Der niedliche Name und die verspielte Optik mögen täuschen. Trotz Kerzenschein und improvisiertem Mobiliar aus der Sperrmüllabteilung wird man im »Mausi« nicht ins Berlin der 90er katapultiert – zumindest nicht kulinarisch. Ein Biss in die fluffigen Knödel, die brotige Röstaromen bayerischer Brezeln verströmen und ironisch von einer japanischen Misosauce umspielt werden, zeigt schnell: Dieser Laden ist keine muffige Eckkneipe, kein dilettantisches Kiez-Café in der ehemaligen Currywurst-Metropole. Nein, die Küche im »Mausi« spielt auf der Höhe der Zeit. Und sie beweist, dass kulinarische Entwicklung nicht elitär sein muss: In dieser queerfreundlichen, entspannten Tages- und Nachtbar mit Naturweinen und Cocktails stehen keine Luxusprodukte wie Champagner, Trüffel oder Austern auf der Karte – nicht einmal Fleisch. Stattdessen lotet man mit naturnahen, bodenständigen Zutaten wie Blumenkohl, Kichererbsen und Pilzen geschmackliche Feinheiten aus – handwerklich präzise, ideenreich umgesetzt und von exzellenten Ölen, Kräutern und Saucen getragen. Besonders ans Herz wächst der Arancino mit Pilzfüllung, der wie ein goldenes Riesenosterei mit weißen Pecorino-Spänen vom Teller aufragt. Zuerst knackt die frittierte Hülle, dann offenbart sich im Inneren ein sämiges Pilzrisotto. Weil die Küchenchefin daraus ein vollwertiges Gericht macht, serviert sie dazu eine herzhafte Sauce aus getrockneten Tomaten, Kräuterseitlingen und Soja. Nur in puncto Herzlichkeit und Aufmerksamkeit des Service gäbe es noch Luft nach oben. Vielleicht liegt es am schummrigen Kerzenlicht – als Gast muss man sich bisweilen zu hartnäckig bemerkbar machen.