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Warum Costa Rica auf jede Reiseliste gehört

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Das grüne Paradies Zentralamerikas fasziniert mit ursprünglicher Natur, artenreicher Wildnis, der Begegnung mit dem Unbekannten – ergänzt durch erstklassige Eco-Lodges und endlose Traumstrände. Trotz aller Herausforderungen zeigt Costa Rica, wie Ökotourismus und ein neues Verständnis von Luxus zusammenfinden.

Wenn der Tag in den Tropen endet, fällt die Dunkelheit über das Land wie ein pechschwarzes Tuch. Man kann die Hand vor den Augen nicht erkennen, aber den ­Regenwald hören, der einen umgibt. Sirrend, summend, dröhnend – wie ein mächtiger Organismus. Guide Ariel Rodríguez Rojas führt seine Gruppe an diesem Abend in das Refugio Nacional Gandoca-Manzanillo, ein Naturschutzgebiet an der Karibikküste Costa Ricas, nahe der Grenze zu Panama.

DIE MYSTIK DES UNBEKANNTEN

Leicht fröstelnd folgt die Gruppe Ariel durch den Wald, mit Taschenlampen und Stöcken, wegen Giftschlangen wie der Terciopelo-Lanzenotter. »Wenn sie dich beißt, ist der Urlaub vorbei«, sagt Ariel. Plötzlich hält der Naturführer an, stellt sein Spektiv auf und richtet es auf einen Punkt am Boden einige Meter entfernt. Alle schauen durch das Vergrößerungsglas und sehen eine Vogelspinne, die aus ­ihrem Erdloch gekrochen ist. Unglaublich! Wie hat er das Tier erspäht? »Man muss jahrelang regelmäßig unterwegs sein und sich Orte einprägen«, sagt Ariel. Für andere Beobachtungen ist es entscheidend, so leise wie möglich zu sein. Dann hört man Tiere wie den Rotaugen-­Laubfrosch, das wohl bekannteste Symbol für ­Costa Ricas Natur. Ariel hat den Frosch auf einem Stamm ­neben dem Pfad entdeckt.

Ein Rotaugenlaubfrosch, typisch für Costa Rica
© MB Photography/Getty Images
Ein Rotaugenlaubfrosch, typisch für Costa Rica

Zur Ruhe kommen und die intakte Natur mit allen Sinnen ­aufnehmen, ohne auf allzu viele Annehmlichkeiten ­verzichten zu müssen – wohl kein anderes tropisches Reiseziel bietet dafür so hervorragende ­Voraussetzungen wie Costa Rica.

Intakte Natur

Rund 60 Prozent des mittelamerikanischen Landes sind von Wald bedeckt. Nach Phasen der Abholzung waren es 1987 nur etwa 21 Prozent. In den folgenden Jahrzehnten setzte ein Kurswechsel ein: Durch neue Umweltgesetze, Schutzprogramme, veränderte Landnutzung und gezielte Wiederbewaldung wurden große Flächen renaturiert. Heute steht rund ein Drittel des Landes unter Schutz – und damit Lebensräume für ­zahlreiche Tiere und Pflanzen. Costa Rica macht nur 0,03 Prozent der Landfläche der Erde aus, beheimatet jedoch rund sechs Prozent aller Arten – fast eine halbe Million! Die Artendichte ist um ein Vielfaches höher als zum Beispiel in Brasilien mit dem Amazonas.

© Jannis Hagels/Mauritius Images

Der verwunschene Nebelwald von Monteverde lädt zu geführten Exkursionen, Hängebrücken-Touren und Vogelbeobachtungen ein. Rund um den Vulkan Arenal im gebirgigen Inland kann man durch tropischen ­Bergwald und über erkaltete Lavafelder spazieren. Der Ort La Fortuna ist für seine Thermalquellen bekannt. Auf der Osa-Halbinsel an der Pazifikküste liegt der Corcovado-Nationalpark mit seinem besonders ­artenreichen Primärregenwald, der auf geführten Wanderungen zugänglich ist. Hier leben unter anderem Jaguare, Tapire, Nasenbären und Pekaris.

