Erstmals ein Anbauland im Fokus: Indien war der Star auf dem »Vienna Coffee Festival 2025«.
© VCF2025/Christina Karagiannis
Trends, tassenweise: Die heißesten Neuheiten vom »Coffee Festival«
Kantig darf es werden in der Espresso-Tasse, neue Herkunftsländer sind zu entdecken und selbst bei der Milch für die Melange tut sich was. Das »Vienna Coffee Festival« zeigte, was Röster und Barista momentan am meisten fasziniert.
von Roland Graf
16. September 2025
Single Origin bleibt das Zauberwort bei der qualitativen Oberliga in der Tasse. Dass sich die traditionellen Kaffeeländer in Südamerika neuen Anbietern gegenübersehen, war beim Rundgang in der Wiener Marx-Halle deutlich zu sehen. Organisator Günther Gapp hatte wieder eine beeindruckende Vielfalt an Servier-Anregung im lässigen Festivalambiente versammelt. Ob Ruanda oder Äthiopien, wichtig war den Röstern und Cafés, die Besonderheiten ihrer Kaffees hervorzuheben. Das bedeutet etwa auch ungewohnte Säure – wie sie Niv Graf vorstellte: »Es ist ein »natural«, das darf etwas wilder sein«, so der Niederösterreicher. Mit seinem Start-up »Kaffeegraf« und dezenteren Röstungen will er gerade diese Nuancen schmeckbar machen.

Bier und Kaffee als Partner
Vergleiche mit Himbeeren bemühte man auch bei der Schweizer Traditionsrösterei »Stoll«, die bereits zum dritten Mal in Wien gastierte. Auch da sind es die neuen Zubereitungsarten, die dies Finessen und Säurenoten betonen: »Der funktioniert auch kalt im Sommer gut«. Ganzjährig hingegen lässt sich ein zweiter Trend des Festivals in der Gastronomie umsetzen: Cocktails mit Kaffee. Der »Espresso Tonic« darf ohnehin nicht fehlen, wie »Gota Coffee« bewies. Michael Kolarik-Leingartner hatte das Thema aber noch um eine Facette bereichert. Mit Budweiser-Bierspezialitäten stellte er »Barley & Beans« vor. Von der leichten Version eines »Espresso Martini« mit dunklem Bier statt Wodka bis zum Vanille-satten Digestiv verblüfften die Shots.
Immer noch ein Wachstumsmarkt sind neben den Mischgetränken auch die Milch-Alternativen. Was in den Coffee-Bars seinen Ausgang nahm, ist nun im klassischen Kaffeeservice im Restaurant ein Thema geworden, wenn man Gäste mit Laktose-Unverträglichkeiten gewinnen will.

Gerste ersetzt Kuhmilch
Dieser Markt wird nicht den internationalen Anbietern von Soja-, Reis- oder Haferprodukten überlassen. Mit einer Neuheit aus österreichischem Getreide stellte sich etwa die Brauerei Trumer vor. »Sigl« – benannt nach der Eigentümerfamilie – stellt eine Mischung aus Hafer und Gerste dar. Sie kann cremig aufgeschäumt werden und trägt daher den Zusatz »Die Barista«.
Erweitert wurde die Kaffee-Welt aber nicht nur um Milch und Alternativen (u. a. auch von »Alpro«). Der Fokus auf Herkunft und Zubereitungen erfasst nun auch zwei eher stiefmütterliche Heißgetränke. Tee und Kakao nahmen in der Marx-Halle breiteren Raum denn je ein. Vom Social Media-Hit Matcha bis hin zur heißen Schokolade mit Chili reichte die Palette. Dem Tee – oft genug billige Beutelware – könnte ein wenig von der Espresso-Expertenkultur jedenfalls nicht schaden.
Scheinwerfer auf Indien
Doch zurück zum eigentlichen Star des »Vienna Coffee Festivals«. Mit einem Anbauland als Partner zeigte man erstmals, wo aktuell viel Wachstum beim Anbau passiert. Indien hat nicht nur sein bekanntestes Produkt, den wiederentdeckten »Monsoon washed Malabar«, zu bieten. Mit der neuen Marke »Aurora Kapi«, die Denisa Lakosilova präsentierte, ist er bereits mitten in Wien-Penzing gelandet. Das Start-up war nur einer der indischen Anbieter, allerdings hält man dort die gesamte Palette von Bohnen über Kapseln und Pads bis zum Kaffee-Konzentrat (etwa für Bars) parat. Denn ein Trend schlägt auch 2025 alle: die Vielfalt der Zubereitung.

Auszeichnungen für die Besten der Szene
Die Vienna Coffee Festival Awards 2025 gingen an die Geschwister Katharina und Markus Brun von »Gota Coffee«, das heuer zu Europas bestem Coffee Shop und zur Nummer 3 weltweit gekürt wurden. Außerdem an Martin Wölfl von »Wild Kaffee«, im Vorjahr »World Brewers-Champion 2024«, sowie an das Team von »220 Grad« aus Salzburg. Am letzten Tag des Festivals freute sich dann noch WM-Teilnehmer Junior Vargas (»Victoria Arduino«) zum fünften Mal in Folge über die Auszeichnung als bester Barista Österreichs. Die Villacherin Alina Kirchner (»Biest Coffee«) überzeugte zum zweiten Mal die Jury in der Kategorie »Latte Art«.
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