nicht zuletzt wurde aber auch deutlich, dass sich zwischen 2015 und 2016 – dem ersten Jahrgang von Fernando Buscema als Weinmacher von »Nicolás Catena Zapata« – eine stilistische Akzentverschiebung abgespielt hat.

Auf dem Papier wird das deutlich dadurch, dass zum ersten Mal neben Cabernet Sauvignon und Malbec auch ein Anteil Cabernet Franc den Weg in die Assemblage gefunden hat. »Mein Debüt«, sagt Fernando Buscema, »oh boy! Das war in unserer Region der regnerischste und kälteste Jahrgang seit langer Zeit.«

Im Videocall wurden die drei Jungweine mit dem argentinischen Team verkostet.
© Ulrich Sautter
Im Videocall wurden die drei Jungweine mit dem argentinischen Team verkostet.

Der Hinzunahme des Cabernet franc war ein kleineres Unglück vorausgegangen: » In einer guten Cabernet Sauvignon Parzelle dachte ich am Freitag in der Lese, das wird am Montag noch besser sein. Aber dann regnete es ohne Unterlass, und am Montag waren die Trauben verfault.« Der ersatzweise hinzugenommene Cabernet franc erwies sich als Glücksgriff: So salzig und elegant wie im Jahrgang 2016 hat man den »Nicolás Catena Zapata« noch selten erlebt.

Auch den Jahrgang 2017 hat Buscema mit acht Prozent Cabernet franc gewürzt. Zudem sucht er jetzt noch intensiver, als es schon bislang der Fall war, nach Trauben aus kühleren Weinbergen. Kein stilistisches Erdbeben, aber eine feine Akzentverschiebung, die Argentiniens internationalem Superstar den Weg in die Zukunft weist.

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Die Weine »Nicolás Catena Zapata«

2017 »Nicolás Catena Zapata« Mendoza, Argentinien:

Pflaume, Minze, Blaubeere. Dezentes Holz. Sehr feines Tannin, mehlig mit gutem Druck, nahtlos integrierte Säure, spät angreifende, aber dann sehr feste taktile Mineralität. Der Abgang webt Gerbstoff und taktile Mineralität zusammen, der Wein endet kompakt und pointiert.
96 Punkte.

2016 »Nicolás Catena Zapata« Mendoza, Argentinien:

Brombeere, Heidelbeere, etwas Nougat, florale Töne. Im Mund extrem elegant, aber zugleich dicht, salzig, straff und kompakt, kein Gramm Fett zuviel, fast pikant wirkend in seiner schlanken Verdichtung, wirkt noch sehr jung, mit ausgezeichneter Länge.
96 Punkte.

2015 »Nicolás Catena Zapata« Mendoza, Argentinien:

Waldhimbeere im Duft, im Mund ein ausladender, getragener Weichteil, kräftiger Alkohol, mehliger, mittelgewichtiger Gerbstoff, eher milde Säure, dominant geschmeidiger Eindruck mit leichter Süße in der Frucht.
94 Punkte.

Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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