Energiesparen rückt immer mehr in den Fokus.
© Viktoria Mandl
Energiesparmeister: So kann man den Teuerungen entgegenwirken
Die massiven Kostensteigerungen rücken auch in der Hotellerie und Gastronomie das Thema Energiemanagement in den Fokus. Wo und wie lässt sich sparen?
von Klaus Höfler
11. April 2023
Nach der Krise ist in der Krise. Gerade noch haben Reise- und Besuchsbeschränkungen, Lockdowns und Lieferkettenprobleme die Branche vor teilweise existenzbedrohende Herausforderungen gestellt, sind bereits die nächsten Krisenwolken am Himmel aufgezogen. Dieses Mal in Form explodierender Energiepreise, mit denen die Gastronomie und Hotellerie zu kämpfen hat. Denn Gästezimmer und Bars wollen auch beheizt, Kühlräume und Küchen betrieben, Restaurants und Stiegenhäuser beleuchtet werden. Das kostet – immer mehr.
Ein entsprechend hohes Einsparungspotenzial ortet das deutsche Netzwerk der Energieeffizienz-Berater. Die Rechnung der Expert:innen: Hochgerechnet fließen in einem Hotel durchschnittlich fünf bis sechs Prozent eines Jahresumsatzes in die Wärme-, Kälte- und Stromversorgung. Die Summe des Energiebedarfs setzt sich in Restaurants aus Heizwärme, Warmwasser, Kühlung und Beleuchtung zusammen. Für die Gastronomie kommen die Energieberater auf mehr als vier Prozent eines Jahresumsatzes, den Wärme, Kälte und Strom verschlingen.
Wo liegt das Einsparungspotenzial?
Wie genau und wo sich im konkreten Einzelfall etwas einsparen lässt, hängt natürlich von den Verhältnissen vor Ort ab. Um den Schwachstellen und Einsparungspotenzialen auf die Spur zu kommen, wird daher zu einer fachmännischen Analyse geraten, bevor man sich zu einer kostenintensiven Investition entschließt. Über ressourcenschonende Energiekonzepte lassen sich laut Experten durch Optimierungen und Modernisierungen nämlich je nach Alter der Anlagentechnik auch Einsparungen zwischen zehn und 35 Prozent erreichen. Die steigenden Strom- und Gaskosten in Verbindung mit den ehrgeizigen Klimaschutzzielen rücken das Thema jedenfalls immer stärker in den Fokus. Zudem spielt Nachhaltigkeit auch aus Imagegründen eine immer wichtigere Rolle. Einsparungspotenziale werden gesucht, massive Anstrengungen zur Selbstversorgung betrieben, Maßnahmen zur Effizienzsteigerung ausgelotet, wobei aber all diese Einschränkungen beim Verbrauch nicht zu Einbußen bei der Qualität führen sollen. Geht das überhaupt? Ja. Wie? Hier einige Beispiele.

Smarter Dunstabzug
Im Hotel »Continental Park« in Luzern hat Geschäftsführer Alessandro Pedrazzetti schon vor drei Jahren ein neues Energiekonzept realisiert. Eines seiner Kernelemente sind Sensoren in der Küche. Die Lüftung läuft dabei immer auf kleinster Stufe. Erst wenn der Dunst zu- und somit die Luftqualität abnimmt, reagiert das System und die Lüftung wird hochgefahren. Außerdem wird mittels digitaler Steuerung verhindert, dass alle stromintensiven Geräte im Hotel gleichzeitig im Einsatz sind. »Weil das System den Energieverbrauch intelligent steuert, haben wir keine Spitzenzeiten mehr, in welchen der Verbrauch massiv ausschlägt«, so Pedrazzetti. Insgesamt konnte er seinen Verbrauch im Bereich der Hauswirtschaft so um gut 53 Prozent senken.
