Wein - falstaff PROFI

Perfekter Service: Den Gast »zu lesen« zählt für Sommeliers heute mehr denn je.

© Stocksy

Was geht noch beim Wein? Wie Sie zum Jahresende den Umsatz ankurbeln

Die letzten Wochen im Jahr können – mit ihrer Fest-Stimmung – den Wein-Umsatz retten. Was es dazu braucht und womit man punktet, wissen Österreichs beste Gastro-Weinlieferanten!

von Roland Graf
18. Dezember 2025

Es ist halt so: »Bad news are good news.« Folgt man den aufgeregten Nachrichten im Internet, dann steht die Weinwirtschaft vor dem Kollaps. »Wir können das in dieser Form nicht ganz nachvollziehen«, zeichnet Raimund Döllerer ein deutlich differenziertes Bild. »Zahlenmäßig liegen wir deutlich über den Vorjahren; Wein wird nach wie vor gerne konsumiert.« Veränderungen im Konsumverhalten haben vor allem dem Rotwein-Konsum zugesetzt. »Wir entwickeln uns – trotz der negativen Stimmung – positiv«, fasst beim PROFI-Rundruf auch Andreas Hayder die Situation zusammen. Wo noch etwas geht in der Gastronomie, ist für den obersten Wein-Einkäufer bei Transgourmet Trinkwerk ziemlich eindeutig zu sagen: »Der Bereich Schaumwein erweist sich als Wachstumstreiber.«

»Wenn es einem Sommelier gelingt, sich wirklich auf den Gast einzulassen, wird er automatisch mehr verkaufen.«

Raimund Döllerer, Falstaff PROFI
Raimund Döllerer, Geschäftsführer Döllerer Weinhandelshaus, Kuchl | © Patrick Langwallner

Prickelnde Ausnahmen

Prosecco verzeichnete ein deutliches Plus (fast sieben Prozent!). Ebenso erfreulich entwickelte sich die Kategorie Champagner, allen voran die Winzerchampagner. »Hier sehen wir ein zunehmendes Interesse an individuellen Handschriften und Herkunftsprofilen«, so der Abteilungsleiter
»Category Management Getränke«. Hayder nennt u. a. Egly-Ouriets »Grand Cru Brut« als Beispiel, doch am stärksten wächst die Kategorie Crémant. Das bereits vor einiger Zeit aufgebaute Sortiment erweist sich jetzt als Preis-Leistungs-Geheimtipp für die Gastronomie und Hotellerie.

Womit man beim zentralen Thema für den Gastro-Einkauf wäre, dem lieben Geld. Für Julius Marksteiner, Shopleiter beim Linzer Händler Weinturm, spricht mehr denn je alles für eine solide Mischkalkulation. Denn der Markt sei aktuell besonders umkämpft: »Aufgrund vieler guter bis großartiger Ernten in den vergangenen Weinjahren ist auf jeden Fall weltweit genug Wein verfügbar.« Marksteiner nennt auch einen klaren Vorteil für die Wirte, sofern sie Uralt-Kalkulationen der Marke »Netto-Einkaufspreis mal vier« überdenken: »Durch das Ankurbeln des Flaschenverkaufs kann der Umsatz aufgebessert werden« sieht er eine Einnahmequelle unabhängig vom Speisenangebot. Denn das kommt deutlich mehr unter Kalkulationsdruck.

Zuhören statt zutexten!

Allerdings ist dazu auch der menschliche Faktor entscheidend. Den Sommelier einzusparen oder sein Einkaufsbudget zu kürzen, setzt eindeutig am falschen Ende an. »Der Konsum hat sich spürbar verlagert, was bei Wein durch wechselnde Trends nichts Ungewöhnliches ist«, sieht Christoph Morandell vom gleichnamigen Tiroler Weinhandelshaus vielmehr die klassische Beratung am Gast im Aufwind. »Präzise Beratung, spürbare Fachkompetenz und aufmerksamer, zuvorkommend höflicher Service« seien mehr denn je gefragt. Dazu kommt die Rolle des Serviceleiters als Korrektiv zu Fehlmeldungen und Zeitgeist: »Entscheidend wird sein, wieder mehr positive Impulse zu setzen.«

Anstatt des undifferenzierten Verdammens von Wein habe man beim Ansprechen der gesundheitlichen Aspekte noch »Luft nach oben«. Das, so Christoph Morandell, gelte aber auch für die Rolle von Wein als Essensbegleiter. »Dass sich Sommeliers über den Gast stellen und eher belehrend wirken« sei jedenfalls vorbei, bekräftigt sein Salzburger Kollege Raimund Döllerer. Ein Beispiel, wie nötig Kommunikation ist, stellt für ihn das »neue Bordeaux« dar. Die Rotwein-Region stehe für Kenner dank biologischem und biodynamischem Weinbau heute vielfach »für Feinheit, Eleganz, Balance, Frische, Komplexität und moderaten Alkohol- sowie Holzeinsatz – eine klare Abkehr von der Parker-dominierten Stilistik der 1990er-Jahre«.

