ProWein 2025: Flutlicht-Stimmung und La Ola am Falstaff-Stand
Auf Düsseldorfs Messe ProWein lud die Wein-Redaktion zu vergnüglichen (und genussreichen) Wein-Länderspielen.
Italien – Deutschland 5:5
Die Messe war gerade zwei Stunden geöffnet, da pfiff Schiedsrichter Gerhard Retter am Sonntagvormittag um 11 Uhr einen Klassiker an, der in den nächsten Tagen auch wieder die «echte» Fussballwelt elektrisieren wird: Beim Aufeinandertreffen von Italien und Deutschland am Falstaff-Stand ging es indes weder um Catenaccio noch um Pressing und Gegenpressing: Die 30 Besucherinnen und Besucher in der bis auf den letzten Platz besetzten Falstaff Tasting Lounge erhielten jeweils ein italienisch-deutsches Weinpärchen ins Glas, und hatten dann die schwere Aufgabe, in einer Abstimmung durch Handzeichen darüber zu entscheiden, welche Länderauswahl den Punkt bekam. Das Match entwickelte sich spannend: Nach Schaum- und Weißweinen führte das vom Schreibenden gecoachte deutsche Team mit 3:2, wobei Italien-Teamchef Othmar Kiem die Treffer seiner Schützlinge Franciacorta Millesimato 2016 von Monterossa und 2023er Furore Bianco Costa d’Amalfi bejubeln konnte. Die deutschen Punkte erzielten Rieslinge vom Staatsweingut Karlsruhe und von Baron Knyphausen sowie der Goldene Wagen Traminer von Friedrich Aust aus Radebeul. Beim Rosé-Pärchen stellte der Aurea Gran Rosé von Frescobaldi auf 3:3. Mit seinem Basis-Lemberger «Kalk & Ton» brachte Moritz Haidle das deutsche Team erneut in Führung, doch das letzte Rotwein-Paar entschied der 2019er Monteverro aus der Maremma und somit Italien für sich. Der Endstand lautete also: 5:5.
Schweiz – Frankreich 5:1
Die zweite Partie des Tages brachte am Nachmittag eine Neuauflage des Achtelfinal-Matches aus der Fussball-EM 2021, als die Schweiz sensationell den damals amtierenden Weltmeister Frankreich aus dem Turnier werfen konnte. Beim Wein-Länderspiel am Falstaff-Stand benötigten die Eidgenossen indes nicht einmal Verlängerung und Elfmeterschießen: Am Ende stand ein überdeutliches 5:1 auf dem Spielbericht von Schiedsrichter Gerhard Retter. Gleich fünf Talente, die Schweiz-Coach Benjamin Herzog aufs Spielfeld geschickt hatte, trafen: der Brut Nature aus dem Graubündner Weingut Obrecht, der Rosé der Frères Dutruy (Waadt), die Petite Arvine «Vin de l’Assassin» aus dem Walliser Weingut von Alex Staufer, der Gamaret der Waadtländer Genossenschaft «Cave de la Côte», und schließlich der Tessiner Kult-Merlot »Trentasei« von Gialdi Vini. Der Ehrentreffer für die Grande Nation gelang dem Rully Premier Cru Meix Cadot aus der Domaine Roland Sounit. Am Ende gab es großen Applaus für das international nach wie vor weitgehend unbekannte Weinland Schweiz. «Wenn die Schweizer nur nicht so große Egoisten wären», seufzte Schiedsrichter Retter – einst Sommelier bei Frédy Girardet in Lausanne und daher selbst Schweiz-Kenner –, «die trinken ja alles selber».
Österreich – Deutschland 5:5
Am Vormittag des zweiten Turniertages flirrte die Luft in der Tasting Lounge: Das Duell hieß nun Österreich gegen Deutschland, gepfiffen vom neutralen Schweizer Referee Benjamin Herzog. Und das Match hielt alle Versprechungen: Nach einem Treffer für Austria durch den Blanc de Blancs Große Reserve Sekt des Weinguts Malat und den Ausgleich durch den Gutsriesling des Weinguts Dönnhoff brachten der Grüne Veltliner Kreuzberg vom Weingut Frischengruber und der 100-Punkte-Riesling 2021 Ried Schütt von Emmerich Knoll Österreich mit 3:1 in Führung. Das deutsche Team jedoch zeigte herausragende Comeback-Qualitäten: Der 2018er Riesling »Milestone« des Rheingauer Weinguts Querbach verkürzte, Erwin Sabathis Pössnitzberg Chardonnay stellte den Zwei-Punkte-Abstand wieder her, dann folgte ein extrem enges Duell zwischen Pia Strehns die Frucht betonende Rosé «Der Elefant im Porzellanladen» und dem gereiften Rosé «Chaiselongue» aus dem Kaiserstühler Weinhaus Schumann, das der aus der Magnumflasche ausgeschenkte deutsche Rosé knapp für sich entscheiden konnte. August Kesselers Basis-Rotwein «Daily August» stellte schließlich auf Gleichstand. Nun mussten die Prestige-Rotweine entscheiden: Johannes Landerer brachte mit seinem Oberrotweiler Eichberg Spätburgunder das deutsche Team erstmals im ganzen Match in Führung, doch Österreich konnte in letzter Minute zum Endstand von 5:5 ausgleichen, der viel umjubelte Torschütze war der Blaufränkisch Jois 2022 aus dem Weingut Scheiblhofer.