Mit dem Boot durch Kanäle

Der Tortuguero-Nationalpark im Nordosten ist vor allem von Mangroven und Feuchtgebieten geprägt. Mit dem Boot geht es durch Kanäle, während sich Brüll­affen in den Bäumen bemerkbar machen und Kaimane reglos im Wasser lauern. Am Strand lassen sich nachts in der Nistsaison Meeresschildkröten beobachten. Im Cahuita-Nationalpark wiederum trifft Küstenregenwald auf Korallenriffe. Und die eher trockene, ­touristisch stärker erschlossene Pazifikküste ist vom Charakter her ganz anders als die ruhigere und feuchtere Karibikseite mit ihrem afrokaribischen Flair.

Der Corcovado-Nationalpark im Sonnenuntergang
© Ragnar Th Sigurdsson Photographer/Arctic-Images/Getty Images
Der Corcovado-Nationalpark im Sonnenuntergang

Der Ökotourismus in Costa Rica ist ein Erfolgs­modell, das weltweit Maßstäbe gesetzt hat. Die National­parks sind nicht überlaufen, der Zugang wird streng reguliert. Die Lodges liegen meist außerhalb der Schutzgebiete. Viele sind behutsam in die Landschaft integriert und beherbergen eine überschaubare Zahl an Gästen. Kleine und mittlere Betriebe dominieren. Viele sind in lokaler Hand. So bleibt die Wertschöpfung im Land.

PIONIER DES ÖKOTOURISMUS

Doch auch ausländische Biologen und ­Unternehmerinnen haben dazu beigetragen, einen nachhaltigen Tourismus zu schaffen. Als eine Vorreiterin gilt zum Beispiel die US-Amerikanerin Karen Lewis. Sie schuf Anfang der 1990er-Jahre mit ihrem Mann die »Lapa Rios Eco Lodge« auf der Osa-Halbinsel, eine der schönsten und exklusivsten Unterkünfte des Landes, am Rande von Corcovado. Heute gehört die kleine, feine Anlage zu »Böëna Lodges«, die in Costa Rica fünf Eco-Unterkünfte betreiben. Luxus heißt hier, mitten in der Natur zu sein – ohne zu stören.

Die Besucher können sich in Eco-Lodges ganz natürlich in die exotische Umgebung einfügen.
© Brice Ferre Studio - Vancouver Portrait Adventure and Athlete Photographer
Die Besucher können sich in Eco-Lodges ganz natürlich in die exotische Umgebung einfügen.

Auch die drei Lodges, die Nayara rund um den Arenal-Vulkan im Landesinneren betreibt, sind Rückzugsorte mitten im Grünen. Die Gäste sollen zur Ruhe kommen, eine Verbindung zur Natur spüren – und idealerweise auch zu sich selbst. Dieser Ansatz spiegelt sich im offenen Design wider, wie Gründer und Eigentümer Leo Ghitis erklärt – oder in der Tatsache, dass Wildtiere sich frei über das ­Gelände bewegen können. Er zeigt sich auch in Erlebnissen, die das Wahrnehmen der Umgebung in den Mittelpunkt stellen, statt jede freie Minute mit Aktivitäten zu füllen.

Frühstück inmitten der Natur

In einer Lodge im Tropenwald kann es sein, dass Weißkopf-Kapuzineraffen in den Baumkronen auf das Frühstücksbuffet hinabschauen oder dass direkt vor dem eigenen Zimmer ein Faultier durchs Geäst hangelt. Der tropische Regenwald wird allerdings oft missverstanden. Viele glauben, es handle sich um einen überbordenden Garten Eden. Die Artenvielfalt wird als Luxus der Natur wahrgenommen. Tatsächlich herrscht Knappheit an Nährstoffen. Die ­Tiere und Pflanzen sind hochspezialisiert, sie besetzen jede noch so kleine Nische des Ökosystems – daher rührt die große biologische Diversität.

