Taste the Terroir – Niederösterreich zwischen Weite und Wandel
Weinviertel, Kamptal, Traisental – Landschaften, die man nicht nur mit den Augen wahrnimmt, sondern mit jedem Schluck schmeckt. Hier geben inspirierende Persönlichkeiten dem Terroir eine neue Deutung. Wir haben drei von ihnen besucht und erfahren, wie viel frische Energie durch diese Regionen weht.
Weite und neue Stimmen
Das Weinviertel wird für seine Weitläufigkeit und Ruhe geliebt. Niederösterreich ist ein Bundesland, das man nicht nur sehen, sondern tatsächlich schmecken kann. Wer hierherkommt, entdeckt bunt gemischte Generationen, die mit Leidenschaft, Mut und Offenheit den Wein neu denken.
Kamptal: Vom Fels und vom Boden
Im Kamptal liegt das «Weingut Eichinger», eingebettet unter dem markanten Heiligenstein. Dort entstehen Rieslinge mit Klarheit, fein strukturiert und dennoch unmittelbar zugänglich. Gemeinsam mit ihrer Mutter Birgit gestaltet Gloria Eichinger Wein im Dialog mit Natur und Tradition. Der Anspruch: Wein, der Freude macht, unkompliziert und dabei dennoch im Gedächtnis bleibt. Als eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Weinguts zeigt sie, wie inspirierend weibliche Perspektiven die Branche bereichern. Für sie ist Nachhaltigkeit mehr als ein Schlagwort – es ist Verantwortung:
Nachhaltigkeit bedeutet Verantwortung zu übernehmen – nicht nur in den Weingärten, sondern auch in den sozialen Aspekten.
Gloria Eichinger vom «Weingut Eichinger»
Traisental: Kulinarik als Tonträger des Terroirs
Wie schmeckt all das am Teller? Im «Gasthaus Nährer»von Gastgeber und Koch Mike Nährer in Rassing im Traisental findet sich die Antwort. Er arbeitet mit Wels, Paradeisern, Schwammerln und allem, was die Region bietet. Daraus entstehen Gerichte, die das Terroir spürbar machen. Für ihn ist das Spannende: Hier steckt noch viel zu entdecken und Tradition verliert nie ihre Relevanz. Küche und Wein verschmelzen zu einem Ganzen.
Südöstliches Weinviertel: Dynamik in der Biodynamik
Ein paar Kilometer weiter, im südöstlichsten Winkel des Weinviertels, begegnen wir Herbert Zillinger. Dieser setzt gemeinsam mit seiner Frau Carmen in ihrem Betrieb, dem «Weingut Zillinger» auf biodynamische Bewirtschaftung – ein mutiger Schritt, der gleichermassen Haltung wie Verantwortung ausdrückt. Ihre Philosophie spiegelt sich deutlich in den Weinen: klar, puristisch, voller Energie. Der Boden, die Natur, der Mensch – alles wird in Beziehung gesetzt. Und das spürt man in jeder Flasche. Er betont vor allem die Bedeutung des Weinanbau für die jüngere Generation: »Junge Winzer:innen des Weinviertels haben den Vorteil, dass sie in den meisten Fällen keine Konventionen bedienen müssen, dadurch kann auch sehr viel Spannendes Neues entstehen«.
Ein richtig guter Wein muss Gänsehautgefühl auslösen. [...] Es gibt für uns nichts Schöneres, als ein gemütliches Abendessen mit Freunden, wo man einfach gut trinkt und gut isst und in den Abend hineinfeiert.
Herbert Zillinger vom «Weingut Zillinger»
Niederösterreich zwischen Idylle und Impuls
Wer diese Regionen bereist, trifft auf mehr als weitläufige Landschaften. Es sind Orte, an denen Natur, Handwerk und Lebensfreude zusammenfinden. Ob bei einer Radtour durch die Weingärten, einem Picknick in der Sonne oder bei einer Verkostung direkt bei den Winzer:innen – hier geht es vor allem darum, offen für Neues zu sein und die Freude am Wein zu teilen.