Verkosten und mitnehmen: Die Sake-Bar im 2. Bezirk fungiert auch als Shop für die japanischen Originale.
© Roland Graf
30 Sakes glasweise: Die Neu-Erfindung des »Okra« als japanische Bar
Sake gab es immer schon, seit sich vor elf Jahren das Josefstädter Milchgeschäft ins japanische Lokal »Okra« verwandelte. Nun stellt Wolfgang Kriwanec – mit Sake-Sommelier Noel Pusch – das Trendgetränk vollends in den Mittelpunkt.
von Roland Graf
31. Januar 2025
Anrainer und Stammgäste erkennen schon am Aushängeschild, dass Wolfgang Kriwanec sein »Okra« umgemodelt hat. In sattem Rot steht nun »Sake« auf dem einst als Izakaya-Lokal gestarteten Haus in der Kleinen Pfarrgasse. Vor elf Jahren hat der Koch diese japanische Alltagsküche abseits der allgegenwärtigen Sushi und Ramen nach Wien geholt. In der Zwischenzeit hat sich seine Japan-Liebe einem Getränk zugewandt, dem er seit einigen Jahren auch eine eigene Festival-Woche widmet: Die »Vienna Sake Week« und der gestiegene Durst in Österreich ließen die neue Sake-Bar entstehen. Immerhin hat sich der Umsatz mit Sake in den letzten sieben Jahren bundesweit verneunfacht!

Ein riesiges Angebot kundig erläutert
Mitstreiter im »Zweiten« ist wie bereits in der Sake-Woche Noel Pusch, der als Sommelier bereits im weltbekannten »Zuma« tätig war. Wie auch Kriwanec ist Pusch auch in Japan zertifizierter Sake-Spezialist. Und als solcher erzählt er auch gleich zum Einstieg von den 23 Aminosäure, die Sake auch zu einem ernährungsphysiologisch interessanten Getränk machen. »30 bis 40 Abfüllungen gibt es bei uns immer glasweise«, will man die Scheu vor einer unbekannten Flasche (Standard-Größe: 720 Milliliter) nehmen. Das Zedernholz-Gefäß – der »Tokkuri« mit 18 cl Volumen gibt es im »Okra« – zwar auch, doch lieber probiert man aus einem Weinglas.
An Auswahl mangelt es dafür nicht: »Je nach Zählung spricht man von 1.300 lizensierten Sake-Brauereien«, so Pusch. Allerdings gingen nur 5% auch in den Export. Rund 600.000 Liter bezieht allein der deutsche Markt, in der EU die Nummer 2 nach Frankreich in Sachen der Reis-Spirituose. Gerade der Erfolg im Ausland habe aber die Brauer mutiger gemacht und etwa Varianten mit Fruchtgeschmack – am bekanntesten ist wohl der Yuzu-Sake – hervorgebracht. Diese Varianten wird es neben dem unfiltrierten Milchsake, einer Art »Zwickel«-Version des Reis-Getränks, oder Sparkling Sake im »Okra« geben. Denn das passionierte Duo ist überzeugt, dass es für jeden Geschmack den richtigen Sake gibt.

Izakaya-Klassiker als stimmige »Unterlage«
»Zu Sake gibt es auch immer etwas zu essen«, hat Kriwanec auch weiterhin eine kleine Karte für alle Japan-Fans parat. Wobei er selbst überrascht feststellt, dass die Auswahl der Klassiker aus den Izakayas am Ende doch 16 Gerichte ergab. Von den Edamame zum Knabbern über den langjährigen Gäste-Liebling »Geflämmter Lachs« bis hin zum unerlässlichen »Tonkatsu«, dem Schweinsschnitzel in der krachenden Panko-Hülle reicht die Palette. »Sake ist extrem Food friendly, er passt vor allem durch die herzhafte Note und leicht Süße zu sehr vielem«, weiß Noel Pusch. Zum »Kameman Genmai« (Präfektur Kumamoto) etwa kann er sich vom Risotto bis zum Weichkäse viele Partner vorstellen. »Der Vorteil gegenüber Wein ist, dass es keine spitze Säure gibt, die filigrane Gerichte schnell überlagert«. So hat sich Sake auch zu vielen puristischen Fisch-Rezepten als perfekt erwiesen.
