Tassen-Kunst: Nicht Latte Art, der Kaffee-Einkauf ist das Um und Auf.
© Lee Campbell/Unsplash
Kaffee wird teurer: Wer den Preis bestimmt – und wer daran verdient
Von der Bohne bis zur Tasse machen viele ihren Schnitt. Und hinter dem scheinbar simplen Produkt Kaffee steckt ein globaler Markt, der derzeit kräftig durchgeschüttelt wird. Das wirkt sich auch auf Gastronomen und ihren Umsatz aus.
von redaktion
02. Februar 2026
TEXT MARIE GRÜNER
Kaffee war lange ein verlässlicher Umsatzbringer – kalkulierbar, stabil im Preis, konstant im Absatz – kurz: ein sicheres Geschäft. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas verändert: Preise, die Gäste und Gastronomen gleichermaßen staunen lassen. Wie kann ein Getränk, das so alltäglich scheint, plötzlich so teuer werden? Die Antwort ist komplex, aber erklärbar. Der Markt gerät unter Druck: Preise schwanken, Kosten steigen, Margen sinken. Seit 2019 haben sich die Preise für Arabica Bohnen vervierfacht, für Robusta verdreifacht (Kakao sogar versiebenfacht!). Ursachen sind Ernteausfälle, geopolitische Spannungen, steigende Energiekosten und Spekulation.
Globale Bühne
Der globale Referenzpreis der International Coffee Organization (ICO) liegt im Herbst 2025 bei rund 6,80 € pro Kilogramm Rohkaffee. Arabica wird aktuell an der Börse in New York mit etwa 8,80 €/kg gehandelt, Robusta in London mit rund 7,00 €/kg. Die Börse bildet sozusagen den »Weltmarktpreis«, an dem sich Rohkaffee orientiert. Große Importeure sichern sich über langfristige Verträge ab, während kleinere Produzenten, Röstereien und Cafés weniger Spielraum haben – sie spüren die Schwankungen direkt.
»An den Börsen in New York und London treffen nicht nur Produzenten und Exporteure aufeinander, sondern auch Fonds, Banken und Spekulanten«, erklärt Pedro Rangel Mejía, Trader bei SMN Investment Services. »Ein Teil sichert Risiken ab, ein anderer wettet auf Preisbewegungen – das macht den Markt hochsensibel.« Ein sogenannter »Future« ist eine Preisvereinbarung für zukünftige Lieferungen: Steigt der Marktpreis bis dahin, profitiert der Käufer, weil er günstiger einkauft; fällt der Preis, gewinnt der Verkäufer. So sichern sich beide Seiten gegen Risiken ab.

Wer bestimmt den Kaffeepreis?
Auch das ist komplexer als es auf den ersten Blick scheint. Kaffee wird an zwei Schauplätzen gehandelt: Börsenmärkte, wo standardisierte Mengen und Qualitäten mit hoher Liquidität gehandelt werden, und Over-the-Counter-Märkte (OTC), also individuelle Verträge zwischen Farmern, Exporteuren und Röstereien.
Der Preis entsteht aus einem empfindlichen Zusammenspiel: Wetter, Erntemengen, Zinsen, Logistik, Wechselkurse und Spekulation greifen ineinander wie Zahnräder. Ein Ernteausfall in Brasilien, höhere Frachtkosten in Asien oder ein starker Dollar – und schon verschieben sich die globalen Ströme.
Aktuell prägen vor allem der Klimawandel, niedrige Lagerbestände und die neuen US-Strafzölle das Marktgeschehen. Bis zu 50 % auf brasilianischen und 20 % auf vietnamesischen Kaffee – das verändert nicht nur Preise, sondern ganze Lieferketten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Spezialitätenkaffee, während die Produktionskosten vieler Farmer explodieren.
Am Ursprung bleibt davon kaum etwas hängen: Im Schnitt erhalten Farmer nur 5 bis 10 % des Endpreises, während entlang der Kette Energie, Transport und Handel den Großteil verschlingen. Der Kaffeemarkt, einst Sinnbild für Stabilität, ist heute ein globales Barometer für Risiko und ein Spiegel dafür, wie ungleich Wert verteilt ist.
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