Safari Lodge in Wien: Heinz Neumanns tropische Oase in Grinzing
Der Architekt Heinz Neumann und seine Frau haben sich eine Dschungelhaus-Oase eingerichtet, als Reminiszenz an ihre vielen Reisen. Ein Besuch zwischen Wiener Weinbergen und dem Traum von der Savanne.
Aus der Ferne ist das Haus unsichtbar. Steht man wenige Meter entfernt davor, ist es immer noch unsichtbar, versteckt im Garten. Bananenbäume, Palmen, Indisches Blumenrohr und Funkien mischen sich mit der ortsüblichen Vegetation am Fuße des Wienerwalds zu einem üppigen Tableau, wie ein Gemälde von Paul Gauguin. Zwischen den Baumstämmen und Blättern lugt eine Glasfassade hervor, bedruckt mit weiterem Blattwerk. Das »Dschungelhaus« nennt es Heinz Neumann – Architekt, Bauherr und Bewohner in Personalunion. Der Name ist selbsterklärend.
Exotischer Zwilling
Während das eigentliche Wohnhaus des Ehepaars Neumann vorne an der Straße mit seiner weißen Fassade, dem ordentlich gemähten Rasen und dem geradlinig eingefassten Pool ziemlich genau dem entspricht, was man sich unter einer Döblinger Villa vorstellt, geht es dahinter, im exotischen Zwilling, geheimnisvoller und dunkler zu. »Wissen Sie, normale Architektur habe ich schon genug«, sagt Neumann. »Hier haben wir uns beide eine andere Welt gebaut, eine Erinnerung an unsere vielen Reisen von Paraguay über Äthiopien bis Tasmanien.«
Nach dem Erwerb des Nachbargrundstücks machte er sich daran, das kleine Haus von 1931 (mit Erweiterung aus den 1980er-Jahren) zu entrümpeln und zu verwandeln. Die Kubatur blieb dieselbe, die Holzriegelkonstruktion wurde ausgefacht, 150 mal Geothermie in die Erde gebohrt, der stattliche Kamin im Eck des Wohnbereichs durfte bleiben. Hier richteten sich Herr und Frau Neumann eine Art -domestizierte Hunters’ Lodge ein, oben fand ein Arbeitsbereich für den konsequent analog am selbst gebauten Zeichentisch entwerfenden Architekten Platz.
Dschungel und Savanne sind hier auf vielfache Art präsent: Im Vogelzwitschern und Löwenbrüllen, die von der selbst aufgenommenen Tonspur ertönen, in der (selbstverständlich legal und zertifiziert) präparierten Fauna von Gepard über Panther bis zum kleinen Krokodil und im natürlichen Braun und Grün der Einrichtung. »Das italienische Feinsteinzeug, das wir für die Bodenfliesen ausgewählt haben, sieht mit seiner rauen Oberfläche wirklich aus wie Erde«, sagt die Hausherrin. Das Regal mit der Bibliothek des Vaters und der antiquarischen Tarzan-Ausgabe wurde aus wilder Bobinga gezimmert.
Atmosphärisches Sammelsurium
Die weiteren Details des »Sammelsuriums«, wie Neumann es nennt, fügen sich in diese Atmosphäre wie selbstverständlich ein. Die vom Architekten selbst entworfenen Deckenlampen, die für die UNIQA designten Aschenbecher, die Skulpturen aus Ostafrika, die Jagdgewehre in der Vitrine. All das ist aufeinander abgestimmt und wirkt dabei nicht kühl kuratiert, sondern wie über Jahrzehnte gesammelte Erinnerungen an ein Leben voller Safaris und Nächte unterm Sternenhimmel – und genau das ist es schließlich auch. Auch an eine Dschungelbar für hedonistische Momente wurde gedacht.
Richtiges Dschungelgefühl kommt in der Loggia auf – dem Wohlfühlort des Anwesens, von dem man durch den mit 700 neuen Pflanzen angereicherten Garten auf die Wiener Skyline blickt. Daneben plätschert ein kleiner Bach ins Tal. »Der Garten kommt ganz ohne Chemie aus«, sagt die Hausherrin. »Der Beweis dafür sind die Füchse, Rehe, Fasane und sogar Schlangen, die hier regelmäßig vorbeischauen.«
Der Feldstecher steht griffbereit vor der Fensterfront – zur genauen Beobachtung der Flora und Fauna. Vielleicht auch für den Blick zur Bürozentrale von Neumanns Büro HNP architects in der Muthgasse, unten hinter den Weinbergen. Doch dazu muss man schon sehr weit heranzoomen. Denn Wien und sein Alltag scheinen endlos weit weg, hier in der Oase der schönen Erinnerungen. Mit der ganzen weiten Welt in einem Raum. Auf Safari in Grinzing.