Zwei Kapuzineraffen
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Zwei Kapuzineraffen

Obwohl es so scheint, bringt der Regenwald keinen Überfluss hervor. Er wirft keine Erträge ab, wenn man ihn erhalten will. Diese Logik der Knappheit verändert auch den Blick auf Urlaub. Luxus bemisst sich heute weniger am Überfluss als an bewusster Reduktion. Nicht das Mehr von allem, sondern das Wesentliche. Dazu passt, dass Nachhaltigkeit nicht mehr als Kompromiss gesehen wird, wie Ghitis berichtet. Sie wird ­vorausgesetzt und ist zugleich Teil des Luxus. Die Gäste erwarten durchdachtes Design, Komfort und ­guten Service, kombiniert mit echter ökologischer Verantwortung. »Im Vergleich zu vor zehn oder fünfzehn Jahren sind Reisende heute deutlich informierter und neugieriger.« Da der Naturschutz in Costa Rica Teil der nationalen Identität ist, sind die Erwartungen ­entsprechend hoch.

Lodges investieren in Umweltprojekte

»Die wichtigsten Maßnahmen sind für Gäste oft unsichtbar«, erklärt Ghitis. Etwa, wie Land renaturiert, Gebäude geplant und Ressourcen langfristig gemanagt werden. Nayara Resorts investiert in Renaturierung. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 50.000 heimische Bäume gepflanzt. »Die ­wiederhergestellten Wälder binden jedes Jahr Tausende Tonnen CO2, schaffen Lebensräume und Wildtier­korridore und schützen lokale Wassereinzugsgebiete.« Es gehe darum, über kurzfristige Renditen hinauszu­denken, damit Ökosysteme langfristig gesund bleiben. Das ist in Costa Rica vielerorts gelungen. Nun steht das Land vor neuen Herausforderungen.

Die Auflösung der Grenze zur Natur ist typisch für »Nayara-Lodges«
© TG23/Shutterstock
Die Auflösung der Grenze zur Natur ist typisch für »Nayara-Lodges«

Auf der Halbinsel Nicoya entstehen immer mehr luxuriöse Villen, zur kurz- und langfristigen Vermietung. Auch der eine oder andere Celebrity hat sich ein Haus über dem Meer errichten lassen, erzählt man sich. Ausländische Investoren haben den Einheimischen günstig Grundstücke abgekauft, deren Wert sich ­anschließend vervielfacht hat. Viele Ticos (Selbstbezeichnung der Costa Ricaner, Anm. d. Red.) können sich die gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht mehr ­leisten und müssen ihr Zuhause verlassen. Diese ­Entwicklung ist nicht nur auf der Nicoya-Halbinsel zu beobachten. Einige sehen in Santa Teresa das nächste Tulum, das bereits vom internationalen Kreativ-Jetset durchgentrifiziert wurde. Andere fürchten eine ­»Cancúnisierung« der Küsten, in Anspielung auf den bekannten mexikanischen Ferienort mit seinen Resorts.

TRAUMSTRÄNDE UND TOURISMUS

Wird es gelingen, nicht nur die kostbare Natur zu schützen, sondern auch die Einheimischen fair am ­Tourismus zu beteiligen? Die soziale Frage beschäftigt die Menschen – auch im Ferienort Puerto Viejo auf der Karibikseite. Ariel Rodríguez Rojas holt dort viele ­G­äste ab, die mit ihm auf Regenwald-Tour gehen. Er hat sich selbstständig gemacht, um unabhängig von den Reiseagenturen zu sein. »Der Wald ist ein guter Ort, um die Art und Weise, wie wir leben, zu hinterfragen«, sagt er. »Und er zeigt uns, wie unglaublich die Natur in all ihrer Schönheit ist.«

Ein Jaguar im Corcovado-Nationalpark
© Pedro Helder/Adobe Stock
Ein Jaguar im Corcovado-Nationalpark

Hotels in Costa Rica

Lapa Rios LodgeKein Wunder, dass diese Öko-Lodge bereits mehrfach als eine der besten in Costa Rica aufgeführt wird. Sie liegt in einem rund 1.000 Hektar großen privaten Naturreservat im tropischen Regenwald auf der Osa-Halbinsel. Die eleganten Suiten und Villen öffnen sich zum Meer und schaffen eine fließende Verbindung zwischen Natur und Luxus. laparios.com

