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Fortschritt mit Substanz: Die Sanierung von Wiener Altbauten

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Hochwertige Materialien, liebevolle Details und beeindruckende Handwerkskunst prägen den Wiener Stilaltbau. Seine Revitalisierung ist aus mehreren Gründen wichtig. Manchmal findet man dabei ein Stück Stadtgeschichte.

Stellen Sie sich Wien ohne Gründerzeithäuser vor. Allein dieser Gedanke erklärt, wie wertvoll Bestandsimmobilien sind. »Die Sanierung historischer Gebäude in Wien ist aus mehreren Gründen sinnvoll – sowohl aus ästhetischer und kultureller als auch aus ökologischer Sicht«, erklärt Clemens Rauhs, Geschäftsführer der Liv-Gruppe, die als Bauträgerin schon mehrere Vorzeigeprojekte saniert – oder, wie Rauhs es lieber formuliert: »revitalisiert« – hat. Es gehe nämlich nicht nur darum, Gebäude zu erhalten, sondern ihnen neues Leben einzuhauchen – den ursprünglichen Charakter zu bewahren und sie gleichzeitig wieder für Menschen erlebbar zu machen.

»Rose Nine«
Mit viel Liebe zum Detail bekommt der Stilaltbau in der Wiener Rosinagasse ein neues Leben – und eine top Ausstattung.
savoir.at

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Neue Strahlkraft
Mit viel Gespür für das Schöne wird das 1893 (!) errichteten Haus in der Geblergasse 21 saniert und erweitert. 21 exklusive Wohnungen zum »Daheimfühlen« entstehen.
liv.at

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Bereits gebaut ist nachhaltig

Peter Engert, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), ergänzt, dass ein großer Teil der heimischen Gebäude vor mehr als hundert Jahren errichtet worden sei – ohne Wärmedämmung, ohne moderne Haustechnik, sie werden aber bis heute täglich genutzt. »Sanierung ist hier der Schlüssel«, ist Engert überzeugt. Sie spare Energie, reduziere CO₂-Emissionen und schone wertvolle Ressourcen wie Beton, Stahl oder Ziegel. Sein Leitsatz: »Der nachhaltigste Quadratmeter ist der, der bereits gebaut wurde.«

Eine umfassende Sanierung umfasst typischerweise die Fassade, Innenräume, Haustechnik, Dämmung, Ausbau des Dachgeschoßes und die Modernisierung der Allgemeinbereiche. Ein Standardrezept gäbe es aber nicht, mahnt Helga Noack, Geschäftsführerin von DenkMalNeo: »Niemand kommt auf die Idee, ein Elektroauto mit den gleichen Methoden zu reparieren wie einen klassischen Oldtimer. Beim ›Altbau‹ verhalten wir uns aber oft genau so. Manche Gebäude sind denkmalgeschützt, andere ›nur‹ alt. Manche wurden über Jahrzehnte gepflegt, andere stehen seit Generationen leer. Je nach Material reagieren Bauteile anders auf Lasten, auf Temperatur-änderungen, auf Feuchtigkeit.«

Genau diese Individualität und diese Eigenheiten machen die hohe architektonische Qualität der Gebäude aus. Da erlebt man schon mal Stadtgeschichte hautnah mit, Clemens Rauhs beispielsweise berichtet: »Ein besonderes Highlight war das Relief über dem Haustor in der Lange Gasse mit der Aufschrift ›Hergottsbrunnenhaus‹. Unsere Recherchen ergaben, dass an dieser Stelle einst ein gleichnamiges Gebäude stand, bevor 1912 das heutige Jugendstilhaus errichtet wurde. Zur Erinnerung daran wurde das Relief angebracht, das wir originalgetreu wiederhergestellt haben – heute schmückt es wieder die Fassade des Hauses.«

Im Herzen der Stadt
Dank Sanierung wird Wohnfläche in absoluten Premiumlagen möglich, wie hier: 15 prächtige Wohnungen beim Wiener Rathaus.
oerag.at

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Clemens Rauhs Geschäftsführer der Liv-Gruppe: »Es geht nicht nur darum, Gebäude zu erhalten, sondern ihnen neues Leben einzuhauchen.«

 

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Innovative Lösungen für breite Sanierung

»Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Wer sie versteht, kann Substanz bewahren, klug investieren und langfristig Wert schaffen«, meint Helga Noack. Zwar haben sich ein paar Bauträger wie eben Liv oder auch 3SI auf dieses Thema spezialisiert, aufgrund des großen Bestands – es gibt ja nicht nur Gründerzeithäuser – könnten es aber noch deutlich mehr sein. Erste innovative Ansätze gibt es. Das Start-up Renowate hat ein System entwickelt, das Gebäudehüllen und Haustechnik in einem industriell vorgefertigten Prozess modernisiert. Statt langwieriger Einzelmaßnahmen setzt Renowate auf standardisierte, digitale Planung und vorgefertigte Fassadenelemente, die direkt vor Ort montiert werden. Dadurch lassen sich Altbauten schnell, präzise und nahezu emissionsfrei in energieeffiziente Gebäude der Zukunft verwandeln.

Die Sanierungsquote ist trotz aller neu entstehender Schönheit und neuem Wohnraum dennoch beschämend gering. In Österreich liegt sie bei 1,5 Prozent. Die Gesetzgebung müsse sich stärker am Bestand orientieren – im Wohnrecht ebenso wie in der Raumplanung oder bei Förderungen, fordert Peter Engert, denn: »Sanierung ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt
mit Substanz.«

Die »Schöne Agnes«
Mit diesem Projekt in der Sieveringer Straße zeigt Bauträger Ulreich, wie das Stadtbild erhalten und dennoch Neues geschaffen werden kann.
ulreich.at

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Donaustadt
29 Wohnungen entstehen in einem altehrwürdigen Haus in der Meißnergasse 2 im 22. Wiener Bezirk dank Sanierung.
3si.at

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Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 8/2025

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Heimo Rollett
Heimo Rollett
Print-Redakteur
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