Turbine für den Duschkopf
Auch beim Wasserverbrauch lassen sich Einsparungen erzielen, ohne dass der Gast etwas merkt – beispielsweise durch den Einbau spezieller Duschköpfe, die den Wasserdurchfluss optimieren. Dafür wird an jeder Armatur vor dem Duschschlauch ohne viel Aufwand eine kleine Turbine eingeschraubt, die dem Wasser Luft beimengt. So bleibt das Duschwasservolumen gleich, obwohl der tatsächliche Wasserverbrauch sinkt. Das unter anderem auf Umwelttechnologie spezialisierte oberösterreichische Unternehmen Rabmer hat eine derartige »Ecoturbine« im Programm, die noch dazu verhindert, dass sich im Duschschlauch oder Duschkopf Ablagerungen bilden. Ein Businesshotel mit 100 Zimmern spart damit jährlich rund 2.100 Kubikmeter Wasser, rechnet Ulrike Rabmer-Koller vor.
Klimaanlagen: »Fehlerquelle Gast«
Im Winter wird sie erwärmt, im Sommer gekühlt: Die »Luftbewirtschaftung« wird so zu einem nicht zu unterschätzenden Energie-, und damit Kostenfaktor. Im »Vienna Marriott Hotel« senkt man ihn, indem man in der kalten Jahreszeit die Außenluft für die Klimatisierung der Computerräume verwendet. Während einer umfassenden Sanierung der Haustechnik wurde dafür eine sogenannte Free Cooling Einheit installiert. Über eigens installierte Zähler wird der momentane Kältebedarf ermittelt und so unnötige Laufzeiten der maschineneigenen Kühlungen verhindert. Zudem wurden im Zimmerbereich Schalter installiert, die die Klimaanlage bei geöffnetem Fenster ausschalten. Hier wird auch über Bewegungssensoren erkannt, ob sich jemand im Zimmer aufhält und die Klimaanlage entsprechend energieoptimiert gesteuert. Denn hochgerechnet fließen 40 Prozent des Strombedarfs eines Hotels in Klima- und Lüftungsanlagen.
Die größte (und teuerste) Fehlerquelle bleibt eine unsachgemäße Bedienung durch den Gast. »Umso wichtiger ist eine möglichst moderate Voreinstellung«, rät man beim oststeirischen Klimaanlagenspezialisten »Gree«. Ab einer gewissen Größe wird ein automatisiertes Gebäudemanagementsystem empfohlen, das über eine Zentralfernbedienung verfügt. Mit ihr können Freigaben und Sperren gesteuert werden, womit das Verstellen durch Gäste auf kleine Temperaturbereiche eingeschränkt bleibt. Und wie effizient ist es, Klimaanlagen als Raumheizung zu verwenden? »Sehr«, sagen die »Gree«-Experten, sofern die Klimaanlage mindestens einen COP (Coefficient of Performance) von 3 aufweist (die meisten haben einen deutlich höheren Wert). Er besagt, dass aus einem Kilowatt Strom mindestens drei Kilowatt Heizleistung generiert werden können. Bei sehr tiefen Temperaturen sinkt der COP zwar und es könnten andere Heizformen Vorteile haben, »aber eine Klimaanlage ist immer effizienter als jede andere elektrische Heizung«.

Saubere Luft ohne Lüften
Saubere Luft ohne die Fenster zu öffnen – geht das? Ja, sogenannte »Aircleaner« können das. Das Salzburger Unternehmen Ozonos bietet derartige Apparate zur Luftreinigung. »Zum Einsatz kommt eine von der Natur inspirierte UVC-Entkeimung, bei der am Ende nur reiner Sauerstoff übrigbleibt«, erklärt Geschäftsführer Fredy Scheucher: »Es ist derselbe Effekt, wie wenn man frisch lüften würde.« Das Einsatzgebiet ist breit: Ob es um schwere Parfums der letzten Gäste, Rauchrückstände, Viren, Keime und Bakterien oder auch Allergene (Milben, Pollen, Tierhaare) geht – Aircleaner reinigen binnen kürzester Zeit, was längeres Offenhalten der Fenster (und damit Heiz- oder Kühlkosten) spart. Und das auf Knopfdruck von der Rezeption aus. Der neue Gast kommt somit nicht nur in ein geruchsneutrales und allergenfreies Zimmer sondern kann sich auch bezüglich Coronaviren sicher fühlen.
