© Falstaff / Jan Tiam Dorfer
Österreichs Pionierin: Wer den heimischen Wasabi reibt
Wasabi, die scharfe grüne Wurzel aus Japan, hat in den letzten Jahren international an Popularität gewonnen. Doch was viele nicht wissen: In Österreich wird mittlerweile hochwertiger echter Wasabi angebaut – nicht auf traditionellen Feldern, sondern in einer hochmodernen Indoor-Farm.
von Kristina Mitrovic
07. Februar 2025
In einem unscheinbaren Gebäude in Oberwart, Burgenland, wächst eine Pflanze, die in der westlichen Welt oft nur als scharfe, grüne Paste aus Tuben bekannt ist: Echter Wasabi (Wasabia japonica). Während in Japan der Anbau von Wasabi traditionell in schattigen Bachläufen und feuchten Bergregionen erfolgt, gelingt es dem österreichischen Unternehmen PhytonIQ, die anspruchsvolle Pflanze in einem Hightech-Indoor-Farming-System zu kultivieren. Dabei setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und eine ganzjährige Ernte – ein Novum in der internationalen Wasabi-Produktion.

Hightech trifft auf Tradition
Echter Wasabi ist bekannt für seine intensive Schärfe, die sich deutlich von der oft als »Wasabi« verkauften Meerrettichmischung unterscheidet. Doch die Pflanze hat es in sich: Sie ist extrem anspruchsvoll in der Aufzucht, benötigt konstante Feuchtigkeit, kühle Temperaturen und ein ideales Nährstoffverhältnis. In Japan wird Wasabi traditionell in flachen Bachläufen kultiviert, was die Produktion stark limitiert und zu hohen Preisen führt.
Die Gründerin und CEO von PhytonIQ, Esther Simon, und ihr Team haben mit jahrelanger Forschung eine Umgebung geschaffen, in der Wasabi optimal gedeiht. »Wir haben das gesamte System so konzipiert, dass die Pflanze unter besten Bedingungen wachsen kann, ohne Pestizide und mit minimalem Wasserverbrauch«, erklärt Simon. PhytonIQ setzt auf ein hydroponisches System: Die Wurzeln der Pflanzen stehen nicht in Erde, sondern in einer speziellen Nährlösung, die kontinuierlich zirkuliert und exakt auf die Bedürfnisse der Pflanze abgestimmt ist. Dieses Verfahren ermöglicht nicht nur einen nachhaltigen Anbau mit minimalem Wasserverbrauch, sondern garantiert auch gleichbleibend hohe Qualität ohne den Einsatz von Pestiziden.
Wie funktioniert Indoor-Farming?
Das innovative Anbausystem von PhytonIQ beruht auf modernster Indoor-Farming-Technologie. In den Produktionshallen wachsen die Pflanzen nicht nur nebeneinander, sondern in mehreren Etagen. Bis zu 100.000 Wasabi-Pflanzen werden angebaut – ein entscheidender Vorteil gegenüber traditioneller Landwirtschaft, da die nutzbare Fläche vervielfacht wird.
Die gesamte Umgebung ist digital gesteuert: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtintensität und Nährstoffzufuhr werden über Sensoren in Echtzeit überwacht und angepasst. LED-Beleuchtung sorgt für optimale Lichtverhältnisse und reduziert den Energieverbrauch. Ein Teil des Stroms wird bereits durch eine hauseigene Photovoltaikanlage gedeckt. Besonders nachhaltig ist auch die Wassernutzung: Das System arbeitet mit gereinigtem Osmosewasser, das in einem geschlossenen Kreislauf bleibt. So wird fast kein Wasser verschwendet, da es fortlaufend recycelt und nur bei Bedarf mit frischen Nährstoffen angereichert wird.
Ein wesentlicher Vorteil der Indoor-Kultivierung ist die ganzjährige Ernte. Während in Japan oft nur das Rhizom, der Teil der Pflanze, der zur Paste zerrieben wird, genutzt wird, kann PhytonIQ auch die Blätter und Stängel kontinuierlich ernten. Diese Pflanzenteile sind milder als das Rhizom, haben aber dennoch das typische, leicht scharfe und nussige Wasabi-Aroma und können vielseitig verwendet werden. In der gehobenen Gastronomie finden sie Einsatz in Salaten, Saucen oder als fermentierte Beilage. »Traditionell wird das Rhizom mit einer Haifischhautreibe zerrieben, um die scharfen Senföle optimal freizusetzen. Doch auch eine feine Ingwerreibe kann für den Hausgebrauch eine gute Alternative sein,« so Simon.

Echter Wasabi statt Kren-Imitat
Die meisten Wasabi-Produkte auf dem Markt enthalten nur einen verschwindend geringen Anteil an echtem Wasabi – oft unter 1,5 Prozent. Der Rest ist meist eine Mischung aus Meerrettich (Kren), Senf und Farbstoffen. PhytonIQ verfolgt hingegen die Mission, echten Wasabi für Konsumenten zugänglich zu machen. Das Unternehmen produziert Wasabi-Paste und Wasabi-Pulver mit einem Anteil von acht Prozent und setzt dabei ausschließlich auf natürliche Zutaten. »Den Kren beziehen wir aus der Steiermark, also alles sehr regional.« PhytonIQ kultiviert derzeit fünf verschiedene japanische Wasabi-Sorten: Matsuma, Shogun, Mikado, Akaoni und Orochi. Jede Sorte weist eine eigene Geschmacksnuance auf, von grasig-frisch bis hin zu süßlich-würzig.
Die Wasabi-Paste wurde erstmals im Frühjahr 2024 in großer Menge auf den Markt gebracht, nachdem bereits seit Sommer 2023 intensiv produziert wurde. Mittlerweile sind die Produkte nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland, der Schweiz und Ungarn erhältlich. Auch renommierte Gastronomiebetriebe, darunter der Spitzenkoch Joachim Gradwohl, setzen auf den echten österreichischen Wasabi. Auf Anfrage können beispielsweise ganze Wasabi-Blätter zur Verfügung gestellt werden.

Ein Pionierprojekt mit Zukunft
Die Reise von PhytonIQ begann als kleines Startup und hat sich durch Crowdfunding und nachhaltige Innovationen zu einem der vielversprechendsten Indoor-Farming-Unternehmen Europas entwickelt. Mit der Mission, CO2-neutrale und wirtschaftlich nachhaltige Produktionsstätten für hochwertige Nutzpflanzen zu schaffen, experimentiert das Unternehmen neben Wasabi auch mit anderen Kulturen wie Safran, Erdbeeren und Microgreens.
Die Indoor-Farming-Technologie ermöglicht nicht nur eine ressourcenschonende Landwirtschaft, sondern könnte auch ein Modell für die Zukunft der Nahrungsmittelproduktion sein. In einer Welt, in der klimatische Bedingungen und Wasserknappheit immer größere Herausforderungen darstellen, bietet der österreichische Wasabi ein Beispiel dafür, wie innovative Anbaumethoden eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Lebensmittelproduktion sichern können.

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