Das Ausnahmetalent, Harald Irka, führt seit Anfang 2020 zusammen mit seiner Partnerin Lisa Gasser »Am Pfarrhof« in St. Andrä im Sausal. © Phillipp Wagner

Harald Irka führt seit 2020 zusammen mit seiner Partnerin Lisa Gasser »Am Pfarrhof« in St. Andrä im Sausal.

© Phillipp Wagner

Kein und Aber: Es geht auch fleischlos an die Spitze

Plant based Food: der Spin bei Ersatzprodukten. Welche Möglichkeiten es gibt – und warum kein Fleisch aber nicht immer etwas mit Imitation zu tun haben muss: ein Philosophicum.

von Alexandra Gorsche
13. April 2022

»Oumph schockt mit einem rein pflanzlichen Human Meat Burger!« Man wolle beweisen, dass es möglich ist, pflanzliche Produkte herzustellen, die wie jedes andere Fleisch schmecken, eben sogar menschliches. Mit dieser Meldung sorgte das 1985 in Schweden gegründete Unternehmen zu Halloween 2021 für Aufsehen. Auch ohne »Echt jetzt?«-Neuigkeiten ist endlich richtig Bewegung in das Thema »Plant based« gekommen. Ein paar Zahlen gefällig? Im 1. Quartal 2020 erhöhte sich die Menge der zum Absatz bestimmten Fleischersatzprodukte in Deutschland von knapp 14,7 Tausend Tonnen auf gut 20 Tausend Tonnen um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, so das Statistische Bundesamt. Wobei »Ersatz« ähnlich wie »Imitation« oder »Verzicht“ für viele Reizwörter sind und besonders einigen hoch dekorierten Köchen gar nicht schmecken.

Einer von ihnen: Harald Irka vom Restaurant »Am Pfarrhof« in St. Andrä im Sausal, Steiermark. »Für die Zukunft ist Plant based ein großes Thema, für uns im Restaurant eher weniger«, äußert sich Harald Irka und setzt fort: »Ich setze nicht auf Ersatzprodukte, sondern bleibe direkt bei den Grundprodukten. Es muss nichts aufbereitet oder chemisch verarbeitet werden, um ein großartiges vegetarisches bzw. veganes Gericht oder auch Menü zu kreieren.« Irka, der in früheren Jahren auch mal als »Whizzkid« betitelt wurde, setzt bei seinem Fine Dining-Menü seit jeher auf einen hohen Gemüse-Anteil. »Meist haben wir nur in einem Gericht Fleisch integriert«, berichtet Irka.

Der Koch attestiert einem anderen Markt weit höheres Potenzial für Imitationen. »Die Fast Food-Industrie setzt zunehmend auch auf ein Plant based-Angebot. Wenn diese Ketten ausschließlich auf Ersatz-Produkte setzen würden, könnte das den Markt entscheidend verändern.« Damit die Revolution hin zu einem gesünderen Lebensstil – und einem gesünderen Planeten – gelingt, braucht es aber ganz viele kleine und große Räder, an denen gedreht wird. Die einen setzen wie Irka auf komplett unverfälscht, die anderen experimentieren. Es gibt viele Wege zum Ziel, wichtig ist nur, loszugehen.