Nayara Tented CampExklusive Zelt--Villen mit eigenem Pool, die einem das Gefühl geben, über den üppigen Baumkronen zu schweben. Die Lodge liegt in der Nähe von La Fortuna, engagiert sich für einen nachhaltigen Tourismus und bietet den Gästen durch diverse Aktivitäten die Möglichkeit, Costa Ricas herrliche Natur zu entdecken. nayaratentedcamp.com

Four Seasons Resort PapagayoDas Fünf-Sterne-Küstenresort zählt zu den exklusivsten Hotels Costa Ricas. Auf der Papagayo-Halbinsel gelegen, bietet es eine erlesene Auswahl an Zimmern, Suiten und Villen. Inspiriert von Baumhäusern, verbinden sie Komfort mit tropischer Natur. Restaurants und Bars sowie ein großzügiger Wellness-Bereich runden das Angebot ab. fourseasons.com

Nekajui, a Ritz-Carlton ReserveDas kürzlich eröffnete Fünf-Sterne--Resort liegt auf der Papagayo-Halbinsel und bietet alles, was anspruchsvolle Gäste schätzen: helle Zimmer und Suiten, Ausblick aufs Meer, Fine Dining mit lokalen Zutaten und internationalen Einflüssen sowie einen stilvollen Spa-Bereich, der ganz auf Entschleunigung ausgerichtet ist. ritzcarlton.com

Tabacón Thermal Resort & SpaWarum nicht ein Bad nehmen und den Blick auf das Grün des Regenwaldes schweifen lassen? Das luxuriöse Resort liegt in einem privaten Reservat in der Arenal-Region und bietet Gästen uneingeschränkten Zugang zu den natürlichen Thermalquellen – die sogar im privaten Pool genossen werden können. tabacon.com

Rio Perdido Hotel & Thermal River Wer hier ankommt, fühlt sich weit weg von allem – dafür ganz und gar verbunden mit der traumhaften Landschaft. Situiert im Herzen der Provinz Guanacaste, genießen hier Gäste luxuriöse Rückzugsorte in stilvollen Bungalows, natürlich heiße Quellen, Outdoor-Abenteuer und Kulinarik mit Bio-Zutaten. rioperdido.com

Hotel Belmar – Tiroler Vibes mitten im Regenwald! Das seit fast vier Jahrzehnten familiengeführte Hotel ist inspiriert vom Stil alpiner Chalets und begrüßt seine Gäste im mystischen Nebelwald des Monteverde-Reservats. Klassischer Stil, honigbraunes Holz, traumhafte grüne Ausblicke und nachhaltige Cuisine, die Costa Ricas Aromen geschmackvoll auf den Teller bringt. hotelbelmar.net

Origins Lodge – Tief in der Natur der Tenorio-Region eingebettet, steht hier alles im Zeichen der Überzeugung, dass wahrer Luxus in der Verbindung zur Natur liegt. An zwei Standorten bieten jeweils sieben exklusive Lodges Rückzug – ergänzt durch eine erst-klassige Gourmetküche. originslodge.com

El Silencio Lodge & SpaEinfach zauberhaft! Eingebettet im Nebelwald der Region Bajo del Toro erleben Gäste hier eine Ruhe, die Körper und Geist wieder in Einklang bringt. Die 24 charmanten wie luxuriösen Suiten und Villen bieten einen Rückzug im Dialog mit der Natur. Ein Highlight ist das »Samana Wellness Center« mit Blick auf die herrliche Wildnis des Waldes. elsilenciolodge.com

Hacienda AltaGracia, Auberge Resorts CollectionWer von allem wegkommen will, ist in diesem tropischen Himmel richtig. Er liegt im zentralen Hochland in der Region Pérez Zeledón. 50 stilvolle Casitas mit Aussichten, die ins Staunen versetzen, köstliche lateinamerikanische Küche und ein ganzheitliches Wellbeing-Programm lassen keine Wünsche offen. aubergeresorts.com


Philipp Laage
Autor
Travel-Redaktion
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