Mit Markus Burkhard und seiner Partnerin Flavia Hiestand hat Winterthur ein Gastro-Paar mit Klasse dazugewonnen. Das zeigen die zwei in der «Bar Olo» im Stadtzentrum und seit Mitte April im «Menoir» im historischen Kern von Oberwinterthur. Wegen des Regens können wir leider nicht auf der einladenden Terrasse essen. Kein Problem, denn auch der Gastsaal ist schön: schlicht, mit viel hellem Holz. Schnell bringt die freundliche Gastgeberin des Abends das Menu und die Weinkarte. Es gibt Tropfen mit Charakter aus der Schweiz und weiteren europäischen Regionen. Beim Essen ist die Auswahl klein, aber fein: Aus je drei Vorspeisen, Zwischengängen und Hauptgängen stellt man einen Dreigänger zusammen. Noch vor der Bestellung gibt es als Amuse-Bouche ein knuspriges Malakoff. Als Vorspeise wähle ich weissen Spargel, der in einer Pilzbrühe mit fein geschnittener Zunge, Kapern, Radiesli und Mandeln serviert wird. Hier offenbart sich zum ersten Mal, was sich durch den ganzen Abend zieht: die Saucen, Brühen und Vinaigretten sind so gut, dass man sich hineinlegen möchte – zum Glück ist ein Löffel eingedeckt und wird vor der Vorspeise ein Stück knuspriges Sauerteigbrot gereicht. Weiter geht es mit herrlich luftigen Hechtklössen mit Brunnenkresse in Krebsbisque. Der Hauptgang, ebenfalls klassisch: rosa gebratenes Lamm mit Topinambur, Pak Choi und einem geschmacksintensiven Bärlauch-Jus. Das Essen ist bodenständig, es zeugt von routiniertem Kochhandwerk und Talent. Beim Dessert – Rhabarber mit Buttermilchsorbet, Estragon und Meringue – fehlt leider etwas von der Reichhaltigkeit, welche die herzhaften Gerichte so genussvoll machte. Dafür ist es ein schön leichter Abschluss eines gelungenen Abends mit Wiederholungsgarantie!