Irka-Food-c-Kirchgasser-Photography-2048
previous arrow
next arrow
 

Green Facts

  1. Weniger H2O-Verschwendung
    Ein 150 Gramm Rinder-Patty benötigt rund 2350 Liter Wasser in der Herstellung, ein Sojaburger nur 158 Liter.
  2. Ist Vleisch gleich Vleisch?
    Erbsen, Soja, Weizen, Lupinen: Die Basis der Fleischersatzprodukte ist vielfältig. Aber was davon ist am umweltfreundlichsten? Die Swedish University of Agricultural Sciences fand 2020 heraus: Pro Kilo des Produkts kommen Soja- und Erbsenprotein auf 2,2 kg CO2-Äquivalente, Tofu und Tempeh auf 2,3 kg, Quorn auf 2,7 kg. Laut Institut für Energieund Umweltforschung Heidelberg liegen Lupinen mit 0,4 kg weit vorn auf Platz 1. Seitan aus Weizenprotein kommt auf 2,5 kg.
  3. Gesunder Boden
    Durch Massentierhaltung gibt es mehr Gülle, als die Böden aufnehmen können. Eine Überdüngung damit gefährdet das ökologische Gleichgewicht, Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit gehen verloren, Grundwasser sowie Oberflächengewässer werden verschmutzt.
  4. Stimmt die Chemie?
    Typisches Argument eingefleischter Allesesser: »Das ist doch pure Chemie!« Aber ist das wirklich so? Jein. Wahr ist: in pflanzlichen Fertigprodukten stecken keine Wachstumshormone oder ungesunde Mengen gesättigter Fette. Wahr ist aber auch: Einige Hersteller verwenden Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker für den Fleischgeschmack. Eine Studie der Albert Schweizer Stiftung, die 80 Fleischalternativen untersuchte, empfiehlt daher, zu Bio-Produkten zu greifen, da diese im Schnitt weniger Zusatzstoffe enthalten. Ansonsten wird der Salzgehalt häufig zu Recht kritisiert. Aber: Hohe Mengen an Salz stecken auch in Aufschnitt. Tipp: Neben Bio-Siegel auf einen moderaten Salzgehalt achten.
  5. Weniger Treibhausgase
    Laut Umweltbundesamt ballert die Herstellung von 1 Kilo Schweinefleisch 4,1 kg, die von Geflügel 4,3 kg und die von Rindfleisch ganze 30,5 kg Treibhausgase in die Luft. Ein Kilo Sojafleischersatz erzeugt weniger als ein Zehntel als Rindfleisch.

Erschienen in

Falstaff Profi Magazin

Nr. 01/2022

Zum Magazin

Lesenswert

»Avita« Falafel stehen damit für hohe Gästeakzeptanz, maximale Flexibilität im Einsatz und wirtschaftliche Effizienz im professionellen Küchenalltag.

© Foto beigestellt

Produkt der Woche: »Avita« Falafel

Advertorial

Die tiefgekühlten »Avita« Falafel überzeugen durch hohe Gästebeliebtheit, flexible Anwendung und starke Wirtschaftlichkeit.

Cookies Cream - Falstaff PROFi

BU: Das »Cookies Cream« stellt seine Küchenführung neu auf: Viktor Gerhardinger, Gründer »Cookie« Heinz Gindullis und Küchenchef Patrick Ziegert (v. l.).

© Alexander Gnädinger

Führungswechsel im »Cookies Cream« – Patrick Ziegert und Viktor Gerhardinger stellen sich vor

Das Berliner vegetarische Fine-Dining-Restaurant »Cookies Cream« stellt sich neu auf: Patrick Ziegert wird Küchenchef und Viktor Gerhardinger ergänzt das Team als Head of Culinary Development. Gemeinsam sollen sie die kulinarische Linie des Lokals weiter schärfen.

Green Chef Battle - Falstaff PROFI

Die Teilnehmer der ersten »Green Chef Battle«. Der Nachwuchs-Event soll künftig jährlich stattfinden.

© Marcell Tárnoki/TS Semmering

Sicher geht das! 7 Tourismusschulen tischen vegane Menüs auf

Österreichs Gastro-Nachwuchs zeigt ohne Fleisch seine Stärke: Ausschließlich vegane Menüs waren bei der ersten »Green Chef Battle« gefragt. 7 Tourismus-Schulen stellten sich der Herausforderung am Semmering – alkoholfreie Pairings inklusive!