»Trotz aller Schwierigkeiten zeigt sich, wie stark Wein als Kulturgut verankert bleibt. Viele Konsumenten bleiben dem Thema treu und wollen sich weiterhin intensiv damit beschäftigen.«

Christoph Morandell - Falstaff PROFI
Christoph Morandell, Geschäftsführer Morandell International, Wörgl | © Christoph Ascher

Die Vorauswahl treffen

Dazu kommt die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen im Premiumsegment, die unisono alle vier Wein-Fachleute bestätigen. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, erwartet sich der Gast vom Sommelier. Fade entalkoholisierte Optionen zum Preis eines Achtel Weins sind dabei inakzeptabel (und widersprechen der Getränke-Kompetenz). Trinkwerk-Mann Andreas Hayder bekräftigt die technische Entwicklung besonders bei entalkoholisierten Schaumweinen sowie Produkten auf Traubensaft- oder Verjus-Basis. »Immer mehr Top-Winzer beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema.« Markus Huber mit seiner Linie »Layla Sparkling« oder das Gemeinschaftsprojekt von Christoph Neumeister und Katharina Tinnacher (»Camouflage« – aus Muskateller-Traubensaft, Verjus und Bio-Kräutern) seien hier Beispiele.

Das Weinglas, auch wenn es Promille-frei befüllt ist, bleibt also auch 2026 halb voll. Das ist ein Fazit für Christoph Morandell aus dem heurigen Jahr, »das für die Branche zweifellos zu den anspruchsvolleren zählt«. Wenn man das richtige Angebot hat und zu vermitteln versteht, passt auch der Absatz. Denn: »Viele Konsumenten bleiben dem Thema treu und wollen sich weiterhin intensiv damit beschäftigen«.

Lesenswert

La Pasteria

Vegetarische Gäste freuen sich: Die Ravioli bieten eine hochwertige Alternative zur aufwendigen Eigenproduktion.

© Hilcona

Schweizer Manufakturpasta gibt es jetzt auch für die Österreichische Profiküche

Die Gran Ravioli der Schweizer Manufaktur »LA PASTERIA« kommen mit einem Füllungsanteil von 60 Prozent und sind tiefgekühlt lieferbar. Die Premium-Pastalinie von Hilcona Foodservice ist jetzt erstmals auch in Österreich erhältlich.

Nikolaihof - Falstaff PROFI

Einer von fünf neuen Mitgliedsbetrieben: Die »Weinstube im Nikolaihof Wachau« ist jetzt Teil der »Wirtshauskultur Niederösterreich«.

© Nicolaihof

Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter: 5 neue Mitgliedsbetriebe stellen sich vor

Rund 200 Betriebe aus ganz Niederösterreich verbindet ein gemeinsames Bekenntnis zu regionalen Produkten, handwerklicher Qualität und gelebter Gastlichkeit. Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter und begrüßt kürzlich fünf neue Häuser.

Initiative Köche kochen für die Krebshilfe - Falstaff PROFI

Genuss funktioniert: 16.593 Euro Reinerlös für Krebspatienten in finanzieller Not.

© Rene Strasser

Beim »Fest der Sinne« wird klar: Genuss und der gute Zweck passen zusammen

Auf Schloss Kornberg versammelten sich rund 200 Gäste, 18 Spitzenköche und 18 Winzer, um gemeinsam eine kulinarische Bühne für die Österreichische Krebshilfe zu schaffen – mit Erfolg.

Absolventen Brotsommelier - Falstaff PROFI

Ein geprüfter Brot-Sommelier im Team stärkt den Betrieb als Experte für Brotkarte, Gästeberatung und Qualitätskommunikation.

© LMAk

Brot-Expertise als Wettbewerbsvorteil: Jetzt zum »Brot-Sommelier« ausbilden lassen

Bereits zum dritten Mal bietet die Lebensmittelakademie des österreichischen Gewerbes in Kooperation mit der Bundesakademie Weinheim die Ausbildung zum »Geprüften Brot-Sommelier« an – Anmeldeschluss ist der 10. August 2026.