Österreich – Weltauswahl 7:4
Team Austria lief am Messemontag gleich noch ein zweites Mal auf: Und in dieser Partie gegen eine Weltauswahl waren die Österreichischen Wein-Spieler turmhoch überlegen: Beim 7:4 erzielten zwei Rote Veltliner die ersten österreichischen Treffer: der Wein der Lage Fels aus dem Weingut Leth und der Steinberg 1ÖTW von Josef Fritz. Treffsicher folgten die «Tausendweiß» Cuvée vom Weinberghof Fritsch, der Grüne Veltliner Smaragd Achleiten aus der Domäne Wachau, der Ried Heiligenstein Riesling von Birgit Eichinger, der Rosé «Seerose» von Pia Strehn, sowie der Golser Sankt Laurent aus dem Weingut Juris. Für die Weltauswahl waren erfolgreich: der Reichsrat von Buhl Blanc de Blancs Réserve Sekt aus der Pfalz, der feinherbe Gutsriesling aus dem Weingut Dönnhoff, der Rosé «Rendezvouz mit Rosamunde» aus dem Nahe-Weingut Christian Bamberger, und der 2010er (!) Madiran der Genossenschaft Plaimont aus Südwestfrankreich.
Die Elf der Messe – und der Spieler des Turniers
Den Montagnachmittag beschloss ein abschließendes Schaulaufen der elf Spieler der Messe: Dafür hatte die Falstaff-Redaktion die am meisten gefeierten Weine der vier Ländermatsches ausgewählt und durch einige «lucky loser» ergänzt: Weine, die in ihrem Match nur ganz knapp unterlegen waren. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wurden anschließend gebeten, den Wein auszuwählen, den sie mit auf die einsame Insel nehmen würden.
Zum Spieler des Turnieres wurde dabei der mit 100 Falstaff-Punkten ausgezeichnete, furios mineralische Riesling aus der Riede Schütt zu Dürnstein, Jahrgang 2021, aus dem Weingut Emmerich Knoll gewählt. Acht Hände erhoben sich für diesen Wein. Zwei Weine teilten sich mit jeweils fünf Stimmen Platz zwei: Der 2023 Traminer Goldener Wagen von Friedrich Aust (Gerhard Retter: «feinstes Florett») aus Radebeul in Sachsen – und die eindringlich fruchtgetragene Lokalsorte Petit Arvine von Les Vins de l’A aus Ollon im Wallis.
Auch der vierte Platz wurde zweimal vergeben: Das tiefgründige und dabei so elegante 2022er Lemberger GG Neipperger Schlossberg aus dem Weingut Graf Neipperg und der unendlich potenzialreich wirkende, nahe der Perfektion vinifizierte 2019er Monteverro Toscana IGT erhielten je zwei Stimmen. Auf Platz sechs mit je einer Stimme landeten drei Weine: der packend dichte und dabei Bergwein-Anmutung ausstrahlende Tessiner Merlot «Trentasei» von Gialdi Vini sowie zwei grundverschiedene, aber jeweils für sich faszinierende Roséweine – nämlich der pastellfarbene, eine Frucht voller Delikatesse exponierende Bordeaux Rosé «Lion and The Lily» 2024 aus der im Blayais ansäßigen Genossenschaft Tutiac, und der mit vergleichsweise kräftiger Farbe ausgestattete, aus Magnumflaschen ausgeschenkte 2020er Spätburgunder Rosé des Weinhauses Bettina Schumann, der mit deutlichen Gerbstoffen und komplexer Würze die weinigen und dennoch fröhlichen Seiten des rosafarbenen Genres ins Glas brachte. Ohne Stimme im Finaldurchgang, aber nicht ohne großen Applaus bleiben drei weitere Stars aus den Länderspielen: der Grüne Veltliner Smaragd Achleiten, Jahrgang 2023, aus der Domäne Wachau, der «Milestone» Riesling Oestrich Doosberg 2018 von Peter Querbach, und die Cuvée «Anna-Christina» des Jahrgangs 2021, Ried Bärnreiser aus dem Weingut Netzl.