Paulus und Michael Stuller von »L. Heiner« mit Familie

Paulus und Michael Stuller mit Familie in einer Filiale ihrer k.u.k. Hofzuckerbäckerei »L. Heiner«.

© L. Heiner

»L. Heiner« wird 185 Jahre: So feiert der Kardinalschnitten-Erfinder

Die sechste Generation hütet in der letzten k.u.k. Hofzuckerbäckerei in Familien-Besitz die Wiener Backtradition. Michael Stuller hat zum Geburtstag der 1840 begründeten Dynastie – Arbeitgeber für 136 Personen – wieder Neues kreiert.

von Roland Graf
01. September 2025

Marzipankartoffel, Esterházytorte, Grillage-Schifferl – was anderswo längst unter Nostalgie läuft, wird für die sechs Standorte von »L. Heiner« täglich frisch produziert. »Wir sind stolz darauf, das Erbe unserer Vorfahren fortzuführen und auch in bewegten Zeiten hohe Kunst der Wiener Konditorei zu bewahren«, sagt dazu Michael Stuller beim Rundgang durch die Simmeringer Backstube. 40 Mitarbeiter fertigen hier vom Fingernagel-großen Marzipan-Ornament bis zur Sachertorte die umfangreiche Palette der k.u.k. Hofzuckerbäckerei. Genau genommen, ist das 1840 noch bei Maria am Gestade situierte Unternehmen sogar doppelter Hoflieferant. Valentin Heiner, der Schwiegersohn des Gründers, brachte den »Bayerischen Hoflieferanten« mit. »Der bayrische Titel ist der ältere und findet sich sogar im Ansuchen um die k.u.k.-Auszeichnung«, kennt Konditor Stuller die Firmengeschichte bestens.

Michael Stuller in der Backstube von Heiner
Michael Stuller und sein Marzipan – eine wichtige Zutat in der Wiener Konditorei, natürlich hausgemacht. | © Roland Graf

Kaffeehaus oder Konditorei?

Die 185-jährige Erfolgsgeschichte führt man auf das Können der Mitarbeiter sowie die unerschütterliche Treue der Kunden zurück. »Mütter mit Kinderwägen kommen ebenso wie Großeltern mit den Enkeln«, sieht Stuller die Wiener Mehlspeisen weiter als gefragte Artikel. »Dass das süße Leben aussterbe, hat man schon vor 30 Jahren gesagt«. Unterschiede in den Filialen sieht man vor allem im Vergleich zwischen Wien (mit Wollzeile, Kärntnerstraße, Hernals und Simmering) und den Standorten Stockerau und Perchtoldsdorf. »In der Stadt mit dem starken Mitbewerb bei Kaffee werden wir eher als Konditorei wahrgenommen, am Land als Kaffeehaus«, so der 46-Jährige.

Gewachsen ist Heiner in den letzten beiden Generationen. Während die Produktion bis 1999 im »Stammhaus« Wollzeile erfolgte, kam nach der Kärntnerstrasse (1949) der Standort in Perchtoldsdorf (1969) dazu. Mit der Übernahme der Filiale in Stockerau (2007) und der ehemaligen Konditorei Klement in Hernals (2013) erweiterte Paulus Stuller das Vertriebsnetz. Der langjährige Innungsmeister engagierte sich vor allem bei Betrieben, die keinen Nachfolger hatten.

Heiner-Topfengolatschen
Da sieht man die Handarbeit: Jede Topfengolatsche aus der Simmeringer Backstube schaut ein klein wenig anders aus. | © Roland Graf

Hüter des süßen Handwerks

Die 185 Jahre in durchgehenden Familienbesitz sind für ihn auch »mehr als nur eine Zahl, nämlich das Ergebnis von Leidenschaft, harter Arbeit und dem unerschütterlichen Zusammenhalt unserer Familie«. So schafft man es bis heute, bis auf wenige zugekaufte Dekore, etwa Schokolade-Schildchen, weitgehend alles selbst zu erzeugen. Lange war selbst die Marillen-Marmelade hausgemacht, »Kirschen legen wir bis heute aber selber ein«, gibt Michael Stuller ein Beispiel. Parallel wird bereits Windbäckerei in Form gebracht, während Produktionsleiter Patrick Harrer mit Airbrush-Technik eine Schokoglasur auf der der Orangen-Torte anbringt. Selbst Kokoskuppeln entstehen in der Simmeringer Hauptstraße – gegenüber vom Tor 4 des Zentralfriedhofs – händisch! »Die Konditorwaren bestehen halt aus vielen verschiedenen Produkten«, fasziniert Stuller die Vielfalt von Käsegebäck und Schinkenrolle bis Eiscreme und Schokoladen-Torten. »Sie alle sind wieder aus vielen Bestandteilen zusammengesetzt«, will man diesen handwerklichen Aufwand auch stärker kommunizieren. »Nicht alles funktioniert auf Social Media«!