Le Burger - Falstaff PROFI

Lebensmittelexperten für »Le Burger«: Lukas Teschmit (Chief Process Officer) und Cornelia Felbinger (wissenschaftliche Mitarbeiterin Fachbereich Lebensmittelwissenschaften an der FH Wr. Neustadt)

So »smart« kann ein Burger sein! Inklusion statt Fleisch-Verzicht

Fleisch nicht verteufeln, Geschmack erhalten! Den Rindfleischanteil schrauben Anbieter in der Systemgastronomie, aber auch im Convenience-Bereich herunter. PROFI weiß, warum das »smart Patty« nicht leicht zu fertigen ist. Und vor allem, wer es anbietet …

Im Jahr 2019 kam Warren's „Özlem’s Turkish Table“ heraus, nun legt sie mit »Sebze« nach. Außerdem veröffentlicht sie regelmäßig Artikel und Rezepte in Zeitungen und Magazinen, u.a. der »New York Times«.

© ZS Verlag

Es gibt mehr als Kebap! Das Kochbuch »Sebze« von Özlem Warren

Sebze bedeutet auf Türkisch «Gemüse» und die auf zwei Kontinenten als Koch-Lehrerin tätige Autorin kennt es aus dem Eff-Eff. Die fleischlose Rezeptsammlung trifft den Zeitgeist.

Paul Ivic, Geschäftsführer und Küchenchef im »Tian«, und Parvin Razavi, Creative Head Chef in der Küche des »&flora«

Paul Ivic, Geschäftsführer und Küchenchef im »Tian«, und Parvin Razavi, »Creative Head Chef« im »&flora«.

© ALBA Communciations / Daniel Ecker

Vegan-vegetarische Kochlehre: Wiener Spitzenköche starten mit Kritik

Seit Juli 2025 gibt es in Österreich erstmals eine Lehre für vegetarische und vegane Kulinarik – ein weltweites Novum. Die Wiener Spitzenköche Parvin Razavi (»&flora«) und Paul Ivić (»Tian«) gehören zu den ersten Ausbildern. Während sie den Schritt grundsätzlich begrüßen, kritisieren sie: zu viel Tradition, zu wenig Zeitgeist – und ein Lehrplan, der viele Fragen offen lässt.

Meist gelesen

Der Wiener Roland Griesebner ist seit 2024 Geschäftsführer von »Oatly« DACH & Polen

© © Oatly

»50 % Flexitarier haben einen viel größeren Impact als 2 % Veganer«

Roland Griesebner, Geschäftsführer DACH & Polen bei »Oatly« im Talk mit Falstaff Profi.

Baba au rhum: Hefeküchlein, getränkt in Orangen-Rum-Sirup mit Vanille Crémeux. Hefeteig auf Basis von Mehl, Zucker, Hefe, Pflanzenöl und Wasser.

© Patrick Weichmann

Eleganz trifft Ethik: worauf es bei der veganen Pâtisserie ankommt

Was, wenn der Geschmack von Schokolade, Mandelcreme und Karamell plötzlich auch ohne tierische Produkte unvergleichlich bleibt? Melanie Kröpfl, die Vorreiterin der veganen Pâtisserie, beweist, dass süße Kunstwerke auch ohne tierische Produkte die höchsten Ansprüche erfüllen können.

© Foto beigestellt

Null Fleisch. Ächt smashed.

Advertorial

Endlich! Den trendigen Smash Burger gibt es jetzt rein pflanzlich.

»Bonvivant«-Chef Jules Winnfield © Sarah Schlopsnies

»Bonvivant«-Chef Jules Winnfield © Sarah Schlopsnies

Kulinarische Talente im Fokus: Auszubildende servieren 4-Gang-Dinner im »Bonvivant«

Der Abend in dem Berliner Lokal steht ganz im Zeichen der vegetarischen Küche.

Veggie-Kochlehre kommt nun fix. © Shutterstock

Veggie-Kochlehre kommt nun fix. © Shutterstock

Vegan-vegetarische Kochlehre kommt 2025

Bereits ab Anfang 2025 startet in Österreich die Ausbildung zur »Fachkraft für vegetarische Kulinarik«.

© Julia Keinrath

Neue Partnerschaft: »Karma Food« und »Hermann.bio« revolutionieren die Bio-Küche

Ab dem 5.Juli lautet jeden ersten Freitag im Monat das Motto: »We go Fungi – gehst du mit?«

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!