Starke Gratulation: Stephan Ferenczy (BEHF Architects) hielt die Laudation für das schönste Café/Bistro, gestaltet von Martino Hutz (links).
© Roland Graf
Ästhetisch essen: Diese Vier haben die schönste Gastro-Architektur
Am Ende gibt es den Bildband: Erneut kürten Experten wie Falstaff PROFI für den Callwey Verlag die 50 schönsten Restaurants, Hotels und Bars des Jahres. Gratulationen gehen nach Hamburg, Berlin und – gleich zwei Mal! – nach München.
von Roland Graf
13. Oktober 2025
Rollkragen, generell viel schwarze Kleidung und strenge Brillen – an Architekten-Klischées mangelte es in den Design Offices in München nicht. Der auf Design spezialisierte Callwey Verlag hatte ein gewaltiges Programm für Gestalter und Bauherren auf die Beine gestellt. Nach einer Runde durch die Showrooms der Isar-Metropole ginge es mit der Tram 21 in die »Macherei«. Dort gab es neben Essen auch Gedanken-Nahrung, unter anderem von Tim Fu, der seine per KI entwickelte Architektur zur Diskussion stellte.
Für den Höhepunkt des Tages, die Kür der schönsten Restaurants, Hotels und Bars im deutschen Sprachraum, verließen sich die entwerfenden Büros aber auf klassische Skizzen. Und hier sind die Gewinner in den vier Gastro-Kategorien, die in München geehrt wurden.

Schönstes Restaurant
Authentikka Mitte, Hamburg – »Keine Elephanten-Gott-Statue?«, scherzte Moderator Jörg Thadeusz. Denn Sonja und Tarun Rana als Betreiber verweigerten Kitsch in ihrem zweiten Restaurant in Winterhude (2019 hatten sie in der Schanze das erste »Authentikka« eröffnet). Dafür wurden sogar Elemente des Vorgängerlokals (Til Schweigers »Barefood Deli«) recycled, als Janis Nachtigall und Dana Mikoleit vom Büro »Lineatur« gestalterisch für »Modern India Nostalgia« sorgten.
Schönste Bar
Tagesbar Anima, München – »Trotz der extremen Raumhöhe, entsteht Kommunikation«. Der Satz der Jury, in der auch Falstaff PROFI mitstimmte, wurde von Sascha Arnold (Arnold/Werner Architekten) noch verschärft: »So einen Raum bespielt man nur einmal im Leben!«, meinte der Gestalter der Tagesbar »Anima« im Westen Münchens. 25 Meter Höhe (!) machen das ehemalige Heizkraftwerk heute zu einer markanten Gastrofläche, die »respektvolle Authentizität« gegenüber dem Altbestand zeigt.

Schönstes Café/Bistro
Cœur by Fede & Phil, München – »Diese Bar«, so der versierte Restaurant-Gestalter Stephan Ferenczy (BEHF Architects) »bedient kein ästhetisches Konzept, sie erklärt ihre Absicht als ›Wunderkammer‹«. Dazu trügen die chromatisierten Metallwände und Flaschenregals der kleinen Tagesbar in der Maxvorstadt einen wesentlichen Teil bei. Ferenczy als Vorjahresgewinner in dieser Kategorie lobte vor allem auch das Halbkugel-Element, das den von Martino Hutz (MHA) gestalteten 62 m²-Raum optisch vergrößert.
Schönstes Hotel
Telegraphenamt, Berlin – Zehn Jahre, »immer in Abstimmung mit dem Denkmalschutz« (© Architektin Maren Mogalle), währte der Umbau der einstigen Rohrpostzentrale. Heute sorgt die U-förmige Bar für die Kommunikationszentrale des 97 Zimmer-Hauses. »Dreimeta« hatte das 4.600 m² große Schmuckstück nahe den Hacke’schen Höfen umgesetzt. Besonders die Integration der alten Technik als Element in den Bankett-Räumen wurde als ein Plus (neben Wählscheiben-Telefonen in den Zimmern) hervorgehoben.

Ein netter Zufall prägte dann die Preisvergabe bei den Büro-Bauten. Hier holte der Nachbar von FALSTAFF in Wien, die renommierte Anwaltskanzlei DLA Piper, den Preis für die besten Fotos eines »Office Spaces«. Fabian Gruber hatte ihre Kanzleiräume in der alten Creditanstalt ins beste Licht gerückt. Und mit dem Foto-Preis für die Kategorie »Healing Architecture« – er ging an Hans Georg Esch – wurde sogar ein weiteres Hotelprojekt geehrt: der »Lanserhof Sylt«.
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