Dafür dient auch der »k.u.k. Taler«, die neue Kreation zum Heiner-Geburtstag. Als »essbare Erzählung« verbindet er die süßen Momente mit den überstandenen Herausforderungen der Geschichte. Daher wählte Stuller Nougatwaffelcreme in einer Zartbitterschokolade-Hülle. Naschereien wie diese Neukreation, aber auch Petits Fours und Saison-Waren (z. B. Osterhase oder Nikolaus) beziehen Wiener am liebsten am alten Firmensitz in der Wollzeile.

Keine Feier ohne »Kardinal«

Diesem zentralen Standort verdankt sich auch die bekannteste Kreation der Konditorei. Als Kardinal Theodor Innitzer 1933 im Erzbischöfliche Palais gegenüber den Katholikentag plante, hatte Ludwig Heiner eine Idee: Er kombinierte die Farben des Vatikans (Gelb und Weiß) in einer Biskuit- und Baisermasse, die als Kardinal-Schnitte Furore machen sollte. »Hausfrauen sind oft stolz auf ihre Ribisel-Marmelade, aber das Original gehört mit Marillen-Marmelade«, hat Stuller die Rezeptur seines Urgroßvaters nicht verändert. Ihr Geheimnis ist das Volumen des Eischnees, womit sie mit zwei Lagen auskommt. Drei Lagen wie bei der »Creme-Kardinal“ seien jüngeren Datums, so der Kenner. Und natürlich haben beide Versionen auch ihre Rolle bei der Feier zum »185er«: Von 3. bis 30. September gibt es sie zum Sonderpreis – entweder mit einer Schale Melange oder zum Mitnehmen.

Lesenswert

Johann Lafer - Falstaff PROFI

»In Graz habe ich nicht nur mein Handwerk gelernt, sondern auch den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln und den Wert harter Arbeit« sagte Johann Lafer über seine Lehrzeit im »Gösser Bräu«.

© Phil Lihotzky

Johann Lafer ist zurück in Graz: Im »Gösser Bräu« feiert er sein 50-jähriges Kochjubiläum

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Spitzenkoch in der Steiermark seine Kochlehre abschloss – damit begann seine internationale Karriere. Zum Jubiläum kehrte Johann Lafer jetzt zu seiner Wirkungsstätte zurück.

Hotel-Mitarbeiterin - Falstaff PROFI

Positives Signal für die Zukunft: 74 Prozent der befragten Hotel-Lehrlinge möchten grundsätzlich in der Branche bleiben.

© shutterstock.com/Drazen Zigic

»Wenn es nur überall so wäre«: Hohe Arbeitszufriedenheit bei Hotel-Lehrlingen

Neue Studie der ÖHV zeigt: Hotel-Lehrlinge sind zufriedener als der durchschnittliche Angestellte in Österreich. Trotzdem gibt es auch klaren Handlungsbedarf.

„Superior Hotels Mühlviertel“ - Falstaff PROFI

Das sind die Vertreter der zehn Mitgliedsbetriebe der neuen Hotel-Allianz »Superior Hotels Mühlviertel«.

© TVB Muehlviertel

Neue Hotel-Kooperation in Österreich: »Superior Hotels Mühlviertel« vereinen ihre Kräfte

Zehn Vier-Sterne- und Vier-Sterne-Superior-Hotels schließen sich zur neuen Allianz zusammen. Das Ziel ist dabei, die Region gemeinsam zu vermarkten, neue Märkte zu erschließen und die Interessen der Mühlviertler Hotellerie geschlossen zu vertreten.

AIDA Zentrale

1921 beginnt die Produktion in der Porzellangasse – noch heute werden alle Produkte in Wien per Hand produziert.

© AÏDA

Offiziell bestätigt: Die Wiener AÏDA ist die älteste Kaffeehauskette – der Welt!

Lange bevor moderne Coffeeshops erfunden wurden, gründete ein Wiener 1913 die erste Filiale der »AÏDA« und baute sie über Generationen hinweg zu einer Kaffeehauskette aus. Was hinter dem Erfolgskonzept steckt.

Reisetbauer - Falstaff PROFI

Die zündende Idee kam Hans Reisetbauer vor 20 Jahren: ein österreichischer Gin. Zehn Jahre später folgte der Vodka.