Next Generation - Falstaff PROFI

Sechs Finalisten, eine Blackbox-Challenge und eine fünfköpfige Jury: So läuft das Finale von »Next Generation« bei der Messe »Alles für den GAST« ab.

© Falstaff PROFI

Der große PROFI-Wettbewerb ist zurück: Bühne frei für die »Next Generation«!

Bereits in der Vergangenheit sorgte der Wettbewerb für Gastro-Karrieren. Komplett überarbeitet sucht nun die »Next Generation« gemeinsam mit »Lohberger« die Besten unter den jungen Talenten!

Hohe Ansprüche: Sauerteig, lange Teigführungen, handwerkliche Optik. Auch bei Großbäckern zählen wichtige Qualitätsmerkmale.

© Sonja Priller

Die Kraft der Kruste: Brot wird in der Gastronomie zum Qualitätsversprechen

Der Brot-Gang macht Image! Vom Frühstückskorb bis zum Signature-Burger ist gutes Gebäck wichtiger denn je. Wie Bäcker und Gastronomen gemeinsam an Qualität und Geschmack arbeiten.

Meist gelesen

Berliner »Freundschaft« - Falstaff PROFI

In der »Freundschaft« Berlin hält man die besten Plätze für Stammgäste frei.

© Ingo Pertramer

Katzentisch oder »the perfect table«: Welche Gäste bekommen im Lokal welchen Platz?

Wer sitzt in der »Auslage«? Wer bekommt den Platz bei der Klotür? Das Gastro-Credo »Alle Gäste sind gleich« scheitert schlicht an begrenzten Plätzen: PROFI fragte nach, wie gefragte Lokale es mit der Tischvergabe halten.

Coverstory Sterne - Falstaff PROFI

Allein in Deutschland hat sich die Zahl der Sternerestaurants von 201 im Jahr 2000 auf 328 im Jahr 2025 erhöht – doch bringen mehr Auszeichnungen zwingend mehr Erfolg?

© Malte Mueller/Getty Images

Sternchen oder Superstar? PROFI macht den Check: Das nutzen Auszeichnungen wirklich

Bewertungen gehören zur Gastronomie wie die Hitze zur Küche. Entsprechend viel Arbeits- und Lebenskraft verschlingen der Kampf um Auszeichnungen. Doch zahlt er sich auch in barer Münze aus? Sind am Ende die Bewertungen selbst überbewertet?

Lohnnebenkosten - Falstaff PROFI

Laut »EcoAustria« könnte der Prozentpunkt langfristig bis zu 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.

© shutterstock.com/groviapoto

Beschlossene Sache: Die Lohnnebenkosten sinken ab 2028 um einen Prozentpunkt – reicht das?

Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten zu den teuersten Standorten Europas. Der Nationalrat hat nun eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 festgesetzt. Das ist ein Signal, das die Wirtschaft lange gefordert hat.

Round Table Wein - Falstaff PROFI

Die sieben Experten des Falstaff PROFI Wein Round Tables diskutierten offen von Kalkulation bis Nachwuchs über die Zukunft des Weins in der Gastronomie.

© Jan Tiam Dorfer

Jetzt als Video: Das war der große PROFI Round Table zum Wein

Kalkulation, Schmerzgrenzen der Gäste und die Frage, wie man junge Menschen für Wein begeistert. Beim Falstaff PROFI Wein Round Table diskutierten sieben Branchenexperten offen über die Herausforderungen des Weingeschäfts – schauen Sie hinein!

Roboter-Hotel - Falstaff PROFI

Ein Hotel, bei dem die Servicearbeiten ausschließlich von Robotern gemacht werden? Auf der »West Artificial Island« in China wird das bald Realität (Symbolbild).

© shutterstock.com/Jihun Sim

Roboter statt Rezeption: In China entsteht erstes vollautomatisiertes Hotel

»Pudu Robotics« und »Shenzhen CTID« planen das weltweit erste vollständig robotergestützte Hotel, ein Testbetrieb ist noch für Ende 2026 geplant. Die Frage, in welchem Maß Roboter auch in europäischen Betrieben Einzug halten, wird immer relevanter.

Bargeldfreundlicher Betrieb - Falstaff PROFI

90 Prozent der Österreicher wollen, dass Bargeld auch in Zukunft Teil der Gastronomie bleibt.

© unsplash.com/Omid Armin

»Cash ist fesch«: Neue Initiative für Bargeld in der Gastronomie – jetzt abstimmen!

Die »Geldservice Austria« (GSA) und der Fachverband Gastronomie der WKO starten die Initiative »Bargeldfreundlicher Betrieb«. Damit möchte man Bargeld in der Gastronomie sichtbarer machen.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!