Bill Bensley: »Ich habe mich über die Jahre bemüht, keinen spezifischen Stil zu haben«
Seit 35 Jahren beeindruckt Bill Bensley mit einzigartiger Architektur, Interior-Design und nachhaltiger Gartengestaltung. Einen festen Stil gibt es nicht – Bensley passt seine Designs der Identität jedes Ortes an und setzt auf Nachhaltigkeit, indem er unter anderem mit seiner Foundation Dörfer baut, Bildungs- und Gesundheitsprogramme unterstützt und den Regenwald schützt.
Seit Bill Bensley vor 35 Jahren die BENSLEY Studios in Bangkok und Bali gründete, gingen zig Projekte durch seine und die Hände seines (mittlerweile) 150-köpfigen Teams. Über 200 Resorts, Hotels und sogar Paläste in mehr als dreißig Ländern beweisen: BENSLEY zählt zu den Topadressen für Interior-Design, Architektur und Landscaping.
Von den USA nach Südostasien
1959 in Orange County, Kalifornien, geboren, zeigte Bill Bensley schon früh eine Affinität für Gestaltung: Sein Vater, ein NASA-Ingenieur, nahm eine prägende Rolle im Leben des Designers ein, wie dieser im Gespräch mit LIVING verrät. »Mein Vater, ein echter -Engländer, war ein hervorragender Gärtner«, erinnert sich Bill Bensley. »Ich glaube, er war äußerst verwundert, als ich mit zehn Jahren eine Vorliebe für das Züchten, Schneiden und Arrangieren der Blumen um unser Haus zeigte.« Sein grüner Daumen führte den Kalifornier an die California Polytechnic State University sowie an die Harvard School of Design, wo er urbane und Landschaftsarchitektur studierte. Danach begab er sich auf »Grand Tour« und landete schließlich in Singapur, wo er bei Belt Collins & Associates zu arbeiten begann. 1989 wagte Bill Bensley den nächsten Schritt: Er gründete, gemeinsam mit Co-Direktor und Lebensgefährte Jirachai Renthong, das erste BENSLEY Studio in Bangkok, 1990 folgte das zweite Office in Bali.
Anfangs beschränkte man sich auf Landscaping-Projekte. Schnell war jedoch klar: Bill Bensley wollte selbst über das gesamte (innen)architektonische Erscheinungsbild bestimmen. »Ich hatte es satt, schöne Gärten für mittelmäßige Architektur zu bauen«, resümiert er seine Entscheidung. Die nächsten Jahre sahen Projekte für so renommierte Häuser wie »Rosewood«, »Capella« oder »MGallery« – und sollten der Erweiterung recht geben.
Alles außer gewöhnlich
Wer nach »dem« BENSLEY-Stil fragt, wird keine eindeutige Antwort bekommen: Denn Bill Bensley passt seine Designs gerne der Identität eines jeden Ortes an. So wartet jedes Projekt mit neuen Stilen, ästhetischen Elementen und Geschichten auf, erzählt er: »Ich habe mich über die Jahre bemüht, keinen spezifischen Stil zu haben, weil meine Kund:innen immer eine neue, eigene Ästhetik für ihr Projekt wollen und brauchen.« Jedem Projekt geht ein intensiver Findungsprozess aus Reisen, vielen Stunden des Lesens und aktiven Zuhörens sowie ersten Skizzierungen voraus, wie Bill Bensley verrät. Das Ergebnis: herausragende Adressen – wie das mehrfach prämierte »Four Seasons Tented Camp Golden Triangle« in Chiang Rai, eines der ersten Luxuszeltlager weltweit, das zugleich ein Zufluchtsort für Elefanten ist. Oder das »Capella Hanoi«, eine »Petite Auberge«, bei der sich Bensley von den glanzvollen Zeiten des nahe gelegenen ikonischen Hanoi Opera House inspirieren ließ. Und erst kürzlich eröffnete das »JW Marriott Jeju Resort & Spa« in Südkorea, das der Designer »so minimalistisch wie nur möglich« gestaltete.
Obgleich sich die Designkonzepte aller BENSLEY-Projekte stark voneinander unterscheiden, eint sie eines: das Streben nach Nachhaltigkeit, für den Designer von Beginn an ein essenzieller Punkt. Das »Four Seasons Koh Samui« etwa ließ er um Kokosnussbäume herum errichten, um die natürliche Umgebung zu erhalten und Erosion zu vermeiden. Auch Upcycling, soziale Nachhaltigkeit oder Natur- und Wildtierreservate spielen eine wichtige Rolle für Bill Bensley. Aus diesem Grund gründete er die »Shinta Mani Hotels – Bensley Collection«, welche die gleichnamige Foundation finanzieren. Diese kümmert sich um den Bau von
Dörfern für armutsbetroffene Menschen, Bildungs- und medizinische Programme wie auch um den Schutz des Regenwalds.
Der Blick in die Zukunft
Derzeit arbeitet Bill Bensley an einem Naturschutzprojekt im Kongo, an einem 400 Jahre alten Sandsteinpalast am Lake Pichola in Udaipur und an einem -83-stöckigen wilden Art-déco-Hochhaus aus Titan in Bombay, das sich für Wildschutz einsetzt. Viel zu tun also für Bensley – und auch für die Zukunft schmiedet der Designstar bereits große Pläne. »Mein Hauptziel ist es, meine Designkollaborationen mit einer Reihe von High-End-Herstellern wie Baker Furniture, Jim Thompson Silks und Lefroy Brooks auszu-bauen«, verrät er. Die Provisionen seiner Entwürfe kommen zur Gänze seiner Shinta Mani Foundation zugute.
Wer nach einem Aufenthalt in einer seiner (innen)architektonischen Kreationen nicht genug vom Freigeist des Designers bekommen kann, kann sich Bill Bensley übrigens nach Hause holen: Als Künstler kreiert er lebendige, detailreiche Gemälde, die von seinen Reisen, Natur und Kultur erzählen. »Meine großartige Künstlerfreundin Kate Spencer drückte mir vor fünf Jahren einen Pinsel in die Hand und bestand darauf, dass ich anfange zu malen«, erinnert er sich lachend. »Seitdem halte ich an diesem Pinsel fest und nehme ihn sogar auf Angelausflüge in die Mongolei mit!« Seien es nun Angeln und Reisen, Bücher, Malerei oder seine sechs Jack Russell Terrier: Inspiration wartet für Bill Bensley an jeder Ecke. Man darf daher gespannt sein, welche Überraschungen er in Zukunft für uns bereithält.