© beigestellt

Gin

Die Familie Reisetbauer hat einiges zu feiern: Doppeltes Jubiläum für Gin und Vodka

Seit 20 Jahren wird der »Blue Gin« in der Qualitätsbrennerei in Oberösterreich destilliert, seit 10 Jahren der »Axberg Vodka«. Wie man ein zweifaches Jubiläum gebührend feiert, zeigte Familie Reisetbauer und lud in den Familienbetrieb ein.

Herr Franz - Falstaff PROFI

Seit 1986 ist »Herr Franz« aus dem »Unterwirt« in Ebbs weder für Gäste noch für Familie Steindl wegzudenken.

© Tollerien Didi

So kann Gastro gelingen: »Herr Franz« feiert 40 Jahre im »Unterwirt«

»Herr Franz« feiert gleich doppelt: 40 Jahre im »Unterwirt« in Ebbs und seinen 60. Geburtstag. Eine Geschichte die zeigt, dass Gastronomie mit Wertschätzung und Treue funktioniert.

Meist gelesen

Mitarbeiter-Benefits Top-Betriebe - Falstaff PROFI

Spa nutzen wie die Gäste: Das dürfen die Mitarbeiter im »Naturhotel Forsthofgut« in Leogang.

© canva.com / Vasyl Dolmatov

Attraktive Benefits: Was vier Hotelbetriebe ihren Mitarbeitern bieten

Personal ist rar in der Branche, daher müssen Betriebe etwas bieten. PROFI hat recherchiert und bei vier Top-Hotels nachgefragt, mit welchen konkreten Vorteilen sie ihre Mitarbeiter begeistern und langfristig binden.

Schnell, kalkulierbar und günstig: Fast Food in Österreich legt ordentlich zu.

© canva.com

Gäste sparen beim Essen gehen – Fast Food profitiert massiv

Steigende Preise in der klassischen Gastronomie verändern das Konsumverhalten spürbar. Viele Gäste setzen zunehmend auf günstigere Alternativen – und bescheren Fast-Food-Anbietern in Österreich ein starkes Umsatzplus.

Meinl - Falstaff PROFI

Mit der neuen personellen Verstärkung investiert »Julius Meinl« in die persönliche Betreuung seiner Kunden in ganz Österreich.

© Julius Meinl

»Julius Meinl« baut sein Vertriebsteam in Österreich aus

Der Wiener Traditionsröster »Julius Meinl« verstärkt seinen Außendienst in Österreich mit mehreren erfahrenen Branchenexperten. Damit soll die persönliche Betreuung von Gastronomie- und Hotelbetrieben weiter ausgebaut werden.

Zauner Pop-up Innsbruck - Falstaff PROFI

Vor Ort bei der Eröffnung in Innsbruck (v.l.n.r.): Dr. Christof Splechtna (Vorstand Raiffeisen-Landesbank Tirol), Philipp Zauner und Claudia Huber (Quartiersmanagement DAS RAIQA)

© Simon Fischler

Süßes Pilotprojekt: »Zauner« wagt sich mit temporärem Pop-up nach Innsbruck

Der Traditionsbetrieb verlässt erstmals Bad Ischl: »Zauner« will mit einem Pop-up-Store Innsbruck erobern. Doch dahinter steckt mehr als ein Standortwechsel. Es ist ein Testlauf für neue Vertriebs- und Markenkonzepte.

25 Jahre Jubiläum Facile - Falstaff PROFI

Das Team rund um Küchendirektor Michael Kempf (3. v. l.) gibt zum 25-jährigen Jubiläum des »Facil« Einblicke in seine Arbeit.

© Selina Schrader

So geht Jubiläum: Das »Facil« feiert 25 Jahre Spitzenküche mit neuen Formaten

Das im »The Mandala Hotel« beheimatete Zwei-Sterne-Restaurant feiert ein Vierteljahrhundert. Den Jahrestag nutzt man gezielt für Markenpflege und Gästebindung – und indem man zeigt, wie sich Tradition strategisch inszenieren lässt.

Gastro Fitness-Check 2026 ÖHT - Falstaff PROFI

Dass die Umsätze gestiegen sind, ist v.a. preisgetrieben. Mehr Gäste wären wünschenswert.

© canva.com

Gastro 2026: Preise treiben Umsatz, Gästezahlen hinken hinterher

Die heimische Gastronomie zeigt leichte wirtschaftliche Stabilisierung, doch von nachhaltiger Entspannung ist die Branche weiterhin entfernt. Steigende Personalkosten und niedrige Frequenzen prägen die betriebswirtschaftliche Realität.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!