Wein aus dem Weltraum? Texas schickt Traubenkerne zur ISS
Die Traubenkerne, die zur Internationalen Raumstation transportiert werden, könnten dazu dienen, den weltweit ersten Wein aus Reben herzustellen, die nach einer Bestrahlung durch kosmische Strahlung angebaut wurden. Ziel ist es widerstandsfähigere und anpassungsfähigere Pflanzen zu entwickeln.
Forschende von Texas A&M AgriLife senden Hunderte von Traubenkernen zur Internationalen Raumstation, wo sie etwa sechs Monate lang kosmischer Strahlung ausgesetzt sein werden, bevor sie zur Anpflanzung und Untersuchung zur Erde zurückkehren. Das Projekt könnte nach Ansicht der Forschenden den ersten Wein hervorbringen, der aus Trauben hergestellt wird, deren Kerne den Weltraum durchquert haben.
Die Forschenden entwickelten für die Mission einen speziellen Träger, der die Traubenkerne in die Umlaufbahn befördern soll, wo eine längere Einwirkung von Weltraumstrahlung genetische Mutationen auslösen könnte. Ohne den Schutz und die Abschirmung durch den Träger, würde die Strahlenbelastung die Kerne wahrscheinlich unlebensfähig machen.
Von der Umlaufbahn in den Weinberg
Nach der Rückkehr der Samen zur Erde sollen sie neben identischen Kontrollsamen im Weinberg von AgriLife Research auf der Thomas Ranch in Texas gepflanzt werden. Wissenschaftler:innen werden dann die Unterschiede im Pflanzenwachstum, in der Leistung der Rebstöcke und der Weintrauben sowie in der Genetik untersuchen.
»Die Forschung wird uns helfen zu verstehen, wie sich unterschiedliche Strahlungsintensitäten auf die Samen und deren sortenspezifische genetische Expression auswirken, sobald wir sie anbauen. Aber es ist auch etwas ganz Neues, dass wir in einigen Jahren möglicherweise Wein aus Samen abfüllen werden, die die Erde verlassen haben«, so Justin Scheiner, Weinbauspezialist bei AgriLife Extension und Professor am Fachbereich Gartenbauwissenschaften der Texas A&M University.
Erforschung von Pflanzenresilienz und Genetik
Der Fokus des Projekts liegt darauf, widerstandsfähigere, anpassungsfähigere und ertragreichere Pflanzen zu »entwickeln«. Dieses Wissen könnte sowohl zukünftigen Weltraummissionen als auch dem Pflanzenanbau auf der Erde zugutekommen. Nach der Rückkehr der Samen aus dem Orbit, wird das Team die Pflanzen auf spezifische strahleninduzierte Mutationen untersuchen.
»Aus wissenschaftlicher Sicht möchten wir untersuchen, wie sich der Aufenthalt im Weltraum auf die Sorten auswirken könnte. Für den Weinliebhaber wäre es sehr interessant, wenn diese Samen eine zufällige positive Mutation aufweisen würden, die den Ursprung einer neuen Rebsorte darstellt«, so Scheiner. In vier bis fünf Jahren rechnet das Forschungsteam damit, dass die Reben Früchte tragen.
Die Rolle des Gartenbaus bei der Weltraumforschung – sei es zur Produktion von Nahrungsmitteln oder Sauerstoff oder als Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden der Astronauten – beflügelt die Fantasie, aber Pflanzen werden eine Notwendigkeit sein, und das ist für uns spannend. Dieses Projekt verbindet die Vergangenheit und die Zukunft der Gartenbauwissenschaften und zeigt, wie unsere Forschung nicht nur die Erzeuger hier und jetzt beeinflussen, sondern auch der Menschheit helfen kann, nach den Sternen zu greifen – und dort ebenfalls Wurzeln zu schlagen.
– Amit Dhingra, Abteilungsleiter und Professor für integrierte Systemgenomik und translationale Biotechnologie