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Warum ist Stillen in der Öffentlichkeit immer noch Thema?

Umfrage
Österreich
Gastronomie

Eine neue Studie zeigt, dass öffentliches Stillen in Österreichs Lokalen oft auf Ablehnung stößt – obwohl 210 Betriebe bereits das »Stillsiegel« tragen.

Es gibt in der Gastronomie viele ungeschriebene Regeln: Man bestellt im Wiener Kaffeehaus nicht »to go«. Man kommt zu einer Reservierung immer pünktlich. Und – so scheint es – man stillt sein Kind bitte nicht am Tisch. Zumindest legt das eine neue österreichische Studie nahe: 43 Prozent lehnen öffentliches Stillen ab, jeder Fünfte hält es für »unappetitlich«.

Erschütternde Erfahrungsberichte

Dass das Thema immer noch polarisiert, zeigt eine aktuelle Studie von »MAM Baby« und »TQS«: Frauen werden im Café nicht bedient, wenn sie ihr Kind stillen. Sie werden auf Toiletten verwiesen, mit Blicken taxiert oder gar hinauskomplimentiert. Der öffentliche Raum ist für viele Mütter noch immer kein sicherer Ort, sobald die Brust im Spiel ist – selbst wenn es dabei ausschließlich ums Sattwerden geht.

Gerade Lokale sind paradoxerweise ein Hotspot dieser Spannungen. Man sitzt dort, um zu essen und zu trinken – und gleichzeitig stört es manche Gäste, wenn ein Baby genau das tut. Ist es das Wort »Brust« im Kopf? Die jahrhundertelange Sexualisierung des weiblichen Körpers? Die klinische Psychologin Sanja Prochazka-Piplica nennt es »historisch gewachsene Schamregeln«. Für viele Mütter bedeutet es leider immer noch, sich rechtfertigen zu müssen, statt das natürliche Füttern ihres Babys unbeschwert erfahren zu können.

»Wir sind still – aber nicht leise!«

© MAM Baby / Sabine Sattlegger

Um genau dagegen ein Zeichen zu setzen, versammelten sich über 150 Mütter, Väter, Hebammen und Unterstützer:innen beim »Still-Stand« am Wiener Heldenplatz. Ein stilles, aber kraftvolles Statement gegen die Diskriminierung stillender Mütter. Die Botschaft ist klar: Stillen ist kein Tabu, sondern ein natürliches Bedürfnis, das jederzeit und überall respektiert werden muss.

210 Betriebe in Österreich – von der »Luftburg« bis zur »Querfeld-Kaffeehausfamilie« – bekennen sich zu einer stillfreundlichen Haltung. Das ist mehr als ein PR-Stempel. Es ist ein Bekenntnis, dass Essen und Trinken keine Altersgrenze kennen. Vielleicht braucht es in der Gastronomie eine kleine Perspektivenänderung.

Alle Stillsiegel-Betriebe sind unter www.stillsiegel.at aufgelistet.


Kristina Mitrovic
Kristina Mitrovic
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