Geöffnet ist die »Okra«-Bar Dienstag bis Freitag ab 18 Uhr, »der Samstag steht für Events und geschlossene Gesellschaften zur Verfügung«. Denn auch ein privates Sake-Tasting ist buchbar. Doch auch so garantieren Pusch und Kriwanec, »dass an jedem Tag ein Sake-Sommelier vor Ort sein wird«. Denn das Angebot wird auch wechseln, neue Abfüllungen bereichern dann die Auswahl. Im Extremfall können das auch nur wenige Flaschen sein, etwa von den raren und über zehn Jahre gereiften Sakes aus dem Holzfass.

Orientierung im Exoten-Angebot
Dass es derlei gibt, unterstreicht auch den Bildungsauftrag, den man im »Okra« für neugierige Genießer verfolgt. Die nach wie vor ungewohnte Kategorie, die mit Bezeichnungen wie »Junmai Ginjō« oder Polierraten des Reises verwirrt, schlüsseln die beiden Profis gästefreundlich auf. So benennt die Karte »elegante« oder »fruchtige« Sakes. Für Fortgeschrittene gibt es auch Raritäten wie den »Farmhouse Sake« der Brauerei Niida aus der Präfektur Fukushima – hier kommt Reis aus eigenem Anbau der sechs Hektar großen Landwirtschaft zum Einsatz. Die eigenwilligen Kräuternoten und ein ausgeprägter Umami-Geschmack (wie helle Sojasauce) zeigen auch dem Laien die Besonderheit dieser Abfüllung. Und natürlich hat Wolfgang Kriwanec, der seit längerem auch mit Sake handelt, alle Flaschen auch im Shop bereit. Wer also ein neues Lieblingsgetränk entdeckt, kann es auch vor Ort erwerben. Als Exot unter den Exoten findet sich dabei auch der »Wien-Sake«, der mit italienischem Risotto-Reis gebraut wurde.
Japanische Barkultur als Erweiterung
Dass sich alles um Sake dreht, liegt nahe, doch Kriwanec bringt auch weitere Spezialitäten der japanischen Trinkkultur in den Zweiten. Neben einer Auswahl an Whiskys aus Fernost werden auch Highballs im Japan-Stil (»mizuwari«) angeboten. Das kleine Angebot mit acht Cocktails kann sich noch erweitern. Denn zum »Negroni« auf Basis von Shochu dürfen auch weitere Kreationen stoßen. Inspirationen von Bartenderinnen wie Sigrid Schot, Nachbarin in der Großen Pfarrgasse mit ihrer »Hammond«-Bar, oder Japan-Kennerin Pauline Scholz sind angedacht. Doch zunächst startet die Sake-Offensive. Ganz getraue dem Wortspiel von Noel Pusch: »Wien sollte das mal sake-n lassen«!

Klassische Snacks im Izakaya-Stil wie das japanische Schnitzel Tonkatsu werden in der Bar gereicht.
Lesenswert
Vegetarische Gäste freuen sich: Die Ravioli bieten eine hochwertige Alternative zur aufwendigen Eigenproduktion.
© Hilcona
Schweizer Manufakturpasta gibt es jetzt auch für die Österreichische Profiküche
Die Gran Ravioli der Schweizer Manufaktur »LA PASTERIA« kommen mit einem Füllungsanteil von 60 Prozent und sind tiefgekühlt lieferbar. Die Premium-Pastalinie von Hilcona Foodservice ist jetzt erstmals auch in Österreich erhältlich.
Einer von fünf neuen Mitgliedsbetrieben: Die »Weinstube im Nikolaihof Wachau« ist jetzt Teil der »Wirtshauskultur Niederösterreich«.
© Nicolaihof
Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter: 5 neue Mitgliedsbetriebe stellen sich vor
Rund 200 Betriebe aus ganz Niederösterreich verbindet ein gemeinsames Bekenntnis zu regionalen Produkten, handwerklicher Qualität und gelebter Gastlichkeit. Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter und begrüßt kürzlich fünf neue Häuser.
Genuss funktioniert: 16.593 Euro Reinerlös für Krebspatienten in finanzieller Not.
© Rene Strasser
Beim »Fest der Sinne« wird klar: Genuss und der gute Zweck passen zusammen
Auf Schloss Kornberg versammelten sich rund 200 Gäste, 18 Spitzenköche und 18 Winzer, um gemeinsam eine kulinarische Bühne für die Österreichische Krebshilfe zu schaffen – mit Erfolg.
Ein geprüfter Brot-Sommelier im Team stärkt den Betrieb als Experte für Brotkarte, Gästeberatung und Qualitätskommunikation.
© LMAk
Brot-Expertise als Wettbewerbsvorteil: Jetzt zum »Brot-Sommelier« ausbilden lassen
Bereits zum dritten Mal bietet die Lebensmittelakademie des österreichischen Gewerbes in Kooperation mit der Bundesakademie Weinheim die Ausbildung zum »Geprüften Brot-Sommelier« an – Anmeldeschluss ist der 10. August 2026.
