Dhow Musafir Kenia Daniel Schober – Falstaff PROFI

Wir sind bereit! Der Abend auf der »Musafir« folgt einer fixen Dramaturgie.

© Musafir

»Dhow schau her«! Afrikas einzigartiges Genuss-Schiff und seine Wien-Connection

Mit dem »LichtHaus« hat Jan Langer in Kenia ein touristisches Phänomen geschaffen. Mittlerweile sticht auch die historische Dhow »Musafir« in See: Aus dem Güter-Segelschiff wurde ein Bar-Restaurant, das Gastköche anzieht. PROFI hat die Geschichte dazu.

von Roland Graf
17. März 2026

Es soll keiner sagen, dass Bar-Gespräche belanglos sind. Im Wiener »Prunkstück« war Jan Langer so begeistert von den Drinks, dass er sich die Nummer des Bartenders organisierte. Vier Jahre später klingelte bei Daniel Schober das Telefon, »zwei Wochen später war ich in Afrika«, so Schober. Der versierte Gastro-Consultant (»booze concepts«) sollte das Projekt namens »Musafir« für die Winter-Saison 2026 startklar machen. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Restaurant samt Bar an Bord eines traditionellen arabischen Lastenseglers alias Dhow am Mida Creek in Kenia.

Nach dem Shot aufs Genuss-Schiff

»Afrika hat keiner am Schirm«, schwärmt »Dani« Schober von den bisherigen Aufbauleistungen der Familie Langer. Hans Georg Langer, als Techniker mit Patenten zu Wohlstand gelangt, hat die Hotelanlage »Temple Point« entwickelt. Sohn Jan setzte mit dem »LichtHaus« eine Marke auf der touristischen Landkarte. Dort sitzt man am Mida Creek auf starken Seilen direkt über dem Indischen Ozean, die Netze werden reserviert wie Tische und bedingen eine Mindestkonsumation. Die »Musafir« als neuer Trend-Spot in Ostafrika ist noch exklusiver: Nur per kleinem Boot erreichbar, folgt der Abend einer fixen Dramaturgie. Die Geschmacksreise startet mit einem »Espresso Martini« in Shot-Größe, zu dem am Pier ein Canapé mit Parmesan und Papaya-Pfeffer gereicht wird. »Wir wollten nicht etwas Europäisches kopieren«, spielt Schober auf die afrikanischen Zutaten an.

Dhow Musafir Kenia Daniel Schober – Falstaff PROFI
So idyllisch treibt die »Musafir« auf dem Mida Creek in Kenia. | © Musafir

Sie sind Teil seiner Cocktailkarte, die er mit dem Wiener Graphiker Balázs Vermes für die »Musafir« entwickelt hat. So wird für den »Gimlet« der kenianische Gin »Procera« verwendet. Im Mittelpunkt der Serves für die maximal 50 Gäste steht auch eine seltene tropische Mix-Technik – der »Swizzle«. Mit einem eigenen Stab werden dabei die Drinks zugleich kalt gerührt, als auch perfekt vermischt. Zwölf Signature Cocktails, darunter ein »Basil Swizzle«, erhalten so tropisches Gepräge. Mit Chili und Zitronengras lockt etwa der »Hot African Mule«. Münchener und Wiener Bar-Besucher werden aber auch die altbekannte »Lavalampe« an Bord finden. Optisch aufregend ist auch Schobers Version des Tiki-Klassikers »Pearldiver«: Er kommt in einer echten Muschelschale mit Pink Grapefruit-Filets zum Gast.

Lernpunkt 1: Realität trifft Konzept

Nur ein Monat stand für den Umbau des Vollholz-Schiffes zur Gastronomie-tauglichen Bar zur Verfügung. Parallel zum Adaptieren und der Drink-Entwicklung stand also auch das Training des Teams auf der Agenda. Herausforderungen gab es dabei genug, »Kenia zwingt dich, kreativ zu bleiben«, so Schober. So hatte nicht nur das Deck des vermutlich größten noch existierenden Ostafrika-Seglers eine Neigung von acht Grad, was beim Servieren einen Unterschied macht. Auch professionelles Equipment kauft man nicht einfach beim örtlichen Großhandel. So begann die Einreise Schobers auch mit dem Feilschen um die Einfuhr von Shakern und Jiggern. Zudem erwiesen sich die lokalen Zitrusfrüchte als Challenge für die frischen Säfte der Bar: »Sie sind klein und recht bitter, klassischen Rezepte funktionieren da nicht 1:1«. Gastro-Container wurden im Eigenbau zu Eisschalen umgewandelt, auch Spüllösungen mussten gefunden werden. Denn die »Musafir« hat kein Fließwasser an der Bar.

Am Ende schaffte das neue Team die Eröffnung zum Wunschtermin, in die sich auch die Bord-Crew stark einbrachte. »Faruk, Omar, Sahid und Messi leben praktisch seit zehn Jahren auf der Dhow«. Abgeschlossen ist der Umbau der ostafrikanischen Genuss-Destination noch nicht, im Frühjahr soll eine Speakeasy-Bar (30 Plätze) im Unterdeck dazukommen. Kulinarisch hat Stephanie Hayun das Holzschiff eröffnet. Ihr Zehn-Gänge-Menü »Plated by Stephie« brachte ausschließlich vegetarische Gerichte auf den Tisch. Alle drei Monate sollen neue Gastköche folgen. Jan Langer hat dafür das Motto »Destination Dining« ausgegeben: »Musafir ist kein Restaurant, das man zufällig entdeckt – es ist ein Abend, den man bewusst betritt«.

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