Sensoren schalten das Licht aus
In kleinen Hotels und Restaurants macht die Beleuchtung normalerweise 15 bis 45 Prozent des Stromverbrauchs aus. Der Großteil der Beleuchtungsenergie wird dabei in den rund um die Uhr beleuchteten Gemeinschaftsbereichen eines Hotels wie Gängen und Lobby verbraucht. In einem Hotel mit 65 Zimmern und herkömmlicher Beleuchtung kann dies bis fast 1000kWh pro Tag in Gängen und 370kWh pro Tag in der Lobby ausmachen. An zweiter Stelle folgen die Schlafzimmer mit rund 350kWh pro Tag. Eine moderne Beleuchtungstechnik mit automatischen Regelungskomponenten kann daher entsprechend viel Energie sparen.
Wie viel, rechnet die Energie Steiermark vor: Allein der Austausch von zwanzig 60-Watt-Glühbirnen durch 9,5 Watt-LED-Lampen verringert den Energieverbrauch demnach um 84 Prozent. Zudem kann die Installation von intelligenten Lichtmanagement-Steuersystemen wie Timer und Sensoren den Beleuchtungsbedarf in Gängen oder Räumen mit unregelmäßiger oder häufig unterbrochener Nutzung um 70 Prozent im Vergleich zu einem ununterbrochenen Betrieb verringern. Ebenfalls Licht- und damit Stromsparen lässt sich mit Schlüsselkarten mit einer speziellen Steuerung, die den Strom in unbelegten Gästezimmern ausschaltet.
Europas Biomasse-Pionier
»Stanglwirt« in Going am Wilden Kaiser gilt als eine der ältesten – die Wurzeln reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück – und heute wohl bekanntesten Adressen in der Region Wilder Kaiser-Kitzbühel. Bereits in zehnter Generation kümmert man sich hier um Gäste. Das Bio- und Wellnessresort gleicht mittlerweile einem kleinen Dorf. Immer wieder setzte man innovative Marksteine. So auch 1980, als das erste Hotel-Biomasse-Heizwerk Europas eröffnet wurde, das bis heute die komplette Hotelanlage mit Wärme versorgt. Schon 1985 wurde es auf die doppelte Größe aufgerüstet und liefert heute eine Wärmeleistung von einer Million Kilowatt. In Spitzenzeiten werden hier bis zu 40 Kubikmeter Baumrindenabfälle (aus dem örtlichen Sägewerk) verheizt. Die Temperatur in der Brennkammer erreicht dabei zwischen 800 bis 1.000 Grad. Diese enorme Hitze sorgt dafür, dass die durch die Verbrennung auftretenden Abgase besonders schadstoffarm sind und durch den Kamin großteils nur mehr Wasserdampf entweicht.
Kühlung wärmt Schwimmbad
Der kilometerlange Nordseestrand liegt zwar direkt vor der Haustüre des Strandhotels »Duhnen« in Cuxhaven. Wettertechnisch ist in diesen geografischen Breiten aber ein »Open air-Baden« nur etwas für hartgesottene Frischluftliebhaber:innen. Das hoteleigene Schwimmbad bietet eine wohlig warme – für den Betreiber aber kostspielige – Alternative. In den Corona-bedingten Sperrzeiten wurde daher im Zuge umfangreicher Modernisierungsarbeiten im Haus eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert. Seither wird die bei der Kühlung entstehende Abwärme von rund 72kW nicht wie bisher einfach an die Außenluft abgegeben, sondern zum Beheizen des hoteleigenen Schwimmbads und zum Vorwärmen des Warmwassers im gesamten Hotelbereich des Hauptgebäudes genutzt. Beides wurde bisher konventionell mit fossiler Energie beheizt und verursacht nun keine zusätzlichen Energiekosten mehr. Das Schwimmbadwasser wird durch einen Wärmetauscher geleitet und so auf etwa 30 Grad erwärmt. Dies ermöglicht eine Einsparung von mehr als 17 Prozent im Vergleich zu einer herkömmlichen Poolheizung.

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