Sechs Finalisten, eine Blackbox-Challenge und eine fünfköpfige Jury: So läuft das Finale von »Next Generation« bei der Messe »Alles für den GAST« ab.
© Falstaff PROFI
Der große PROFI-Wettbewerb ist zurück: Bühne frei für die »Next Generation«!
Bereits in der Vergangenheit sorgte der Wettbewerb für Gastro-Karrieren. Komplett überarbeitet sucht nun die »Next Generation« gemeinsam mit »Lohberger« die Besten unter den jungen Talenten!
Hohe Ansprüche: Sauerteig, lange Teigführungen, handwerkliche Optik. Auch bei Großbäckern zählen wichtige Qualitätsmerkmale.
© Sonja Priller
Die Kraft der Kruste: Brot wird in der Gastronomie zum Qualitätsversprechen
Der Brot-Gang macht Image! Vom Frühstückskorb bis zum Signature-Burger ist gutes Gebäck wichtiger denn je. Wie Bäcker und Gastronomen gemeinsam an Qualität und Geschmack arbeiten.
Meist gelesen
In der »Freundschaft« Berlin hält man die besten Plätze für Stammgäste frei.
© Ingo Pertramer
Katzentisch oder »the perfect table«: Welche Gäste bekommen im Lokal welchen Platz?
Wer sitzt in der »Auslage«? Wer bekommt den Platz bei der Klotür? Das Gastro-Credo »Alle Gäste sind gleich« scheitert schlicht an begrenzten Plätzen: PROFI fragte nach, wie gefragte Lokale es mit der Tischvergabe halten.
Bevor der erste Gast sitzt, sind bereits Hunderttausende Euro investiert: Allein Equipment und Weinkeller schlagen mit rund 250.000 Euro zu Buche.
© unsplash.com/Igor Rand
Restaurant-Kalkulation im Detail: PROFI weiß, was die Sterne-Küche kostet
Fine Dining ist ein teures Vergnügen – für Gäste wie Gastgeber. Ein deutsches, junges Sternerestaurant ließ PROFI in seine Zahlen schauen, möchte aber anonym bleiben. Auch so wird transparent, was Spitzenleistungen kosten.
Allein in Deutschland hat sich die Zahl der Sternerestaurants von 201 im Jahr 2000 auf 328 im Jahr 2025 erhöht – doch bringen mehr Auszeichnungen zwingend mehr Erfolg?
© Malte Mueller/Getty Images
Sternchen oder Superstar? PROFI macht den Check: Das nutzen Auszeichnungen wirklich
Bewertungen gehören zur Gastronomie wie die Hitze zur Küche. Entsprechend viel Arbeits- und Lebenskraft verschlingen der Kampf um Auszeichnungen. Doch zahlt er sich auch in barer Münze aus? Sind am Ende die Bewertungen selbst überbewertet?
Laut »EcoAustria« könnte der Prozentpunkt langfristig bis zu 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.
© shutterstock.com/groviapoto
Beschlossene Sache: Die Lohnnebenkosten sinken ab 2028 um einen Prozentpunkt – reicht das?
Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten zu den teuersten Standorten Europas. Der Nationalrat hat nun eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 festgesetzt. Das ist ein Signal, das die Wirtschaft lange gefordert hat.
Ein Hotel, bei dem die Servicearbeiten ausschließlich von Robotern gemacht werden? Auf der »West Artificial Island« in China wird das bald Realität (Symbolbild).
© shutterstock.com/Jihun Sim
Roboter statt Rezeption: In China entsteht erstes vollautomatisiertes Hotel
»Pudu Robotics« und »Shenzhen CTID« planen das weltweit erste vollständig robotergestützte Hotel, ein Testbetrieb ist noch für Ende 2026 geplant. Die Frage, in welchem Maß Roboter auch in europäischen Betrieben Einzug halten, wird immer relevanter.
90 Prozent der Österreicher wollen, dass Bargeld auch in Zukunft Teil der Gastronomie bleibt.
© unsplash.com/Omid Armin
»Cash ist fesch«: Neue Initiative für Bargeld in der Gastronomie – jetzt abstimmen!
Die »Geldservice Austria« (GSA) und der Fachverband Gastronomie der WKO starten die Initiative »Bargeldfreundlicher Betrieb«. Damit möchte man Bargeld in der Gastronomie sichtbarer machen.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

